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    <title>Melancholie Modeste</title>
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    <dc:publisher>Modeste</dc:publisher>
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    <title>Melancholie Modeste</title>
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    <title>Sonntag, 07.02.2010</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Die Elbe ist schwarz. Irgendwo auf der anderen Seite des Flusses ziehen einsame Lichter weit ausgreifend Kreise durch die eisige Nacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abteil aber ist die Luft abgestanden und warm. Neben mir lehnt die J. am Fenster in leichtem, schreckhaften Schlaf. Wir sind kurz vor Bad Schandau. Ein blondes, pausbackiges Mädchen liest der J. gegenüber einen historischen Roman, der schlecht aussieht, grob, bunt und billig, und ein kleiner Junge füllt Sudoku-Quadrate aus und sieht mich gelegentlich ernst und etwas abweisend an. Schöne Augen hat er, fällt mir auf, und ich lächele ihn an, und bedächtig, langsam und mit einer Würde, die älter scheint als er, senkt er den Kopf, um ihn wieder zu heben, und schaut mir prüfend einen Moment in die Augen und nickt.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-09T22:48:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/samstag-06022010/">
    <title>Samstag, 06.02.2010</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Prag ist fast leer. Oder besser: Prag ist ganz normal voll, wie eine hübsche, aber an sich unaufgeregte Stadt eben belebt ist an einem ganz normalen Samstag im Februar, und in den ungezählten Geschäften mit Souvenirs und böhmischem Glas stehen die Verkäuferinnen einsam und schauen an bunten, riesigen Vasen vorbei mit hängenden Armen ins Freie. Langsam wandern die J. und ich die Straßen entlang, vorbei an der Insel Kampa, durch ein paar Gässchen bis zu Národni t&#345;ida, und dann sitzen wir im Café Louvre und essen Quiche und Salat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil wir viel zu früh aufgestanden sind, alle beide, gähnen wir ab und zu ein bißchen und unterhalten uns mit den langen Pausen, die typisch sind für Leute, die sich schon lange, lange und gut kennen und nicht die ganze Zeit sprechen müssen, um zu demonstrieren, wie gut sie sich doch verstehen. Die J. hat Zahnschmerzen und nimmt ab und zu eine Tablette. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den Straßen liegt zu Haufen zusammengekehrt alter, schwärzlicher Schnee. Wir zeigen uns gegenseitig besonders absonderliche Gegenstände in Schaufenstern, lachen und schauen uns um. Prag schwingt beidseitig der Moldau ruhig der Dämmerung entgegen, wir nehmen irgendwo auf der Kleinseite einen Aperitif und schauen über die Dächer der Stadt auf den Fluss herab, der Eisschollen führt und das stumpfe Schwarz des alternden Winters. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Restaurant Olympia essen wir Suppe und Braten, Rindfleisch in dichten, cremigen Saucen, Knödel und trinken einen weichen, roten, mährischen Wein. Das Essen ist solide, duftend und schwer, und besser als in vielen anderen Lokalen. Satt, sehr, sehr satt, laufen wir die Straßen herab Richtung Smichov. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schlafe sofort. Kein Golem stört meine Träume.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-07T22:43:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/freitag-05022010/">
    <title>Freitag, 05.02.2010</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/freitag-05022010/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich, meine Damen und Herren, erlebe annähernd nichts, und wenn jemals einer daherkommt, um mein Leben für das Vorabendprogramm zu verfilmen, wird das Ganze garantiert nach drei Wochen abgesetzt. Heute etwa war ich mit dem J. im Filetstück, und es war schon super da, der gemischte Vorspeisenteller mit einer göttlichen Leberwurst (ja, Leberwurst!), und danach 150 gr. Filet vom Freesisch Rind und Spitzmorchelrisotto dazu. Eine Flasche Duoro Tinto mit dem J. Objektiv und für den unvoreingenommenen Beobachter war der Abend aber vermutlich so amüsant wie drei Stunden vor einem Aquarium ohne Fische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil wir nicht reserviert hatten, saßen wir am Fenster und sahen auf die Schönhauser Allee. Hastig und geduckt liefen Passanten unter den Schienen der Bahn hin und her. Die ganze Stadt ist überzogen mit einer buckeligen Eisschicht, und die Konzentration, die die nahezu unbegehbare Stadt erfordert, will man doch mal vor die Tür, macht die Berliner noch mürrischer als ohnehin. In den meisten Vororten ist zudem fast jeder hässlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Scheibe spiegelte sich der riesige Korbleuchter inmitten des Raums, und der J. kaute sein Entrecôte vom American Beef. Die anderen Leute im Lokal waren weder spektakulär schön noch außerordentlich extravagant, und sie haben auch nichts besonderes getan. Der J. schilderte den Diebstahl seines Kofferbandes mit der Aufschrift &quot;59. Berlinale&quot; durch ein paar unverfrorene Arbeiter am Band, die - beobachtet vom J. - das Band vom Koffer entfernt und sodann irgendwelchen Schabernack damit getrieben haben, und ich sah den Passanten hinterher und dachte darüber nach, ob denen in ihrem Leben eigentlich auch so langweilig ist wie mir. