Über öffentliche Angelegenheiten

Sonntag, 9. August 2009

Die Anderen

Ab und zu spreche ich mit Leuten, die sich beruflich mit Politik beschäftigen, und die Gespräche verlaufen dann oft ein wenig ungut: Ich sage, was ich über irgendetwas denke, und mein Gegenüber verweist auf die Anderen. Die Anderen, die das, was ich will, nicht wollen. Die Anderen finden etwa, wie ich bisweilen höre, Arbeitsplätze seien wichtiger als Ökologie. Sie finden Protektionismus gut. Sie sind stolz auf deutsche Autos. Sie haben mehr Angst vor Kriminalität als vor einem Polizeistaat. Alle diese Annahmen teile ich nicht, aber wie man mir sagt, komme es auf meine Überzeugung nicht an. Die Anderen seien nämlich zahlenmäßig viel, viel stärker als Leute, die ähnlich denken wie ich, und deswegen seien Leute wie ich als Wähler im Grunde zu vernachlässigen.

Dies allein wäre nun an sich unproblematisch. Es gehört zum Wesen einer Demokratie, dass Minderheiten sich selten durchsetzen. Zum Problem wird der Glaube an die Anderen aber durch die Annahme, die Anderen seien ein bißchen blöd. Diesen Hinweis höre ich öfters, etwa, wenn ich das Niveau der politischen Auseinandersetzungen als einen der Gründe benenne, weshalb ich mich mit Politik ungern beschäftige. Mir ist - neben der Abwesenheit wirklicher Diskussionen - zudem die Inszenierung von Politik unangenehm, das Anbiedern, die Schauspielerei, der Politiker (im besten Fall ein Visionär, im schlechteren der unbegabte Leiter einer Behörde) sei eigentlich ein Jedermann und unterscheide sich nicht von seinen Wählern. Ich leide bei derlei Bildern stets ein wenig an der mit Händen zu greifenden Herablassung, die aus solchen Szenen spricht. Die Anderen, sagt man mir, wollen das aber so. Die Anderen wollen Politiker zum Anfassen (wie man so sagt), die auch in der Schrebergartenkolonie eine gute Figur machen. Die Anderen merken dabei angeblich nicht, dass man sie sehr sichtbar nicht als Gesprächspartner auf Augenhöhe betrachtet.

Für die Politik bedeutet dieser Glaube an die Beschaffenheit der Anderen eine große Versuchung, der sie keineswegs standhält. Gilt der größere Teil der Bevölkerung als dumm, so muss und kann das politische Handeln ihnen gegenüber nicht mehr verteidigt, diskutiert und gerechtfertigt werden. Wer glaubt, seine Wähler seien zu dumm, um überzeugt zu werden, wird um so mehr Kinder tätscheln, markige Rede halten oder derlei Dinge mehr. Nimmt man an, der Rest der Bevölkerung sei möglicherweise normal intelligent, aber zu klein, um Wahlen zu entscheiden, so wäre es unökonomisch, die Diskussion mit diesen Leuten zu führen.

Politik wird durch das Axiom der Dummheit der Anderen damit ein unernstes Geschäft, ein bißchen wie Waschmittelwerbung oder das Self-Marketing von Fernsehschauspielern. Diese dem Ernst der zu klärenden Fragen letztlich unangemessene Leichtigkeit ist dem politischen Betrieb nun aber nicht peinlich. Aus irgendwelchen, von außen schlecht durchschaubaren Gründen, ist man vielmehr stolz auf die Annahme, Wahlen würden durch Manipulation dummer, eher ressentimentgetriebener, jedenfalls ein wenig subalterner Menschen gewonnen. Es mag sein, dass hierbei ein gewisses Überlegenheitsgefühl mitspielt, und wie immer, wenn eine These für denjenigen, der sie vertritt, sehr angenehm ist, wird am Glauben an die Dummheit der Anderen auch dann festgehalten, wenn er sich in der Praxis nicht bewährt, und die Anderen nicht dankbar, sondern ablehnend reagieren, wenn die Politik ihre vermeintlichen Affekte bedient: Statt das Axiom von der Dummheit der Anderen fallenzulassen, nimmt der politische Betrieb an, man sei ihr entweder noch nicht weit genug entgegengekommen, oder die Anderen hätten - dämlich wie sie sind - die Erfüllung ihrer Wünsche durch die Politik nicht verstanden. Das ist dann der Zustand, in dem das Schlagwort vom Vermittlungsproblem fällt.

Dass es aber möglicherweise die Anderen in dieser Form nicht gibt, dass die Mehrheit der Leute, die wählen gehen, großmütiger, mutiger, weltoffener und kreativer sind, als ihnen die Gewählten und ihr Tross zutrauen, dass Leute oft dann klug reagieren, wenn man ihre Klugheit anspricht: Dass bezeichnet der Betrieb gern kopfschüttelnd (aber Modeste!) als ein wenig naiv.

Ich glaube aber trotzdem, dass es stimmt.

Sonntag, 8. März 2009

Für ein kluges Mädchen

"Frauen verdienen 23% weniger als Männer."

Sie sind, meine Liebe, eine gute Schülerin, und Ihnen stehen – wie man so sagt – alle Wege offen. Ihr Direktor hat Sie bei der Studienstiftung vorgeschlagen. Ab Herbst studieren Sie Jura. Sie waren vorletztes Jahr Schülersprecherin, und außerdem engagieren Sie sich für den Artenschutz oder für Menschenrechte in China oder sammeln Geld für Kampagnen, damit die Afrikaner endlich aufhören, ihre Töchter zu beschneiden. Ich mag Sie gern.

In den nächsten Jahren werde ich Sie etwas aus den Augen verlieren, weil Sie zwei, dreimal die Uni wechseln, einen Haufen Praktika machen, bei der UNO zum Beispiel oder bei einem bekannten eher linksliberalen Anwalt, der gern beauftragt wird, wenn es um Regierungspfusch oder fiese Großkonzerne geht, derlei Dinge. Vielleicht haben Sie irgendwas mit Attac zu tun, und wenn Ihre Eltern Ihnen vorschlagen, bei mir ein Praktikum zu absolvieren, dann werden Sie ablehnen, weil Sie Wirtschaftskanzleien nicht mögen.

Möglicherweise werde ich Ihnen in vier Jahren auf der Straße begegnen und Sie sind gerade aus Yale zurück, gehen das erste Staatsexamen an, bestehen glänzend und werden dann promovieren. Ich bin mir sicher, Ihre Diss wird gut. Vielleicht bekommen Sie sogar einen Preis. Hübsch werden Sie sein, wenn ich Sie das nächste Mal sehe, nicht allzu sehr, sondern eher auf die lässige, etwas beiläufige Art und Weise, in der Mädchen Mitte 20 gut aussehen: Sie werden Ihr Geld fürs Ausgehen ausgeben und für Reisen nach Südamerika oder Asien, und dafür zupfen Sie Ihre Augenbrauen ab und zu selbst und gehen ziemlich selten zum Friseur. Ihre Tasche ist von H&M. Sie haben einen Freund, der auch irgendetwas studiert, angewandte Kulturwissenschaft vielleicht, Politologie und Geschichte, und den Sie bei irgendeinem Praktikum aufgegabelt haben oder in irgendeinem Aktionsforum für sonst was.

