Sonntag, 15. März 2009

Heute ist Dein Glückstag, Baby

Selbst mit den nachsichtigen Augen einer großen Schwester ist der jüngste Bruder der A. ein wenig sonderbar, wie man mir berichtet, und so nimmt es nicht wunder, dass jener, den wir hier einmal F. nennen wollen, auch mit 23 nur auf wenige und zudem eher etwas verkrüppelte Erlebnisse mit Frauen zurückblicken kann. Eine echte Beziehung – also ein Verhältnis, das beide Beteiligte übereinstimmend als solche bezeichnen – war bisher noch gar nicht dabei.

Die Ursache für dieses vom kleinen Bruder als zunehmend schmerzlich empfundene Defizit verortet dieser, wie es so zu gehen pflegt, nun offenbar nicht in seiner Sonderbarkeit, die sich etwa in einem merkwürdigen Erscheinungsbild und einem erstaunlichen Interesse für brutale Comics und kindlich anmutende Rollenspiele offenbaren soll. Vielmehr halte der kleine Bruder offenbar ein technisches Defizit für verantwortlich, wie der Kleine vor etwa zehn Tagen auf Gran Canaria, wo die A. mit Mutter und beiden Brüdern eine Woche in einem Ferienhaus verbrachte, quasi aus dem Nichts seiner erstaunten Schwester offenbarte.

Man habe, berichtet mir die A. also am Pool gelegen, ihre Mutter habe eingekauft, warm sei es gewesen und mit der Vogue auf den Knien habe sie in aller Ruhe ihre Fußnägel lackiert und diese im warmen, canarischen Frühlingswind zum Trocknen ein bisschen geschüttelt. Auf der Liege neben ihr lag ihr kleiner, käseweißer Bruder, las einen in mythischer Vergangenheit spielenden Roman mit einem wahrhaft abschreckenden Titel, den sie zum Glück vergessen habe, und betrachtete unverwandt, so, als habe er so etwas noch nie gesehen, die Füße seiner Schwester.

„Du kommst ganz gut an.“, habe er sodann nach einer längeren Phase der Stille geäußert. Zufrieden habe die A. genickt. In der Tat feiert jene bei den Berliner Männern erstaunliche Erfolge auf der ganzen Klaviatur von Wohlgefallen bis Begeisterung. - Er selbst indes, habe der kleine Bruder fortgefahren, könne dies leider nicht von sich behaupten. Die A. zuckte mit den Schultern. Das Problem, so bedeutete sie ihm, sei bekannt. Für einen Moment hätten beide geschwiegen. „Ich habe den Bogen halt nicht raus.“, habe der kleine Bruder geseufzt, und für einen Atemzug überlegte die A., ein paar Takte über alte T-Shirts, billige Friseure, schlechte Musik und komische Hobbies anzubringen. Bevor sie aber ansetzen konnte, sprach der F. weiter.

Manche Männer, teilte er düster mit, wüssten halt, wie man die Frauen anginge. Ein paar Worte genügten, und Telefonnummern würden übergeben, Termine vereinbart, und dann gehe mehr oder weniger alles von selbst. Solche Gelegenheiten seien es, die ihm fehlten, besser gesagt: Die Kunst, derlei Gelegenheiten, wo sie sich bieten, auch zu ergreifen, und um dieser unguten Situation ein- für allemal ein Ende zu setzen, wende er sich mit einer zugegeben offenherzigen, möglicherweise ein wenig überraschenden Bitte an sie: Die A. als Expertin in dieser Arena, so bat er, möge ihm einige Sprüche aufschreiben, ebenso originelle wie überzeugende Formeln der Kontaktaufnahme, die er sich merken und fortan zur Kontaktaufnahme verwenden werde. Er denke an so etwa zehn, um sich nicht die ganze Zeit zu wiederholen.

Die A. war sprachlos.

Sie habe nach Ablauf jener knappen Sekunde der Irritation wirklich nicht aus Boshaftigkeit gelacht, beteuert die A. Ihr Bruder aber sei nun sturzbeleidigt, gar nicht wieder zu beruhigen und ernstlich verstimmt über diese Verweigerung der aktiven Mithilfe an seinem Lebensglück.



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