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil ich morgen früh mit der J. nach Prag fahre, sind wir nach dem Essen dann gleich nach Hause gegangen. Ich habe dem J. vom Chén Chè erzählt, wo ich Mittwoch abend war, und es war wirklich, wirklich nett und hübsch und sogar ganz lecker. Der J. und ich sind auf dem Heimweg mehrfach fast ausgerutscht, weil es überall so glatt ist, wie es eben wird, wenn Schnee zusammengetreten wird und mehrfach antaut und überfriert. Ich habe gegähnt und gepackt, weil ich morgen früh so lange wie möglich schlafen will, und dann stand ich im Bad, sah in den Spiegel, öffnete den Mund und zog ein paar Grimassen, damit es zumindest irgendetwas zu lachen gibt inmitten der Ödnis, die einem bleibt, wenn man so wenig mit sich azufangen weiß wie ich&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>Über Essen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-05T23:31:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/mittwoch-03022010/">
    <title>Mittwoch, 03.02.2010</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/mittwoch-03022010/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Gegen zehn nach neun treffe ich den R. vor dem Fahrkartenautomat in der U-Bahn. Den R. - obschon an sich gut befreundet - habe ich tagelang nicht gesehen, auch gestern abend war er nicht da, und so stürze ich auf den R. zu, erzähle dies und das und noch ein bißchen mehr, und dann frage ich ihn nach seinen Eltern. Seine Eltern waren zu Besuch, das hatte er uns erzählt letzte Woche, und wie immer winkt der R. ab. Anstrengend sei es gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann steigen wir in die Bahn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morgens ist die Bahn voller Leute, die zur Arbeit fahren. Ganz früh kommen die Männer in den Arbeitsjacken und die Frauen in ihren billigen Steppjacken über den Chenillepullovern. Dann tauchen Anzüge auf, die Anzüge werden besser, und dann, ab halb zehn ungefähr, wird es einerseits studentisch und andererseits alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil es noch nicht halb zehn ist, stehen um uns herum nun auch Leute, die ungefähr so aussehen wie wir. Jüngere Anzugträger, Leute mit Bürojobs, die Wert darauf legen, nicht dasselbe anzuhaben wie die Leute im Büro nebenan. Alles schaut stumpf gegen die schwarzen Fenster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Magst du dich setzen?&quot;, fragt der R., und dann sitzen wir beide. &quot;Weißt du eigentlich, wieso meine Eltern da waren?&quot;, fragt der R. auf einmal, und ich schüttele den Kopf. Seine Eltern kommen doch öfter, überlege ich und schaue ihn an. - Er habe geheiratet, sagt der R. dann einfach so, und ich schaue ein wenig entgeistert. Nicht, dass mich so an und für sich wundert, dass der R. und die I. nun doch noch geheiratet haben. Gott, denke ich. Andere Leute heiraten auch. Aber so ganz ohne alles, so ganz ohne Freunde, ohne Feier, ohne Kleid, und nicht einmal mit beiden Eltern? Und wieso eigentlich heiraten, wenn es auch ohne Heiraten sichtlich gut ging die letzten zwanzig Jahre? Warum auch lichtet sich der Kreis der Unverheirateten mehr und mehr, und wie reagiert man eigentlich, wenn man ein klein wenig beleidigt ist, so einerseits, weil einem keiner vorher was sagt, und man andererseits sehr herzlich gratulieren will, weil die Ehe ja generell als erstrebenswert gilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Herzlichen Glückwunsch! Das ist ja toll.&quot;, trompete ich also und freue mich auf die verdutzte Miene des J.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-03T23:21:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/dienstag-02022010/">
    <title>Dienstag, 02.02.2010</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Mittags beim Lieblingschinesen an der Jannowitzbrücke: Wasserspinat, Rindfleisch nach Bauern Art (also serviert in einer Schüssel mit heißem, scharf gewürztem Öl) und derjenigen Peking Suppe, die man bekommt, wenn man sie ausdrücklich verlangt. Nach dem Essen auf angenehme Weise schwer wie ein rundlicher, strahlender chinesischer Buddha. Mir selbst Blumen gekauft, weil es sonst keiner tut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends durch die nass-kalte Straßen der Stadt. Gelacht. Auf dem Rückweg zwanzig, dreißig Minuten auf die M 1 gewartet, schließlich mit fast schon nassen Füßen in der Bahn einem Jungen gegenüber gesessen, der hohnvoll, fast verächtlich auf meine schmalen, schwarzen Stiefel aus feinem Leder sieht, auf meine Strumpfhosen und meinen Rock. Am Ende starrt er mir einen Moment ins Gesicht, feindlich fast, sehr von oben herab, und ich frage mich, was er in mir sieht, als ich nach Hause laufe von der Haltestelle um die Ecke durch die Dunkelheit, die Nässe und die fallende Nacht.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-03T13:22:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/montag-01022010/">