Im Referendariat werden Sie von Kanzleien eingeladen, die gute Absolventen in teure Restaurants führen. Sie werden ein- oder zweimal mitgehen. Es wäre gelogen zu behaupten, dass das Setting Sie nicht beeindruckt, aber die Leute gefallen Ihnen nicht, und was Sie von den Jobs der Rainmaker hören ist alles nicht so, dass Sie es einmal versuchen wollen mit den großen Rädern. Kluge, geldgeile Zyniker sehen Sie in den Leuten, die Ihnen etwas erzählen von den Chancen einer großen Kanzlei. Im Durchschnitt halten es die Leute zwei Jahre bei den Läden aus, erzählt Ihnen jemand, und Sie fröstelt. Das wollen Sie nicht.

Mit Ihrem Freund aus dem Studium sind Sie dann schon lange nicht mehr zusammen. Es wird gar nicht der Job gewesen sein, den Ihr Exfreund gern gehabt hätte und nicht gefunden hat, und auch nicht die miese Laune, die ein angewandter Kulturwissenschaftler nun einmal hat, wenn er den ganzen Tag telefonieren oder Kaffee kochen oder blöde Listen abtippen muss. Es hat nur am Ende – sagen Sie – dann irgendwann nicht mehr gestimmt.

Vielleicht arbeiten Sie in acht oder neun Jahren bei einer NGO. Sie erhalten nicht ganz soviel Geld wie die wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Uni mit ihren halben Stellen, arbeiten dafür aber mehr als Vollzeit, und wenn Ihr Chef vor die Presse tritt und irgendetwas erzählt, was Sie vorher sorgfältig ausgearbeitet haben, dann fühlen Sie sich nicht gut. Sie spüren so langsam, wie Ihre Freunde nach und nach beginnen, sich in Bars zu verabreden, die Ihnen zu teuer sind, und ab und zu ein Wochenende zusammen wegfahren – Shoppen in London, Wellness an der Ostsee oder so – und Sie nicht gefragt werden, weil jeder weiß, dass Sie sich das nicht leisten können.

Sie haben die eine oder andere Freundin, die auch wenig verdient. Bei der einen stimmen die Examina nicht. Die andere arbeitet auch halbtags für irgendeinen guten Zweck, aber ihr Freund ackert sich gerade in irgendeinem Unternehmen einen goldenen Wolf, und wird dann auch flugs geheiratet. Sie sind – knapp vor Ihrem 30. Geburtstag – allein und jammern nur noch halbironisch abends mit einigen Freundinnen beim Wein, dass es so viele großartige Frauen gebe, klug, selbständig und kritisch, und viel zu wenig tolle Männer. Dass auch die halbtollen Männer nicht gerade Schlange stehen, weil irgendwann um das 30. Lebensjahr herum das gute Aussehen ein aufwendigeres und kostspieligeres Projekt wird, als Sie sich leisten können und wollen, wird Ihnen manchmal klar, aber Sie wollen sich – wie Sie sagen – nicht verbiegen. Sie wollen geliebt werden, wie Sie sind. Vielleicht haben Sie Glück, und es haut noch hin – irgendwann zwischen 30 und 40 – mit einem anderen angewandten Kulturwissenschaftler oder Germanisten und vielleicht bekommen Sie ein Kind.

Falls ich Sie dann irgendwo treffe, geht es Ihnen hoffentlich gut. Sie werden 40 sein, und ich bin 53. Wir werden anstoßen, auf das gute Leben, und ich hoffe, der Preis, den Sie gezahlt haben werden für Ihre Konsequenz, ist Ihnen auch in der Rückschau nicht zu hoch. Aber wenn Sie sich fragen, warum mehr Frauen als Männer diesen Preis zu zahlen bereit sind, dann werde ich schweigen und mit den Achseln zucken, denn ich weiß es nicht.

Aber dass dieser Preis fällig wird, sollten Sie wissen. Jetzt und nicht erst 2028.

Montag, 2. Februar 2009

Rede an die alten Männer

Gewiss, Sie können noch. Sie können noch Motorrad fahren. Sie können aus Ihrem Porsche steigen, nicht viel langsamer als vor zwanzig Jahren. Sie können - davon sind Sie überzeugt - beruflich ziemlich viel sogar besser als ein Dreißigjähriger, und dass, was Sie nicht können, erwartet auch keiner von jemandem in Ihrer beruflichen Position.

Die Frauen gefallen Ihnen nach wie vor. Sie sind gut im Spiel, glauben Sie, schließlich verdienen Sie heute besser als jemals in Ihrem Leben, und die Hemmungen von vor dreißig Jahren haben Sie irgendwann am Wegesrand liegen gelassen. Fragen kostet nichts, und Sie wissen, wie man fragt, um im Notfall ohne Gesichtsverlust den Rückzug anzutreten. Die Politik aller Lebensbereiche dagegen langweilt Sie ein bisschen. Sie wissen, wie der Betrieb funktioniert, in dem Sie stecken. Sie wissen, wie jeder sich speziell für das Zentrum der Welt hält, und Sie wissen auch, wie man andere glauben macht, das Zentrum der Welt zu sein. Sie haben bluffen gelernt in den vielen Jahren.

Auf dem Wellenkamm Ihrer Jahre glauben Sie sich damit nach wie vor. Dass Alter Ansichtssache sei, behaupten Sie gegenüber sich und allen anderen, und meistens traut sich niemand, Ihnen zu widersprechen. Indes sei Ihnen versichert: Sie liegen falsch.

Natürlich: Ein alter Mann darf vieles. Ein alter Mann darf Zigarren rauchen und viel, viel Geld ausgeben für gutes Essen. Ein Mann von dreißig, gar ein Junge von zwanzig Jahren wirkt stets ein wenig naseweis und blasiert, kennt er sich mit Wein aus, und diniert er im Vau mit seiner Freundin, so sieht das oft nicht gut aus, ein wenig sehr nach goldener Jugend und Nutzlosigkeit. Ein junger Mann sollte deswegen sorgfältig wählen, wo er isst, stets etwas günstiger, als er es sich eigentlich leisten kann, aber ein alter Mann soll zu leben verstehen, denn es gibt kein gutes Bild, wenn ein alter Mann zu lässig lebt. Ein junger Mann mit einer Bierdose sieht oft nicht einmal schlecht aus, und ein Essen aus dem Pizzakarton gehört zu den verzeihlichen Fehlern der Jugend. Ein alter Mann mit einer Tiefkühllasagne dagegen ist schlechthin erbärmlich.

