Montag, 22. August 2005

Das schwere Sein der Himmel

Schwer und müde hängt der Sommer in den Bäumen, lehnt an einer Mauer, und würde den Schwalben zusehen, wenn es hier welche gäbe irgendwo zwischen Arkonaplatz und Mauerpark. In meiner Tasche obenauf liegen gelbe Pflaumen, Flaschentomaten und Aprikosen mit einer dichten, stumpfen Haut in der Farbe mancher fremdländischer Mönche, deren langezogenes, modulierendes Singen gut in diesen Tag passen würde, in dessen warmer Luft die Konturen der Welt schon jetzt, gen Mittag, zu verschwimmen beginnen. Die Schatten der Bäume lasten schwarz auf dem ausgeblichenen, rauhen Asphalt.

Ein Paar steht küssend an einer Hauswand. Ein Radfahrer tritt stehend in die Pedale, ein Kind geht starr auf den Gehsteig blickend immer geradeaus. Eine alte, winzige Frau läuft die Schwedter Straße hinab, in jeder Hand einen geblümten Stoffbeutel. Vor den Mülleimern bleibt sie stehen, sucht mit der Hand nach weggeworfenen Pfandflaschen, und aus meiner offenen Einkaufstasche steigt der Geruch der reifen Früchte nach oben und streift mein Gesicht.

Schon morgen würden die Früchte Stellen aufweisen, dunkle Verfärbungen auf dem hellem Safrangelb. Schon morgen ist der Sommer vielleicht vorbei, nimmt der Herbst der Sonne die kraftvollen Arme, und vielleicht ist nur heute, nur diesen Vormittag der Sommer in dieser reifen, vollkommenen Balance: Schwingend wie die Pendel alter Uhren, ein entspanntes Vibrieren, das so perfekt erscheint, so fehlerlos, dass die eigene Seele, der Perfektion entwöhnt, auf die Schüsse wartet, auf die Beschleunigung des Metronoms, auf Blut und Schreie.

Aber dann fängt doch nur Billie Holiday zu singen an, und man überlegt, was man essen sollte, heute mittag oder heute nacht.

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