    <title>Montag, 01.02.2010</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/montag-01022010/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Um sieben stehe ich auf, um acht verpacke ich mit dem J. beide Katzen und schleppe die guten Tiere zum Arzt. Den ganzen Tag bin ich müde. So gut wie nie stehe ich vor 8.30 (auch gern einmal später) auf, und so fallen mir schon gegen zehn fast die Augen zu. Gegen eins wache ich kurz auf, um etwas zu essen, und halte mich dann bis gegen neun Uhr abends mühsam wach. Dann gehe ich nach Hause. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Hause sitze ich wie ein Sandsack vor dem Rechner und blinzele den Monitor an. War schon alles einmal besser, werfe ich den Katzen vorwurfsvolle Blicke zu, weil sie schuld sind an dem unnatürlich frühen Tagesbeginn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wir hätten uns das auch sparen können.&quot;, maunzt Tilly zurück. Der J. ist unzufrieden, weil in den Bratnudeln mit Broccoli und Zwiebeln mit Ei kein Fetzen Fleisch und noch nicht einmal Tofu zu finden war, und ich liege dann doch erst nach zwölf im Bett und denke darüber nach, ob es mir so gefällt, das alles, und was wäre, wenn nicht.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-02T23:07:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/sonntag-31012010/">
    <title>Sonntag, 31.01.2010</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Morgens scheint die Sonne. Der Prenzlberg ist sonnig und hell, und mit der neuen, silberglänzenden Tasche in der Hand spaziere ich ganz, ganz vorsichtig über den Kollwitzplatz. Der Schnee von Wochen hat sich festgetreten zu einer ungleichmäßigen, gesplitterten, buckeligen Eisschicht. Ab und zu gleite ich ein Stück zur Seite, und dann bekomme ich einen Schreck. Gleich, gleich werde ich fallen. Dann falle ich doch nicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Berlin im Winter noch etwas unwirtlicher ist als alle anderen Städte schauen die Berliner im Winter alle ziemlich verdrossen in die Gegend, als habe die ganze Stadt ein halbes Jahr schlechte Laune. Würde man einen Passanten nach der Uhrzeit fragen, würde man wohl angebellt, &lt;i&gt;seh&apos; ich aus wie die Zeitansage?&lt;/i&gt;, und würde man anlasslos fremde Leute anlächeln, sperrten die Berliner einen wohl ein. Sogar an einem hellen Wintertag wie diesem scheinen die Leute auf der Straße die Zähne zu fletschen und nach ihren Kindern zu rufen, als sei &lt;i&gt;Friedrich&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;Marie&lt;/i&gt; ein tiefschwarzes, böses und höllisches Schimpfwort. 

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;***

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;

Angekommen wird alles wieder gut. Es gibt Kaffee und Semmeln, Käse, Obst und Quiche Lorraine, es gibt Gelächter und Freunde, und ich sitze vier Stunden lang oder so auf dem Sofa und lasse mir etwas erzählen, lache, erzähle selbst, vergesse das Erzählte auf der Stelle und esse zwischendurch ein Stück Ananas, ein wenig Käse, eine schmale Scheibe Zwiebelkuchen, Schokoküsse und noch viel mehr und fühle mich wohl. 

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;***

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Gegen fünf dann fange ich an zu kochen. Ich habe Gemüse abonniert, das kommt in einer grünen Kiste freitags zu mir, und wenn es da ist, dann muss ich es essen. Das meiste Gemüse ist wohlbekannt und mir durchaus geläufig. Niemals aber kaufte ich in einem ganz gewöhnlichen Geschäft etwa eine derbe, violett schimmernde Steckrübe, noch nie habe ich Pastinaken erworben, und wie es scheint, war letztgenannte Abstinenz auch genau richtig. Die Steckrübe zwar war einwandfrei und wohlschmeckend, zunächst in Honig und Butter karamellisiert und dann in Orangensaft geschmort mit Ingwer und Rosmarinnadeln. Die Pastinaken aber, ein weißes, leicht verkrümmtes  Wurzelgemüse, hätten mich um ein Haar umgebracht: Ich rühre also in den grob geraspelten Pastinaken herum, gieße eine Vinaigrette mit viel Honig und Apfelessig über den Salat, und dann schmecke ich ab. Es schmeckt gut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im selben Moment schlägt die Pastinake mir mit der geballten Faust zwischen die Augen. Die Welt wird etwas glasig, leicht verzerrt, mein Mund beginnt zu prickeln, meine Unterlippe wird dick, und die Schleimhäute fangen an, trocken und zum Zerreißen gespannt zu vibrieren. Der J. soll sich um die Katzen kümmern und bekommt meine Bücher, schießt es mir durch den Kopf. Auf jeden Fall Feuerbestattung. Ich schwanke also durch die Küche, setze mich auf einen Stuhl, und dann stehe ich wieder auf und torkele ins Bad. Ich habe immer Cetirizin, &lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/4198181/&quot;&gt;denn ich bin nicht lebensfähig ohne diese Substanz&lt;/a&gt;. Zwanzig Minuten später ist dann auch alles wieder gut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende essen alle die Pastinaken außer mir. Zur Steckrübe gibt es nach Foie Gras auf Blattsalaten Rosmarinkartoffeln und Kalb und einen leichten, sehr kühlen, fast sommerlichen Riesling. Ich habe Törtchen gekauft in der fabelhaften &lt;i&gt;&lt;/i&gt;&lt;a href=&quot;http://www.werkstatt-der-suesse.de/&quot;&gt;Werkstatt der Süße&lt;/a&gt;, die C. erzählt von ihrem neuen Job und der neuen Wohnung, und ich taste mit der Zunge die nun wieder abgeschwollene Stelle am Gaumen ab, die eine Nuance empfindlicher bleibt als an allen anderen Tagen.