Das könne sich aber nicht jeder leisten, sagen Sie? Nun, ein alter Mann – und das ist keine populäre Ansicht – hat Geld zu haben, wenn er leben will. Ein junger Mann kann an fremden Buffets schnorren, auf Empfängen herumlungern, auf denen er nichts zu suchen hat, und sich immerzu einladen lassen. Ein alter Mann hat Erfolg gehabt zu haben, und wenn er kein Geld hat, ist das ein erheblicher Schönheitsfehler. Armut hört irgendwann ab 35 auf, pittoresk auszusehen, und es bedarf einiger Anstrengung, um als alter Mann ohne Geld ein gutes Bild abzugeben. Es ist möglich, gewiss, aber einfach ist es nicht, sondern viel, viel schwieriger zu tragen als die kokette Geldverlegenheit eines Zwanzigjährigen.

Keinesfalls aber sollte Sie dies empören. Empörung ist ganz generell eine gefährliche Sache für einen alten Mann, denn Zorn über die bestehenden Verhältnisse, umstürzlerische Reden oder gar Taten sehen leicht ein bisschen lächerlich aus, wenn man Teil dieser herrschenden Verhältnisse ist, und das auch schon ziemlich lange. Ist man es aber nicht, tut man besser daran zu schweigen, denn unfreiwillige Erfolglosigkeit ist im Alter, wenn sich hieran nichts mehr ändern lassen wird, schon fast eine tragische Sache. Haben Sie dagegen den Erfolg nie gesucht, nun gut, dann können Sie aus sicherer Distanz über die Betriebsamkeit Jüngerer spötteln, aber seien Sie vorsichtig: Man wird bemerken, wie es mit der Freiwilligkeit Ihres Lebenslaufs steht.

Überhaupt sollten Sie den scharfen Blick Ihrer Umgebung nicht unterschätzen. Wo sich ein junger Mann auf eine freundlich-augenzwinkernde Nachsicht verlassen darf, was auch immer er treibt, wird man Ihnen auch dann auf Ihr Sollkonto buchen, wenn Sie glauben, dass es keiner merkt. Man sagt Ihnen nicht viel über Ihre Wirkung, etwa auf Ihrem Motorrad oder in Ihrem Wagen, aber seien Sie versichert: Man sieht. Man sieht eine ganze Menge, und dass niemand etwas zu Ihnen sagt, liegt ein bisschen an Respekt vor Ihrer Lebensleistung und in erheblichem Maße daran, dass jeder annimmt, Sie anzusprechen habe ohnehin keinen Zweck. Und: Ja, das gilt auch für die Frauen. Denn machen Sie sich nichts vor: Keineswegs ist Alter kein Hindernis. Natürlich gibt es vereinzelte Frauen, die Alter anzieht, aber das sind seltene Fälle. Die meisten Frauen der Altersstufen, denen Sie sich noch gewachsen fühlen, finden Annährungen dreißig Jahre älterer Männer bisweilen befremdlich, manchmal geradezu abstoßend, und dass Sie nicht mehr angewiderte Blicke ernten, wenn Sie fragen, wie es denn aussehe, liegt im Wesentlichen an der Harmoniebedürftigkeit der meisten Frauen und nicht daran, dass Sie gut gefallen.

Das sei ungerecht, sagen Sie, aber bedenken Sie doch: Frauen geht es schon seit zwanzig Jahren so, und ungefähr das, was Sie als Dreißigjähriger über die Kontaktversuche einer zwanzig Jahre älteren Dame gedacht hätten, wird Ihnen nun entgegengebracht, es sei denn, Sie sind sehr reich oder berühmt, und auch dann sollten Sie sich nicht vormachen, attraktiver zu sein als Sie sind. Überlegen Sie also gut, was Sie sich und Ihrem Gegenüber zumuten.

Was Ihnen dann noch bleibt, wollen Sie wissen? Sie werden es nicht gern hören, aber: Gutes Essen und herbstliche Gespräche vielleicht. Spaziergänge im raschelnden Laub. Die Literatur, Musik (aber hüten Sie sich vor elektrischen Gitarren), und wenn Sie die Frauen nicht lassen können, bewundern Sie auf Abstand. Seien Sie demütig: Wenn Sie wider Erwarten gefallen, seien Sie dankbar. Genießen Sie die letzten vollen, goldenen Tage Ihres Lebens und nehmen Sie Ihren Abschied ohne Bitterkeit. Er lässt sich so oder so nicht vermeiden.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Konjunkturfeste

Eine repräsentative Umfrage bei einer Privatveranstaltung hat übrigens ergeben, dass 30 – 35 Jahre alte Juristen aus Westdeutschland mit Erstwohnsitz in Berlin, Prenzlauer Berg, Konjunkturprogramme durch bürgerbezogene Direktzahlungen engagiert befürworten. Gleichzeitig wird die Sorge, dass Schecks nicht den inländischen Unternehmen zugute kommen, sondern den Herstellern bevorzugt fernöstlicher Unterhaltungselektronik zufließen, weithin geteilt. Auch die Befragten würden eigener Aussage zufolge, stünde ihnen das Geld ohne Auflagen zur Verfügung, nur sehr teilweise deutsche Produkte erwerben. Stattdessen wurde von den sechs Teilnehmern der Umfrage in den Abendstunden des gestrigen Tages unter anderem angegeben, sie würden mit staatlichen 500 Euro einen halben Anzug von Prada, ein Abendtäschchen von Gucci oder schlicht mehrere Flaschen Dom Pérignon erwerben.

Dies indes kann nicht Sinn und Zweck eines staatlichen Ausgabeprogramms sein. Die Verfasserin dieser Zeilen empfiehlt daher, die Schecks vom Fiskus mit einer Auflage zu versehen: Dieses Geld ist ausschließlich zu verfeiern.

Die Vorteile einer solchen Auflage wären mannigfaltig. So bliebe – dies zunächst – so gut wie alles Geld im Lande, denn nicht die Produzenten ausländischer Erzeugnisse würden gestützt, nein, der Blutwurstritter in Neukölln oder das Lafayette am Gendarmenmarkt würde mit der Lieferung wohlschmeckender Buffets beauftragt. Räume in deutschen Gaststätten würden gemietet. Heimische DJs würden angeheuert, Blumenhändler mit der Ausschmückung von Festsälen beauftragt, die Pâtisserie Albrecht mit der Lieferung von Mitternachtstorten betraut, und dort, wo die Opulenz der geplanten Feste den Rahmen der staatlichen Zahlung überstiege, täten sich Freunde und Verwandte zusammen.

Unerwartet üppig wäre etwa auch der Absatz der Winzer an Nahe, Mosel und Rhein. Die teuersten Gewächse würden kistenweise geordert, die man sonst aus Kostengründen nur glasweise bestellt. Der deutsche Sekt, sei’s Riesling, sei’s Burgunder, würde in dickem Strahl die Gläser füllen, Kerzenziehereien kämen mit der Ausführung der Orderlisten kaum nach, und die Heißmangeln der Republik würden im Schichtbetrieb Tischdecken und Servietten plätten.

