Montag, 30. Mai 2005

Concours Berlin-Paris

Die ersten natürlich durchweg hochwertigen Beiträge meiner geschätzten Leser sind angekommen, und nun haben auch Sie die großartige Chance, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Amüsieren Sie mich mit Ihren besten, katastrophalsten, komischsten oder egreifendsten Geschichten aus dem Herzen Frankreichs, und gewinnen Sie liebevoll ausgesuchte und persönlich beschriftete Postkarten, CD´s oder andere Sachpreise, die mir bis Freitag möglicherweise noch einfallen.

Einsendeschluss ist immer noch Freitag mittag und der Rechtsweg selbstverständlich vollkommen ausgeschlossen. Ach ja: Entgegen einem offenbar bestehenden, von mir aber keineswegs beabsichtigten Vorurteil dürfen und sollen sich auch weibliche Personen beteiligen!

Bereits gewonnen hat Herr Mequito , dem ich dieses schöne Banner verdanke.

concoursfuerfraumodeste.jpg

Tipps, wie ich das Banner auf die rechte Seite bekomme, sind übrigens auch gern gesehen.

Nachtrag:
Tipps, wie ich das Banner auf die rechte Seite bekomme, sind immer noch gerne gesehen - will mir denn keiner helfen? Oder wissen Sie auch nicht, wie das geht?

Die Niedrigkeit der Träume

Die Welt ist kalt und fremd, und der Mensch des Menschen Wolf. Und Glück und Schönheit sind stets eine Verführung zu etwas, was am Ende nicht gut sein wird für alle Beteiligten, aber schade ist´s schon um die Menschen, die Fassbinder vor unseren Augen zugrunde gehen lässt. Gesellschaftskritik mag man das schwitzende, übelriechende Panoptikum der verzweifelten Suche nach dem kleinen Glück kaum nennen, auch wenn es denn meist die Gesellschaft ist, an der man eingeht, sei´s die kriminelle Konkurrenz, seien´s die bösen Nachbarn, oder einfach die Verhältnisse der alten Bundesrepublik, die in diesen Filmen ein dämonischer Ort zu sein scheint, bevölkert von geborstenen, umgetriebenen Untoten mit Hosenträgern und Kittelschürze.

Weich sind nur die Träume und Schatten, die Liebe ist ein ferner Sehnsuchtsort zwischen feindlichen Reichen, über die der Gesang der wunderschönen Hanna Schygulla nicht siegen wird, und die schmierigen Finger des schlechteren Lebens drücken an den Träumen herum, bis die fauligen Stellen auch dieses Glück noch zerstört haben werden. Die Welt fordert Unterordnung, um die Folgsamen dann beiläufig und grausam zu bestrafen. - Die miteinander ihr Leben verbringen, werden sich gegenseitig zur Qual, und wer sich an Irm Hermann als Ehefrau im Händler der vier Jahreszeiten erinnert, wird dieses Bild ehelicher Discordia wohl kaum so schnell vergessen. Der Untergang der Liebe zwischen der alten Putzfrau und ihrem jungen Marokkaner, der Untergang der Effi Briest in einer niemals aufbegehrenden Demut, die man am Ende noch anschreien mag für ihre Vergebung, wäre sie nicht schon ganz und gar hinüber. Die ganze würgende Traurigkeit der Elvira „In einem Jahr mit 13 Monden“, senkt sich gerade im – gelungenen - Zitat auf die Lider: In Oskar Roehlers großartiger „Agnes“ nämlich: Durch die dicke Haut und das Fett der alten Republik platzen die Schäbigkeit der Verhältnisse, wie sie auch sein mögen, und die Gewalt. Keine schöne Welt ist das also, durch die Fassbinder uns führt, und warum, so fragen Sie sich, mag das Fräulein Modeste gerade über diese Filme schreiben, und plaudert nicht ein wenig über Rohmer oder die langen Nächte am Helmholtzplatz unter Sternen?

Warum ich, fernab der Wurzeln des verworrenen Lebens, abhold der Gesellschaftskritik, gleichgültig gegenüber jeglichem Realismus, den Fassbinder liebe, warum ich Filme einmal, zweimal, öfter gesehen habe, die quälen und auf der Haut brennen, mag sein, dass hier hinter der hässlichen Welt der untergegangenen Nachkriegsrepublik eine Eisenschmelze kocht und brodelt, in der alle Leidenschaften der Welt und eine überlebensgroße Sehnsucht lauern. Die ungeheuerliche Lebensfülle dieses Werkes, die Erkenntnis, dass hinter den glatten Dingen der äußeren Welt Abgründe von Schmutz und blutigen Tritten warten, dass alle Schönheit der Grausamkeit abgerungen ist, und zu ihr zurückfließen wird. Dass die Wahrheit hinter den Fassaden nur ein paar Worte, ein paar Gesten entfernt ist. Dass die ganze überschießende und brutale Vitalität des Sein im Banalen droht und lockt zugleich. Diese Angstlust, dass da noch etwas ist hinter den schwebenden Nächten, wird es sein, die in den Filmen bis heute flackert und bisweilen überquillt. Und diese Ahnung von den dunklen Seiten aller Leidenschaften mag es sein, die den Sog ausmacht dieser über vierzig Filme, die ich nicht alle kenne: Einen dreckigen Traum zu zeigen, ohne den ich nicht aufstehen könnte, morgen früh, irgendwann.



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