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;***

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Sonderbare, schwer bestimmbare Träume von Rolltreppen und großen, schweißnass schlafenden Tieren. &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-02T10:47:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/samstag-30012010/">
    <title>Samstag, 30.01.2010</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/samstag-30012010/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Katzen kratzen sich. Das ist normal. Meine Katzen kratzen sich aber seit zwei oder drei Wochen ständig und meistens an den Ohren, das ist nicht normal, und deswegen erscheinen der J. und ich und Tilly und Willy am Samstag beim Tierarzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tierarztbesuch geht ein etwas längerer Kampf voraus. Tilly lässt sich folgsam in eine Katzenbox sperren und schaut etwas unglücklich durch das Gitter, aber Willy wird größer, breiter, seine Beine vermehren sich, seine Krallen werden zu halbmondförmigen Säbeln, und er faucht wie ein Tiger im Zirkus kurz vor dem Sprung. Gleich fällt der Dompteur blutend vom Podest. Dann aber überlegt der Tiger es sich anders, zischt in der geschlossenen Tasche noch ein wenig weiter und lässt sich durch den buckelig-eisverkrusteten Prenzlberg zum Tierarzt schleppen. Beide Katzen wiegen jeweils 7,4 Kilo zuzüglich Verpackung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tierarzt schaut beiden Katzen lange in die Ohren. Beide Katzen, sagt er dann, haben Milben in den Ohren. Beide Katzen bekommen Salbe, Spritzen, bei Tilly hat sich alles entzündet. Der Tierarzt schaut etwas bedenklich, und der J. und ich sehen schuldbewusst aufs Linoleum. Rabenkatzenhalter, schauen beide Katzen uns vorwurfsvoll an. Zu Hause werden wir demonstrativ geschnitten. Mit uns kommuniziert man in Katzenkreisen am Samstag ausdrücklich nicht. 

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;***

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Nicht, dass ich den &lt;i&gt;Cava Cava&lt;/i&gt; Rock wirklich gebraucht hätte, aber irgendetwas muss ich schließlich anhaben, wenn ich vor die Tür gehe, und außerdem war er viel günstiger als der von &lt;i&gt;Lena Hoschek&lt;/i&gt;, und den habe ich nicht gekauft. Obwohl ich ihn gut fand, und gepasst hatte er mir auch. Das puderfarbene Strickkleid von &lt;i&gt;Ti-Mo&lt;/i&gt; habe ich auch nicht gekauft, und deswegen besteht keinerlei Anlass - also wirklich kein einziger Fetzen einer Ursache - für ein schlechtes Gewissen, nur weil ich in der Lychener Straße die Tasche (ach was: DIE Tasche!) gesehen und gekauft habe, eine Art gerafften Beutel, statt eines Zugbändchens eine silberglänzende, grobe Metallkette, silberfarbene Lederriemen, und den Beutel selbst über und über mit ganz, ganz, ganz vielen kleinen, viereckigen Pailletten besetzt, so dass es glitzert bei jeder Bewegung und jedem Sonnenstrahl. Dass der J. mich um ein Haar für den Kauf entmündigt hätte - nun gut, jedem kann man&apos;s halt nicht recht machen, und der J. ist reizend, gewiss, aber manchmal hat er einfach keinen Geschmack. 

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;***

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wir fahren ja jedes Jahr alle zusammen weg. &lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/journal-2706/&quot;&gt;Letztes &lt;/a&gt;Jahr &lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/journal-2806/&quot;&gt;waren&lt;/a&gt; wir in &lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/journal-2906/&quot;&gt;Schweden.&lt;/a&gt; Dieses Jahr wollen wir auch irgendwohin, aber sich zu sechst auf ein Ziel zu einigen, ist nicht ganz einfach. Plan daher: Erst wird gegessen, dann wird bei M. und M. ein Ziel gesucht, ein Flug gebucht und ein Hotel reserviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende ist es gegen ein Uhr nachts Venedig. Vorher aber haben wir im &lt;i&gt;Basim &lt;/i&gt;in der Immanuelkirchstraße gegessen, und wenn es teurer gewesen wäre, hätte ich ein wenig genörgelt, dass eine Schinkenscheibe kein Amuse Gueule ist, und der in eine weitere gebratene Scheibe Schinken eingewickelte Radicchio (ein abscheuliches Gemüse) gleichzeitig bitter und nach Schwein geschmeckt hat.  Für die knapp &#8364; 40 pro Person aber war das Brot wirklich super, das Makrelentartar mit der gebratenen Makrele gut gewürzt und nett angerichtet, das Fleisch war durchweg gut, das Tobleroneparfait zum Dessert mehr als okay, und der Wein vom Weingut Hensel sehr in Ordnung. Im Gugelhof am Kollwitzplatz oder im Kreuzberger Jolesch etwa isst man bei nicht unähnlichem Zuschnitt trotzdem besser.