Alle Deutschen wären natürlich immerzu eingeladen, wochen-, ja monatelang. Die Stimmung der Bundesbürger wäre deswegen geradezu berstend grandios. Liebespaare würden sich finden, Freundschaften vertieft oder geschlossen, alte Feindschaften würden im Rheinwein ertränkt, und weil Wirtschaft, habe ich gehört, grundlegend auf Psychologie basiert, würde auch diese von der allgemeinen Befindlichkeitsoptimierung profitieren, denn vor lauter Fröhlichkeit würden die Deutschen ihre sprichwörtlich hohe Sparquote ein wenig absenken und mehr Geld ausgeben für schnelle Kraftfahrzeuge, ansehnliche Kleider oder hübsche Gegenstände für ein schöneres Heim.

Im Ausland würde bedingt durch diese Maßnahmen das deutsche Ansehen drastisch steigen, wie ja auch etwa die Fußballweltmeisterschaft dem Image der ansonsten als etwas verkniffen geltenden Deutschen förderlich gewesen sein soll. Aus aller Welt würden lebenslustige Menschen jeden Alters nach Deutschland kommen, sich unter die feiernden Menschen mischen, Geld ausgeben für Hotelzimmer, Taxis und Friseure und heimgekehrt ihre Regierungen nötigen, Gleiches zu tun.

Die europäische Konjunktur wäre gerettet.

Montag, 25. August 2008

Madame Modestes Bildungsreform (Ein Einwurf)

Recht gern lese ich, etwa in der Zeit oder so, ellenlange, sorgenschwere Artikel über das Schulsystem und freue mir ein Loch in den Bauch, dem Bildungswesen der Republik entkommen zu sein. Abgesehen von zwei Staatsexamina habe ich keine Schäden davongetragen, die nicht nach einigen Jahren wieder von selbst verschwunden wären. Denn tatsächlich verhält es sich doch so:

Schule ist schrecklich. Man wird mit lauter Leuten zusammengesperrt, von denen man mit rund zwei Dritteln freiwillig nie sprechen würde. Mit dem Rest wäre man auch so befreundet. In der Grundschule hat man vor den großen, dicken Kindern Angst, die schon einmal sitzengeblieben sind und den aufkeimenden Frust einer im Ansatz gescheiterten Bildungskarriere an denjenigen Sprösslingen auslassen, die Lesen und Schreiben können. Vor den fiesen Kindern versteckt man sich dann in der großen Pause auf der Mädchentoilette, zu dritt in der engen, stinkenden Kabine, während die künftigen Empfänger staatlicher Transferleistungen mit schmutzigen Fäusten gegen die Türen bollern. Im Gymnasium wird das dann deutlich besser, aber angenehm ist etwas anderes.

Die meisten Lehrer sind dumm. So gut wie niemand, der klug und schnell, elegant und witzig ist, findet Gefallen daran, vor einer Horde Minderjähriger zu stehen. Lehrer werden zumeist Menschen, die zu unsicher oder zu unfähig sind, sich in der Konfrontation auf Augenhöhe zu behaupten. Der Versuchung, nach Abschluss der Schule möglichst schnell wieder in selbige zurückzukehren, geben fast regelmäßig nur jene Leute nach, die – oft mit Recht – annehmen, in jedem anderen Lebensbereich vorhersehbar zu scheitern. Ich habe über 13 Jahre sehr, sehr wenige Lehrer getroffen, denen ich zugetraut hätte, auf einem anderen Spielfeld zu reussieren, und diese wenigen waren fast ausnahmslos Frauen der heute älteren Generation, die eine Generation später mit hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen Beruf ausüben würden. Wer aus meinem Jahrgang Lehramt studiert hat, ist im Regelfall keine Persönlichkeit, die ein Kind inspirieren könnte.

So gut wie nichts, was man in der Schule erfährt, könnte man nicht auch woanders lernen. Lesen und Schreiben hat mir meine Mutter beigebracht. Fast alles, was ich über Literatur, Kunst, Musik oder Geschichte weiß, weiß ich aus Büchern. Den Rest habe ich zu Hause gelernt, am Esstisch im Gespräch oder an den Tischen anderer Familien, in Museen oder einfach so, im Vorübergehen. Über Naturwissenschaften weiß ich quasi nichts. Daran haben 13 Jahre nichts geändert.

Ansonsten: Mein gesamtes Sozialverhalten stammt von zu Hause. In der Schule hätte ich vielleicht lernen können, wie man auch mit Leuten umgeht, die man für beschränkt und grobschlächtig hält. Indes ist mir dies nie in einer Weise gelungen, die zu überzeugenden Ergebnissen geführt hätte. Wie man eine gute Freundin, eine angenehme Bekannte ist – das wird man in der Schule nicht lernen. Wer zur Freundschaft nicht begabt ist, wird diese Begabung nicht erwerben, nur weil er täglich Menschen trifft, mit denen er sich befreunden könnte.

Spricht damit nichts für, aber alles gegen die Schule, so stellt sich die Frage: Muss eigentlich dermaßen viel Geld ausgegeben werden für ein obsoletes System? Kann nicht jeder einfach so vor sich hin lernen? Reicht es nicht aus, jedes Jahr zentrale Prüfungen zu veranstalten, die jedes Kind absolvieren muss, und wer durchfällt, muss so lange schreiben, bis er besteht? Wieso erhält nicht jedes Elternpaar ein dickes Buch mit dem kompletten Curriculum und gute Tipps über Lehrmaterial, und kann dann sehen, wie es dies in sein Kind hineingebimst bekommt? Reicht es nicht aus, um auch komische Kinder komischer Leute nicht bildungstechnisch komplett verwahrlosen zu lassen, den Bezug etwa von staatlichen Sozialleistungen an das Bestehen der Prüfungen zu koppeln oder einen Idiotenaufschlag von 5% auf die Einkommensteuer zu erheben? Vielleicht werden dann sogar alle viel gebildeter als jetzt, derweil es ja nicht sehr gut zu funktionieren scheint mit dem flächendeckenden Erwerb von Wissen und Fähigkeiten?

Für die Leute aber, die gern zur Schule gehen, kann man ja pro Stadtteil einfach eine dieser Einrichtungen offen lassen. Für die Kinder, die allein nichts anzufangen wissen mit ihrer Zeit.

Montag, 19. Februar 2007

Vergesst es, Mädels

Meine Klassenbeste ist Richterin geworden. Manche andere Klassenbeste hat es ins Ministerium geschafft; viele stehen selber als Lehrerin vor der Klasse, aber in die Positionen, von denen aus man die Gipfel des Berufslebens sehen kann, hat es keine geschafft. Vermutlich wird das auch so bleiben.