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;***

&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Tiefer, traumloser Schlaf.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-01T21:42:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/geschichten-vom-lieben-gott/">
    <title>Geschichten vom lieben Gott</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/geschichten-vom-lieben-gott/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;right&quot;&gt;&lt;i&gt;Es gibt keine grausamere menschliche Erfindung als Gott.&lt;br /&gt;
Onkel P. (1982)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Es gibt zwei sehr einleuchtende Geschichten, die Joel und Ethan Coen &lt;a href=&quot;http://www.seriousman.de/&quot;&gt;in ihrem aktuellen Film&lt;/a&gt; erzählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Geschichte ist schlicht: Gott beschließt eines Tages im Jahre 1967 seinen Knecht Larry Gopnik auf die Probe zu stellen. Larry ist rechtschaffen und redlich und gottesfürchtig, meidet das Böse schon aus Phantasielosigkeit, und verdient seinen Lebensunterhalt als Physikprofessor in einer jüdisch geprägten Kleinstadt im mittleren Westen der USA. Er ist verheiratet, er hat zwei Kinder im Teenageralter, sein leicht verwirrter Bruder lebt bei ihm, und außer einer Festanstellung fehlt ihm nichts Sichtbares für ein wohltemperiertes, wenn auch etwas klägliches Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann aber beginnen Gottes Proben. Seine Tochter stiehlt Larry Geld für eine Nasen-OP. Ob sein kiffender Sohn als Bar Mitzwa die Torah-Verlesung fehlerfrei hinbringen wird, ist äußerst fraglich. Ein Student erpresst und besticht ihn. Kurz vor der Beratung über seine Festanstellung tauchen diffamierende Briefe bei der Universiätsleitung auf. Seine Frau will sich von Larry trennen, um mit einem unglaublich öligen Witwer zusammenzuleben. Larry soll ausziehen und landet im Jolly Rogers, einem ungewöhnlich tristen Motel. Sehr, sehr traurig ist das alles, und - immerhin handelt es sich um eine Komödie - unendlich komisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Larry trägt diese Schicksalschläge maximal mittelmäßig gut. Er habe doch nichts getan, beteuert er wieder und wieder, und weil er sich auf all dies keinen Reim machen kann, beschließt er, Geistliche aufzusuchen. Die drei Rabbis aber helfen ihm nicht im Ansatz weiter. Larrys Welt ist aus den Fugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende hält Larry den Versuchungen Gottes nicht stand. Gerade als sich Larrys Schicksal wieder verbessert, taucht ein neuer Tiefschlag in Form einer hohen Anwaltsrechnung auf, und Larry geht auf die Erpressung des Studenten ein. Statt eines &quot;F&quot; soll es ein &quot;C&quot; sein. Bestanden. Das Geld steckt er ein. In diesem Moment aber spuckt Gott Larry Gopnik aus, um ihn zu zertreten: Sein Arzt ruft an, und es hört sich schlimm an. Auf die Schule seines Sohnes rast ein Tornado zu, und in des Sturmes schwärzlicher Säule sehen wir den rächenden Herrn aller Himmel in seinem Zorn. Soweit, so gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die andere Geschichte aber ist weniger erbaulich: Vielleicht interessiert Gott sich ganz und gar nicht für Larry Gopniks Redlichkeit, seine Standfestigkeit und seine Tugend. Vielleicht spielt Gott mit Larry wie eine junge Katze mit einer Maus. Vielleicht wird Larry zertreten, weil er gerade da war, vielleicht lacht Gott über Larry, weil sein Unglück eine außergewöhnlich komische Dimension hat. Vielleicht wirft Gott auf Erden alles durcheinander, und manchmal trifft es eben ein Geschöpf mehr als die anderen. Vielleicht - aber diese Möglichkeit ist angesichts von so viel Unglück geradezu skandalös - gibt es Gott schier gar nicht, und alles Leiden ist so sinnlos wie die Rechtschaffenheit und die Redlichkeit, und die Gottesfurcht geht ins Leere zwischen den gleichgültigen Körpern im Raum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wir aber lachen)&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>Bewegte Bilder</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-01-27T21:54:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/der-zsa-zsa-gabor-komplex/">
    <title>Der Zsa-Zsa-Gabor-Komplex</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/der-zsa-zsa-gabor-komplex/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Tatsächlich hat das Alter keinerlei Vorteile: Wenn man 20 ist, kann man nächtelang feiern und sieht am nächsten Morgen aus wie neu geboren, aber versuchen Sie das mal zehn Jahre später. Was eine wirklich junge Frau verbricht, fällt fast samt und sonders unter gütig belächelte Jugendsünden, wohingegen Damen mittleren Alters für ihre Faux Pas auf keinerlei Nachsicht hoffen können. Dass die männliche Nachfrage, um auch dieses schwierige Kapitel anzusprechen, sich in erster Linie auf junge Damen richtet, bedarf wohl keiner weiteren Worte, und so nimmt es nicht wunder, dass die Welt um manche ältere Dame weiß, welche ihr Geburtsjahr mindestens verheimlicht, wenn nicht sogar verfälscht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/5486917/&quot;&gt;Doch auch das männliche Alter ist kein gemütlicher Zustand&lt;/a&gt;, und so ist auch nicht jede männliche Altersangabe zutreffend, und daher antwortete ein 2005 an und für sich noch recht junger Mann von ca. 32 auf die Frage anderer Rechtsreferendare im Bundestag (tatsächlich handelte es sich um zwei Damen), wie alt er denn sei, mit einem kräftigen &quot;28&quot;. Die beiden Fragenden selbst bekannten sich zu ihren damals 24 oder 25, und so war alles gut. Einträchtig, ja freundschaftlich sogar, arbeitete man im Jakob-Kaiser-Haus vor sich hin. Dann aber hatte der junge Mann - wir wollen ihnen der Einfachheit halber J. nennen - Geburtstag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu seinem Geburtstag lud der junge Mann die beiden Kolleginnen ein. Außer den Kolleginnen waren auch die Freunde eingeladen, die der junge Mann sowieso schon hatte, und so saßen im Februar 2006 (draußen war es ziemlich kalt) ungefähr 15 Personen in seiner Wohnung am Helmholtzplatz herum. Es gab Bier, Bouletten und Salate, leise Musik, die den guten Geschmack des jungen Mannes bezeugte, und weil es zu wenig Sitzgelegenheiten gab, hockten die meisten Gäste auf dem Boden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Freunden, die den jungen Mann schon mehrere Jahre umgaben, gehörte unter anderem auch die C., die - wie die meisten anderen Anwesenden auch - ebenfalls Juristin ist, ebenfalls Jahrgang 1973 und ebenfalls keine gebürtige Berlinerin. Die C. stammt, wie es sich für eine Prenzlbergerin gehört, aus des Landes Südwesten, und dort hat sie irgendwann in den Neunzigern auch studiert. Nach dem Studium aber hat die C. mehrere Jahre an einem Lehrstuhl als eine wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet und promoviert und während dieser Zeit auch Arbeitsgemeinschaften gegeben, im Staatsrecht nämlich, und zwar gegenüber den damaligen Studenten der Anfangssemester. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Studenten war auch eine der Mitreferendarinnen des J., und ob diese nun den Altersunterschied zwischen der sofort wiedererkannten C. und sich selbst sogar richtig einschätzte oder möglicherweise die Rollendistanz zwischen Lehrenden und Unterrichteten mehr als die vier Jahre suggerierte, die beide tatsächlich trennte: Als die C. in irgendeinem Zusammenhang bekanntgab, sie sei ja nur drei Monate jünger als der J., sah die Mitreferendarin erstaunt auf, sah erst nach rechts zur C., dann nach links zum J., und dann saß sie da, runzelte die (übrigens hübsche) Stirn und dachte nach. Weil die Mitreferendarin nicht die Hellste ist, wie man so sagt, dauerte dieser Prozess ein paar Minuten. Dann fragte sie den J. ganz direkt nach seinem Alter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der J. sah ein wenig unbehaglich um sich. Nun ist es nicht schön, bei einer kleinen Korrektur des Alters erwischt zu werden, das sicher, aber auf der anderen Seite ist es auch nicht lustig, von guten, alten und insbesondere gleich alten Freundinnen ausgelacht zu werden, und das voraussichtlich über einen Zeitraum von mehreren Jahren mindestens alle paar Tage. Der J. atmete also dreimal tief durch, trank einen großen Schluck Bier und sagte die Wahrheit. Im Anschluss schwiegen alle Anwesenden kurz und betreten und feierten dann um so entschlossener weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein paar Tage später trafen der J. und die C. wieder aufeinander. Die C. hatte die Geschichte in der Zwischenzeit laut lachend einer unwesentlichen Anzahl von Personen weitererzählt, der J. hatte die ganze Geschichte nach einer kurzen Scham- und Erholungsphase ebenfalls schon kolportiert, und so fiel der Teil des Gesprächs, der im Wesentlichen aus Vorwürfen bestanden hätte, relativ kurz aus: Der J. sagte irgendetwas wie &quot;wie kannst du nur&quot;, die C. sagte &quot;wenn mich keiner vorwarnt&quot;, und dann traf man ein Arrangement: Künftig würde die Bezifferung des Geburtstages im Vorfeld abgestimmt. Das Erstvorschlagsrecht hat jeweils an seinem Geburtstag der J.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem J. richten sich dann die C., die I., der M. und sein Bruder T., denn alle drei gehören demselben Jahrgang an. Die M. und der S. sind ein Jahr jünger und ziehen dieses Jahr folglich ab. Ich folge mit einem zweijährigem Abstand, weitere drei Jahre jünger ist die F.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fühlt sich der J. nicht jedes Jahr ein Jahr älter. Manchmal altert der J. jahrelang nicht, dann gibt es auf einmal Sprünge, und so ist das Lebensalter der Menschen, die den J. umgeben, eine etwas erratische Angelegenheit, bisweilen selbst für die Beteiligten schwer nachzuvollziehen, ab und zu schert auch einer aus, dem die aktuelle Bezifferung aus persönlichen Gründen gerade nicht entspricht, und dann tut man gut daran, sich das alles zu merken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenwärtig bin ich, glaube ich, 31, aber das kann sich jederzeit ändern.