Bei den Männern sieht es anders aus. Vorstandsassistent sei er, hört man von dem jähzornigen, vorlauten S., der gern auch noch in der Oberstufe wütend aus dem Klassenzimmer gestürmt ist, wenn ihm etwas nicht passte. Habilitieren wird sich irgendwann in den nächsten Jahren der T., wegen dessen Desinteresse an allen Fächern außer Deutsch, Latein und Geschichte Herr Dr. G., der cholerische Mathematiklehrer, fast am Schlaganfall gestorben wäre. Bei einer amerikanischen Großkanzlei verdient der C. jedes Jahr eine S-Klasse, und den anderen, von denen ich selten höre, geht es auch nicht schlecht.

Die Mädchen haben den Anschluss verloren.

Noch zu Studienzeiten sah das anders aus. Die Mädchen hatten die deutlich besseren Noten, waren meist auch nicht nur einseitig gut benotet, sondern saßen stets und in jedem Fach gut vorbereitet in den Seminaren, schrieben alles mit, und verließen die Uni mit Noten, die sich sehen lassen konnten. Zwar, und hier deuteten sich die ersten Brüche an, erwarteten die meisten Professoren nicht viel kreativen Ertrag von den fleißigen Bienen des Unibetriebs. Die Durchschnittsnoten der weiblichen Juristinnen waren gleichwohl mindestens ebenso gut wie die der männlichen Studenten, und auch im Referendariat erhielten die Frauen keine schlechteren Noten als die Männer. Freundlich und ausgeglichen sei die Referendarin, wurde gern testiert. Ihre Arbeiten seien voll verwertbar, die Zusammenarbeit angenehm, und so stellte der öffentliche Dienst die fleißigen Mädchen mit den guten Noten gern ein. Auch die Kanzleien sagten nicht nein, wenn die Noten stimmten, und in den Referendarzimmern der großen Kanzleien saßen Frauen und Männer zu ungefähr gleichen Teilen einträchtig nebeneinander und hackten lange Vermerke ins System.

Bei den ersten Jobs sah es schon anders aus. Was auch immer Frauen in den öffentlichen Dienst treibt – die Möglichkeit langer Kindererziehungszeiten oder die Sicherheit, die in weiblichen Kreisen ein ungeahntes und bei Männern seltenes Ansehen genießt – in denjenigen Berufen, die man gemeinhin mit Geld und Einfluss verbindet, bewarben sich weniger Frauen als Männer. In den ersten Berufsjahren, die die Spreu vom Weizen trennen, wie man sagt, gehören Frauen selten zur Spitze, denen viel zugetraut wird. Ordentliche Arbeiterinnen, aber zu Höherem nicht berufen, dürfte das Urteil sein, das die Vorgesetzten der fleißigen Mädchen fällen würden, wenn man denn diese Urteile ehrlich fällte, und so wird voraussichtlich keine dieser heute dreißigjährigen Frauen einmal Sitz und Stimme dort besitzen, wo die Macht zu Hause ist.

Nach klassisch feministischer Sicht der Dinge hält eine männliche Verschwörung Frauen davon ab, Positionen zu erreichen, die über den Job der akademischen Wasserträgerin hinausgehen. Tatsächlich jedoch tritt die Männerwelt keineswegs regelmäßig zusammen, um begabte und fähige Frauen von dem beruflichen Aufstieg abzuhalten. Statt dessen sabotieren sich die meisten Frauen ganz von selbst.

Ehrgeiz etwa gilt den meisten Frauen als eine Eigenschaft, der etwa derselbe Wert beigemessen wird wie Mundgeruch. Die wenigsten Frauen sind bereit, sich um eine Tagung oder ein Projekt förmlich zu prügeln, laut „hier“ zu schreien, und sich und ihre Leistung unternehmensweit anzupreisen. Die meisten Frauen erwarten vielmehr, dass Aufstieg und Gratifikationen ihnen angetragen werden, und harren der Beförderung wie eine Schülerin des Lobs des Lehrers. Während es aber der Aufgabe eines Lehrers entspricht, Fleiß und die ordnungsgemäße Erfüllung der Anforderungen zu gratifizieren, um zu besseren Leistungen anzuspornen, gehört dies nicht zum Stellenprofil eines Abteilungsleiters oder des Partners einer Kanzlei. Zudem ist es in der Schule oder Uni durchaus von Vorteil, wenn sich möglichst viele Schüler möglichst unauffällig in den Klassenverbund einfügen. In einem Team von lauter Leuten, die positiv auffallen wollen, ist Unauffälligkeit verständlicherweise nicht die beste Strategie. Wer den Anschein erweckt, die Stelle des fleißigen Fußvolks perfekt auszufüllen, qualifiziert sich in dadurch nicht automatisch zur Leitung dieses Fußvolks.

Den meisten Frauen ist diese Falle durchaus bekannt. Gleichwohl wird sich das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in Machtpositionen so schnell nicht ändern. Denn um die Beine der Frauen wickelt sich zumeist nicht eine persönliche oder generelle Unfähigkeit. Zum Stolperstein wird statt dessen das gründlich anerzogene Bedürfnis, von aller Welt gemocht und gelobt zu werden, und hier mag den Frauen auf die Füße fallen, dass das Anerkennungsbedürfnis der kleinen Mädchen in den meist grässlich tantenhaften Grundschullehrerinnen dankbaren Widerhall gefunden hat. Eine gute Schülerin war nicht das Kind, das konnte, was der Stoff vorgab. Eine gute Schülerin war dazu auch vernünftig, krakeelte weder wild durch den Raum, noch leistete sie sich unbeherrschte Anfälle gegenüber schwächeren Schülern oder träumte einfach ein paar Minuten in die Blätter der Kastanie auf dem Hof. Fachliche Anerkennung setze Anpassung an externe und nicht leistungsbezogene Erwartungen voraus, haben die meisten der guten Schülerinnen aus diesen Jahren mitgenommen. Fachliche Anerkennung im Berufsleben fußt aber reichlich oft auf dem Gegenteil von Anpassung, und gemocht zu werden ist im Preis meist nicht inbegriffen.

Gerade dies aber fällt vielen Frauen schwer. Als Mädchen macht man sich nicht eben beliebt, wenn man genau diejenigen Eigenschaften auslebt, die im Berufsleben nützlich sind: Ein ausgeprägtes Wettbewerbsdenken, den fairen Einsatz manipulativer Fähigkeiten, ein spielerischer Umgang mit den eigenen Fähigkeiten und dem Können anderer, und die Bereitschaft, es sich – wenn es sein muss – mit einem Haufen Leute von Grund auf und für immer zu verderben. Es zu ertragen, wenn man in den Feierabendgesprächen der Konkurrenz als aggressive Ziege figuriert. Dosiert unangenehm zu werden, und mit der Antipathie der Gesprächspartner zu leben. Es nicht zuletzt hinzunehmen, dass fachliche Überlegenheit es nahezu ausschließt, als feminin und attraktiv wahrgenommen zu werden.

Gemocht oder mächtig, lautet letztlich die Alternative, und solange die meisten Frauen diese Wahl mit allen ihren Konsequenzen scheuen – solange wird man sich wundern, warum den guten Studienleistungen, der angenehmen Zusammenarbeit und dem ganzen Drumherum, das am Ende doch nicht zählt, nicht viel nachkommt.

(Aber Frauen sind Macht und Erfolg, hört man, ja nicht so wichtig, nicht wahr, meine Damen?)

Dienstag, 16. Januar 2007

La Polka politique

„Eigentlich“, sagt die C. und schwenkt unschlüssig ihr Weinglas hin und her, „eigentlich sollte man einer Partei beitreten.“ – „Völlig ausgeschlossen.“, schüttele ich den Kopf und stäube ein bißchen Asche ab, die an der Spitze meiner Zigarette erkaltet. An dauerhaften politischen Zusammenschlüssen stieße einen natürlich bereits die Dauerhaftigkeit der Verbindung einer Person mit einer Partei ab – denn wer weiß schon, welche Meinung sowohl er als auch die Partei in drei Monaten oder drei Jahren an den Tag legen? Wer möchte andauernd die Meinungen aller führenden Parteipolitiker verfolgen, um rechtzeitig aus dem Verbund aussteigen zu können, wenn ganz besonders dumme Ansichten über längere Zeiträume geäußert werden, und die maßgeblichen Personen auch noch daran zu glauben scheinen? – Aber natürlich ist das Schlimmste an den derzeit existierenden deutschen Parteien nicht nur ihre grundsätzliche Struktur, ihr absurdes Erscheinungsbild, ihr mitleiderregend dilettantischer Opportunismus und ihre täppische Katzbuckelei vor Leuten, die sich ihrer beruflichen Pflichten auch nicht eleganter, aber immerhin besser bezahlt entledigen: Das Schlimmste an den Parteien sind ihre Mitglieder.

Die CDU zum Beispiel. Man stelle sich eine Versammlung ländlicher Metzgermeister vor, die seit der Eröffnung ihrer zweiten Filiale auf die Frage nach ihrem Beruf angeben, einen Konzern zu leiten. Konzernleitern wie ihnen, so sind die christdemokratischen Metzgermeister überzeugt, stehe die Welt nicht nur offen, nein, sie stehe ihnen vielmehr zu, und so wandelt der parteipolitisch organisierte deutsche Mittelstand einher in der Ansicht, die Posten und Pöstchen der Republik seien quasi ihnen vorbehalten, und die Gegenkandidaten weniger Rivalen als Usurpatoren.

Das politische Denken der Metzgermeister oder ihrer Parteifreunde, der Landwirte, Amtsleiter des Gewerbeaufsichtsamts und der Filialleiter der örtlichen Deutschen Bank, zeichnet sich vor allem durch ihre – nun: Standfestigkeit aus. Niemals kommen dem Christdemokraten Zweifel, dass seine Welt die wahre Welt, und seine Auffassungen von dem Wünschenswerten für Staat und Gesellschaft unzutreffend sein könnten, und so glaubt der Christdemokrat, dass ein anständiger Mensch regelmäßig seinen Rasen mäht, und seinem Sohn Karrieren zustehen, denen die Tochter seiner polnischen Putzfrau ohnehin nicht gewachsen wäre. - Seine Frau ist nicht schön, aber adrett, seine Möbel sind nicht geschmackvoll, aber teuer; worüber er lacht, ist zum Weinen, aber immerhin neigt er nicht zur Weltverbesserung auf Staatskosten, so dass es durchaus möglich ist, ihm aus dem Wege zu gehen, wenn man einen Parteieintritt vermeidet.

Da ist die SPD schon anders unterwegs. Besessen von der schon an und für sich uncharmanten Idee einer Welt, die einer aufgeräumten Zechensiedlung der Sechziger Jahre nicht unähnlich ist, machen einen Sozialdemokraten andere Leute und ihr unordentliches Leben nervös. Sind die unordentlichen Leute arm und ungebildet, so fällt die SPD gern mit einem Haufen tantenhafter Vorschläge über die armen Leute her, denen sie ihr Fernsehglück mit Bier aus irgendwelchen obskuren Gründen nicht gönnt. Sind die unordentlichen Leute dagegen wohlhabend, so reagiert der sozialdemokratische Grundschullehrer oder Sachbearbeiter im Jugendamt mit einem zart verhüllten, pastellgelben Neid und schrecklich phantasielosen Analysen, die sämtlich darauf hinauslaufen, die beneideten Leute in ihrer Unordnung müssten irgendwie unglücklich sein.

Im Gegensatz zur CDU immerhin verfügt die SPD über eine, wenn auch skurril verhutzelte Romantik, die etwas mit harter Arbeit zu tun hat, mit der ehrlichen Haut von Franz Müntefering, schwitzenden Fußballern und Grillabenden in der Schrebergartenkolonie Eintracht. Isst der politische Konservatismus gern Schweinshaxe oder Königsberger Klops, so hängt die Sozialdemokratie – wenn sie nicht gerade Würste grillt – einem geradewegs den Sechziger Jahren entsprungenen Fernweh an. Hier – und nur hier – gilt der Grillteller Akropolis bis heute als eine Speise, gegen die sich nichts einwenden lässt, und Schweinefleisch süß-sauer als Ausweis echter Weltoffenheit.

Mit der Kunst haben es Rechte wie Linke allseits nicht so sehr. Dass man Geschmack nicht kaufen kann, findet die Sozialdemokratie eigentlich skandalös undemokratisch – die Konservativen dagegen fänden, wie man ihren Häusern ansehen kann, diese Auffassung rundheraus falsch, wenn sie sich denn jemals über die Käuflichkeit der Schönheit Gedanken gemacht hätten. Eines aber muss man der SPD lassen: Ihre Intellektuellen wirken stets ein wenig protestantisch-freudlos, aber immerhin wie besonders kluges Fleisch vom eigenen Fleische. Die intellektuelle Rechte dagegen stellt seit den Zwanziger Jahren eine Schimäre dar, eine denkende contradictio in adiecto, und die Vorzeigedenker der Konservativen wirken nicht wie die gesteigert intelligente Version der eigenen Leute, sondern wie vollkommene Fremdkörper, die nur aufgrund ihrer Willfährigkeit nicht als überkandidelt verstoßen werden.

Eine denkende Partei aus evangelischen Professoren wäre dagegen gern die FDP, die in der Realität allerdings aus alten Handwerksmeistern und jungen Gebrauchtwagenhändlern besteht. Im Gegensatz zum strotzend-selbstsicheren Konservativen ist der Liberale in der Welt seiner Wünsche allerdings nie so ganz zu Hause, statt economy möchte er business fliegen, und dieser Wunsch macht ihn hart, spitz und zumindest verbal etwas aggressiv. Der Liberale hadert in aller Regel mit der Welt, die nicht so will er wie er, und ob er sie schlicht als ungerecht gegenüber jungen Gebrauchtwagenhändlern empfindet, oder ob der Ärger vielleicht doch aus purer Besserwisserei herrührt: Die FDP ist eine Partei, bei der man die Differenz zwischen Wille und Wirklichkeit als geradezu komisch empfindet. Man verdankt den Bemühungen ihres Vorsitzenden ergötzliche Stunden der Naturbetrachtung, indes – Mitglied sein kann man da natürlich nicht.