&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>Liebe Freunde</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-01-23T16:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/juli/">
    <title>Juli</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/juli/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Irgendwie aufgerauht von der Kälte, spröde, gesprungen, und frierend von morgens bis abends und nicht zuletzt nachts. Auf dem Heimweg dann auch noch gestürzt, schlingernd weitergelaufen. Unvollständig, kaputt. Nicht mehr ganz. Müde, müde, müde und seltsam entfärbt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil es gar nichts zu erzählen gibt, einfach geschwiegen. So überdrüssig des Winters, der dicken, gepolsterten Jacken, der Lichtlosigkeit und der Blässe. Sich treiben lassen auf dem Strom von Gedanken die Wochen entlang, der Sonne entgegen, in wehenden Kleidern, mit offenem Haar, und im Mauerpark schaukeln, fliegen, wirbeln, der Sonne entgegen, rot, glühend vor Sonne und Abend und so schwerelos frei, wie du manchmal gern wärst.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>Schnipsel</dc:subject>
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    <dc:date>2010-01-21T22:43:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/vergiftet-mit-ihren-traenen/">
    <title>Vergiftet mit ihren Tränen</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/vergiftet-mit-ihren-traenen/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;i&gt;Eduard von Keyserling, &lt;/i&gt;&lt;a href=&quot;http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=1416&amp;kapitel=1&quot;&gt;&lt;i&gt;Dumala&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (1908)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einsam ist man in den Weiten des Ostens, in dem das alte, feudale Europa müde in verblassten Tapisserien friert, kraftlos wie der gelähmte Baron Werland in seinem Schloss Dumala, in dem ganze Flügel leer stehen, und die Mäuse hinter der Wand dem Ende dieser Welt entgegen nagen. Mit dem Baron friert seine schöne Frau Karola, sitzt des Abends neben ihm am Feuteuil und streichelt des Barons schmerzende Beine. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://common-reader.de/?p=210&quot;&gt;&lt;i&gt;(Weiter im Common Reader)&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>Über Bücher</dc:subject>
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    <dc:date>2010-01-16T11:39:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/telephon/">
    <title>Telephon</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/telephon/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Eine Technik, sagt man, habe dann gewonnen, wenn sie auch von Leuten verwandt wird, die nichts von Technik verstehen. Die Leute, die so etwas sagen, meinen mich: &lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/1199933/&quot;&gt;Ich kann nicht Auto fahren&lt;/a&gt;. Ich habe noch nie tapeziert, nie gestrichen, noch nie einen Bohrer in der Hand gehabt, und wenn ich einen Fernseher mein eigen nennen würde: Ich bekäme ihn nicht an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Problem wird das ganz selten. Mein Fahrrad reparieren die netten Männer von &lt;i&gt;Radkraft&lt;/i&gt; um die Ecke zuverlässig, kostengünstig und schnell. Meine Bilder hängt der J. auf. Dass in meinem Bad im rechten Waschbecken seit ganz lange der Stöpsel nicht mehr geht: Was soll&apos;s. Nur mein Telephon, mein Telephon brauche ich wirklich: Ich bin so gut wie nie daheim und wickele mein gesamtes Sozialleben über das Ding ab. Ich habe gar keinen anderen Wecker. Ich habe alle Telephonnumern nur, nur, nur da, und wenn ich an einem Dienstag morgen auf dem Weg ins Büro in meine Tasche greife und mein Telephon ist weg, dann muss ich mich erst einmal setzen. Verdammt, denke ich und trauere meinem sehr alten Sagem hinterher, das nichts konnte, was neue Telephone so können; aber das wenige konnte ich auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Samstag drauf, so gegen 13.00 Uhr, habe ich dann wieder eine SIM-Karte und ein altes Handy vom geschätzten Gefährten. Die nette Frau, die bei O2 so gegen 14.30 abnimmt, als ich anrufe, aktiviert das Gerät, ich frage alle Leute, die ich kenne, nochmal nach ihrer Nummer, und dann sitze ich auf dem Sofa und drehe das Telephon hin und her. Das Telephon ist von Sony Ericsson. Es heißt K 610i. Es ist silbrig und - hier beginnt das Problem - wesentlich neuer als mein verlorenes, schwarzes, steinaltes Sagem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moderne Menschen lachen vermutlich über mich und das neu-alte Sony. &quot;Das läuft ja noch mit Dieselmotor!&quot;, höre ich wirklich zeitgemäße Menschen wiehern. Ich nicke dann traurig und schaue auf den Boden. Mein Sagem, so erinnere ich mich mit Wehmut, fraß sozusagen noch Gras, und neumodische Funktionen wie Ganzworterkennung bei SMS oder sprachgesteuertes Irgendwas oder Bilder verschicken, im Internet surfen oder Musik hören war komplett nicht drin. Mein Sagem war ein kleines, schwarzes, tragbares Telephon und so unsmart wie ich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich könnte das Sony solange benutzen, wie es funktioniert, und irgendwann kenne ich K 610i so gut wie das alte Sagem. Dazu habe ich aber keine Lust. Ich will nicht das abgelegte Telephon vom geschätzten Gefährten nutzen. Ich mochte schon als Kind keine abgelegten Kleider. Ich könnte auch versuchen, ein anderes altes Sagem zu finden, aber die gibt es regulär gar nicht mehr zu kaufen. Oder ich hole ganz tief Luft und kaufe mir ein iPhone, denn alle haben iPhones, ich kenne nur noch zwei, drei Leute ohne iPhones, und weil alle iPhones haben, können sie mir alles erklären und es wieder in Ordnung bringen, wenn es nicht geht. Überdies kommt Apple meinen Defiziten entgegen - ich nutze seit Jahren ein kleines, weißes Macbook, das mir freundlich lächelnd verschweigt, was es alles könnte, wenn ich mehr nutzen würde als Firefox und Word.