Die GRÜNEN dagegen erträgt man, wie man einen alten Erdkundelehrer erträgt. Gern würde der wirklich nette Pädagoge aus dem Nähkästchen der Befreiungsbewegungen plaudern, gern etwas über seinen heldenhaften Kampf gegen die Errichtung von Flughäfen und für die Erhaltung historischer Bauernhäuser erzählen, allerdings haben ihm Generationen lachlustiger Schüler beigebracht, dass dies nicht das Interesse der nachfolgenden Generationen findet, die oberflächlich zu finden, ihm ein hartnäckiger Jugendwahn zumindest öffentlich verbietet. Um nicht unangenehm aufzufallen, hat er natürlich heute auch keinen Bart mehr, und er trägt betont lässige Anzüge, von denen er annimmt, sie würden ihm ein Air italienischer Lebensart verleihen.

Die GRÜNEN haben in den letzten Jahrzehnten mit einer Menge ihrer Ansichten letztlich recht behalten, und dieser Umstand ist es, der sie unerträglich macht, denn während die Großvätergeneration aus naheliegenden Gründen ihre Heldengeschichten nur selten zum besten gegeben hat, posaunen die GRÜNEN ihre Verdienste gern lauthals in die Welt. Immerhin isst man überraschender Weise in ihren riesigen Küchen oft besser als in den Esszimmern der CDU. Zum Beitritt vermag dies trotzdem kaum zu verleiten, denn immer dann, wenn man die GRÜNEN halbwegs als etwas trocken, aber essbar eingeordnet hat, stellt sich irgendein prominentes Mitglied vor die Presse und erzählt unter dem Beifall seiner räudigen Kreuzberger Mitglieder irgend etwas ganz Unglaubliches.

„Na, das geht natürlich gar nicht.“, zuckt die C. die Schultern, und dann sprechen wir von einer Republik, die es so nicht gibt, die unangestrengt wäre, lächelnd, geschmackvoll in ihren Worten und zurückhaltend mit ihren Taten, und so weit weg, dass man sie nicht einmal bemerkt: Nichts als eine unsichtbare, ordnende Hand hinter den Kulissen und ein würdiger, älterer Herr irgendwo in einem Schloss, der wohlgesetzte Reden im Fernsehen verliest.

Sonntag, 10. Dezember 2006

Die Eisbärrettung

Wenn Sie zu den Leuten gehören, die geräuschvollen Frohsinn auch eher so ein bißchen obskur finden, so fragen Sie in allzu lustiger Runde doch einfach einmal nach dem Klimawandel. Lassen Sie etwa folgende Stichworte fallen: Erderwärmung, Al Gore, Versteppung der semiariden Zonen, und sofort wird sich das Gesicht Ihrer Gegenüber in sorgenvolle Falten legen. Im Anschluss an diesen atmosphärischen Umschwung geht es die nächsten zehn Minuten um nicht weniger als den Weltuntergang, und auch im Übrigen versichere ich Ihnen: Den Rest des Abends wird die Atmosphäre am Tisch nicht mehr die selbe leichtlebige und sorglose Färbung annehmen wie vor Ihrer Intervention.

Tatsächlich jedoch können alle ehrlichen Berliner die Erwärmung der Erdatmosphäre nur begrüßen. Wer jemals auf der Frankfurter Allee dermaßen gefroren hat, dass er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit fürchte musste, am Abend würden ihm nach seiner Rückkehr von der Arbeit aus den gefütterten Stiefeln die abgefrorenen Zehen entgegenfallen, weiß, was ich meine. Wer – wie ich – nach mehr als zwanzig mützenlosen Jahren in seinem ersten Berliner Winter eine ebenso entstellende wie gehörbehindernde Kopfbedeckung gekauft hat, wer auch ohne Führerschein die Anschaffung eines Autos erwogen hat, um nicht mehr allmorgendlich auf dem Bahnsteig der S-Bahnstation Warschauer Straße zu erfrieren, findet eine Erwärmung der durchschnittlichen Lufttemperaturen eigentlich richtig gut.

Auch wahrheitsliebende Personen indes geben diesen Sachverhalt ungern zu. Hier kommt die ganze Macht gesellschaftlicher Konventionen noch einmal zum Tragen, und erst nachts nach halb drei und nach dem Genuss großer Mengen alkoholischer Getränke geben die Berliner zu, die Klimakatastrophe zu lieben. Mit offenem Mantel, nachts auf dem Weg durch die Stadt, umspült von einer seidig-lauen Luft, wie sie sonst nur ungefähr im September oder im April die Straßen der Stadt durchweht, wandeln glückliche Menschen langsam durch Berlin. Zu Hause drehen sie mächtig die Heizung auf, um die Emissionen großer Kraftwerke zu steigern, machen das Fenster auf und begleiten die Zeitungsmeldungen vom Anstieg der weltweiten Treibhausgasemissionen mit kleinen, freudigen Juchzern.

Eines indes belastet des Berliners Seele: An den Polen, so hört man, verhungern die Eisbären, und das eisbärgeneigte Herz quillt über vor Mitleid mit den ausgemergelten Tieren, die man sich auf einer viel zu kleinen Eisscholle treibend vorstellt, jammervoll nach Fischen schreiend, und schließlich verendend. Als ehemaliger Halter einer ganzen Armee von Teddybären ist dieser Umstand geeignet, auch den an sich klimawandelfreundlichen Menschen ein wenig zu betrüben.

Das Schicksal der Eisbären jedoch, meine Damen und Herren, ist kein unabänderlicher Zustand, das Schicksal der Eisbären liegt vielmehr in unser aller Hand:

Wie Sie wissen, bietet die ehemalige Cargolifter-Halle gut geheizt als sog. „Tropical Island“ zahlenden Gästen alle Freuden eines Südseeurlaubs in Gestalt eines Strandes, der Möglichkeit des Verzehrs von Speisen und Getränken, Shows, wie sie viele Menschen an die Freizeitbelustigungen karibischer Ferienanlagen erinnern. Wie es indes sicherlich auch Sie befüchten, wird die Nachfrage nach dieser Art von Vergnügungen im Zuge der zunehmenden Erwärmung Berlins erheblich abnehmen, und das "Tropical Island" spätestens an dem Tag Konkurs anmelden, an dem auch im November leichtgeschürzte Berlinerinnen am Strand der Spree eisgekühlte Getränke konsumieren.

An den Polen sterben also die Eisbären, die Cargo-Lifter-Halle steht leer, und die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den weltweit führenden Herstellern von – auch großformatigen – Kühlschränken.

Da liegt die Lösung doch auf der Hand.