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iPhones aber haben einen Nachteil: Aus irgendwelchen Gründen verkauft O2 keine, die Beschaffung eines vertragslosen Telephons ist kompliziert und funktioniert nur im Ausland, und so rufe ich also am Samstag gegen 15.30 die J. an und schlage einen Termin vor. Die J. sagt sofort zu. Ich kaufe zwei Bahnfahrkarten Berlin-Prag, ich buche ein Hotel, ich denke darüber nach, wie das Café heißt, in dem ich beim letztenmal die perfekte Buchtel gegessen habe, und dann sitze ich auf dem Sofa und schaue mir das iPhone meines geschätzten Gefährten zum ersten Mal genauer an. Es sieht kompliziert aus, finde ich. Es hat ziemlich viele Funktionen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sieht nicht aus wie ein Telephon für Leute, die nichts von Technik verstehen.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>Über Maschinen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-01-10T21:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/der-gewoehnliche-leser/">
    <title>Der gewöhnliche Leser</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/der-gewoehnliche-leser/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Sechs, acht oder zwölf Jahre alt zu sein und am Nachmittag mit einer ganzen Tasche voller Bücher im Bett zu liegen, eine Tüte Kartoffelchips, die ich unters Bett schiebe, wenn auf der Treppe hoch zu mir Schritte lauter werden oder einer ruft. Hingerissen sein, weggespült werden und sich willig überwältigen zu lassen von dem, was einer mit 26 Buchstaben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Größer zu werden. Groß, erwachsen sogar, und weiterzulesen im Bett, auf dem Sofa, im ICE, sich in Büchern zu suhlen wie in warmem, leuchtendem Schlamm. Schöne Worte, funkelnde Sätze abzulecken, glattzulutschen, zu kauen, zu schlucken und auswendig zu lernen, was man ganz und gar besitzen will. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berührbar bleiben. Jedes Buch treffen wie eine Person. Ungerecht sein dabei: Den einen mag man, aller Unarten zum Trotz, und schließt ihn in die Arme mit allen Manierismen, Sommersprossen und Haaren an der falschen Stelle, und nimmt nicht einmal die falschen Konjunktive übel. Den anderen mag man nicht einmal gut gekämmt bei sich haben und wirft ihn beim ersten falschen Wort hinaus. Der Genuss, regellos zu lesen, lässig schwankend in den eigenen Maßstäben und den Experten in Redaktionen und Instituten von sehr weit weg zusehen, die ein anderes Metier betreiben als das des gewöhnlichen Lesers, den nicht Erkenntnisinteresse treibt, was und wie Bücher denn wären, nicht das bestellte Berufsrichtertum, auch nicht der literarische Verbraucherschutz für andere Leute, sondern einzig und allein die Freude, von dem zu sprechen, was man liebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir freuen uns über Ihren Besuch: &lt;a href=&quot;http://common-reader.de/&quot;&gt;&lt;b&gt;Der gewöhnliche Leser&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>Über Bücher</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2010-01-06T07:55:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/pailletten/">
    <title>Pailletten</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/pailletten/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Weißt du, es war doch der charming &lt;a href=&quot;http://glamourdick.twoday.net/&quot;&gt;Herr Glam&lt;/a&gt;. Das goldfarbene Paillettenkleid, das ich anziehen durfte auf seiner Party letztes Jahr, und sah damit großartig aus, hätte das Kleid anbehalten wollen die ganze Nacht und überhaupt immer. Wahrscheinlich hätte ich sogar singen können in diesem Kleid und Kunststücke mit wilden Tigern, und wenn ich mit dem Kleid auf die Straße gegangen wäre, wären die Passanten auf die Knie gefallen und hätten mich und das Kleid umjubelt und photographiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein eigenes Paillettenkleid aber hatte ich nicht. Ein eigenes Paillettenkleid hätte ich niemals gekauft, denn ich führe kein Leben für Paillettenkleider, ich kann nicht singen, ich kenne keinen einzigen Tiger, und wenn ich auf die Straße gehe, dreht sich nicht einmal die Müllabfuhr um. Das Kleid aber, Herrn Glams goldenes Kleid, hat mich behext. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein goldfarbenes Paillettenkleid aber gibt es nirgends zu kaufen. Übers Jahr vergaß ich also das Kleid, hängte grau und grün, lila und blau, Tweed und Wolle in den Schrank, dachte nicht an Gesang und nicht an die fehlenden Tiger, und dann hing es da doch: Schwarz zwar, und nicht golden. Kurz zwar, und nicht lang, aber gerade, eng, ziemlich ausgeschnitten für meine Verhältnisse und ganz und gar besetzt mit Pailletten. Ich habe das Kleid sofort gekauft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann aber gingen die Wochen ins Land. Weihnachten? Unmöglich. Silvester? Doch nicht bei der sehr gemütlichen und ganz und gar tigerfreien Party bei M. und M. Ausgehen? Keine Ahnung, was Sie tragen, wenn Sie ausgehen, aber ich bevölkere die Bars von Berlin, und da lachen vermutlich alle, wenn ich aufkreuze mit meinen Pailletten. Mein geschätzter Gefährte J. lacht wahrscheinlich am meisten. Bälle? Der J. kann nicht tanzen. Premieren? Wir sind in Berlin ... Parties? Ich wüsste nicht wo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da hängt das Kleid nun also im Schrank. Sogar das Etikett ist noch dran. Ab und zu fällt das Licht durch die offene Schranktür und bricht sich funkelnd in hundert Pailletten. Fernab der Stadt zucken die Pfoten der Tiger in Träumen, und ich trage das Kleid wohl nur für mich und zu Haus und allein.  
&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>Über Nichts</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 Modeste</dc:rights>
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