Sonntag, 19. November 2006

Das große schwarze Loch des privaten Lebens

Eine Entgegnung

Soso, denke ich mir, und lehne mich behaglich zurück gegen die weichgepolsterten Wände des Lochs, in der die deutsche Blogosphäre höchst privat ein wenig Zeit totschlägt. Politischer müsste man also sein, dann wäre man auch bedeutender, und bedeutend zu sein, entnehme ich diesen Zeilen des von mir hochgeschätzten Don D., muss eine großartige Sache sein, und überhaupt jeder sollte Bedeutung anstreben, die in der Sphäre des Politischen offenbar eher beheimatet sein soll als im Reich des ganz und gar Privaten. Die Medien, die man so gemeinhin lesen kann, hätten allesamt versagt, und daher nun sei es an der Zeit, als engagierter Bürgerjournalist Missstände anzuprangern, den Datenschutz etwa, die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe und derlei Dinge mehr.

Tja, denke ich weiter. Liegt man also daneben, wenn man nicht an den Primat des Politischen glaubt? Wenn man auch nicht die Ansicht teilt, dass es große, wichtige Themen gibt wie die Widerlichkeit des hessischen Ministerpräsidenten Ro*land K*och, und kleine, bedeutungslose wie die Melancholie der glücklichen Liebe, das herzzerreißende Verblassen alter Bilder, und die Trauer morgens um vier, wenn man nach Hause kommt, und auf einmal merkt, dass alles, was wir tun, gleichgültig ist, und den Herzschlag der Welt nicht ändert. Ist es falsch, wenn man es ein bißchen egal findet, ob die private Krankenversicherung jetzt alle Leute nehmen muss, oder nur die, die mehr verdienen als andere? Schadet man der Relevanz der deutschen Blogosphäre, wenn man sich nicht merken kann, wer gerade Bundeslandwirtschaftsminister ist? Wenn man es sehr okay findet, nicht wählen zu gehen, weil der Regierende Bürgermeister von Berlin ein ohnehin eher dekoratives Amt ausübt, und die Frage, wer es innehat, das morgendliche Aufstehen vor Schließung der Wahllokale irgendwie nicht wert ist? Wenn einem Relevanz im Sinne von Einfluss oder auch nur im Sinne des Wahrgenommen-Werdens eigentlich auch ziemlich gleichgültig ist?

Wenn man davon überzeugt ist, dass angesichts der Vielzahl der zu berücksichtigenden Interessen jeder mehrheitsfähige Kompromiss notwendig etwas durchaus Krötenhaftes an sich hätte, und die Welt schon nicht untergehen wird, egal, ob etwas nun sehr oder nur ein bißchen ärgerlich ist? Weil meine Welt in ihren wesentlichen Zügen okay ist, wie sie ist, und es mir jedenfalls nicht wert ist, die Zeit und das Interesse aufzubringen, daran etwas zu ändern?

Warum, denkt man bei sich, ist es nicht einfach eine tolle Sache, dass es den deutschsprachigen Bloggern bei allen subjektiven Einschränkungen offenbar gut genug geht, um das, was das Leben der meisten Menschen viel, viel mehr bewegt als alle Politik, wichtig und ernst nehmen zu dürfen, und zu schreiben, was man mag, was berührt, was wichtig erscheint, was das Leben verändert, und die öffentlichen Dinge nur als ein Thema von vielen zu behandeln, dessen Unterhaltungswert sich ebenso wie seine Relevanz sehr in Grenzen hält in diesem lauen Herbst unseres digitalen Biedermeier.

Sonntag, 29. Oktober 2006

The Technicolor Zen of Unterschicht

Früher, also ganz früher, als in Berlin noch ein Kaiser saß, oder sogar noch viel früher, als es noch nicht einmal einen Kaiser gab, sondern bloß einen König von Preußen, waren die Verhältnisse klar: Es gab sehr viele Bauern, überhaupt war fast jeder Bauer, und alle Bauern arbeiteten den ganzen Tag. Über den Bauern gab es Bürger, die arbeiteten zwar auch ziemlich viel, hatten abends aber noch Zeit, ein bißchen Hausmusik zu machen oder Gedichte oder genug Scherenschnitte, um alle Wände für die nächsten 300 Jahre damit zuzuhängen.

Über den Bauern und Bürgern aber thronte, breitbeinig und stiernackig, der Junker, der adelige Herr, und arbeitete so gut wie gar nicht. Aus purer Langeweile ergab er sich der Gartenbaukunst, sammelte Gemälde, die andere Leute gemalt hatten, und tanzte, jagte, bekam Kinder, und ab und an zog er in den Krieg. Manchmal starb er dabei, meistens starben nur die anderen.

Dann aber verloren die Junker allzu viele Kriege, in Berlin saß kein Kaiser mehr, sondern bloß noch Präsidenten, die Junker wurden irgendwann von der Roten Armee aus ihren Schlössern vertrieben und mussten sich Berufe suchen, und die Bauern, die längst keine Bauern mehr waren, sondern Facharbeiter bei VW oder Siemens oder so, bekamen jedes Jahr mehr Geld. Häuser kauften sich die gewesenen Bauern, Fernsehgeräte und Kraftfahrzeuge, traten dem Bertelsmann Buchclub bei, ließen sich viermal im Jahr ein Buch schicken, und fuhren jedes Jahr dahin, wo es warm ist und Palmen wachsen.

Ziemlich viel Arbeit war es natürlich trotzdem. Morgens ging der Bauer, der jetzt Arbeiter war, mit seiner Brotdose aus dem Haus, und kam abends ganz zusammengedrückt nach Hause. Seine Frau putzte irgendwo, und beide legten sich mächtig krumm, damit ihr Sohn Zahnarzt werden konnte.

Besonders glücklich war der Arbeiter nicht. Die Raten fürs Haus waren hoch, der Wagen ständig kaputt, der Sohn fiel durchs Physikum, und seine Frau trug den ganzen Tag Kittelschürzen und Besenreiser an den Beinen. Zwar setzten sich die Gewerkschaft und die SPD mächtig dafür ein, dass alles immer besser wurde, die Arbeit weniger, das Geld mehr, die Fernseher größer und das Physikum leichter, trotzdem verspürte der Arbeiter nachts, wenn er nach Hause kam, einen bohrenden Schmerzin der Brust, die Leere des Lebens drückte ihm das Herz ab, das ganze Gewicht seines Seins fiel ihm auf den Kopf, und eines Tages wurde er Buddhist.

Was Richard Gere kann, kann ich auch, sagte sich der Arbeiter. Inneren Frieden durch Verzicht, predigte er seiner Frau. Warum 2.500 Euro, wenn die Hälfte auch reicht, erkannte er und kündigte seinen Job. Mühelosigkeit, stellte er sich vor. Schmerzlosigkeit, ein sanftes, buntes Fließen, fernab der grellen und billigen Extasen der Moderne, ein Reich jenseits des Rauschs und der vergeblichen, scheinbaren Siege, wünschte sich der Arbeiter und stand morgens einfach nicht mehr auf. Wenn er aufstand, trug er nur noch Jogginghosen, die ihn nicht beengten, trank Bier, das das Leben weich zeichnete, ein wenig wattig, und bat seine Frau, sich auch so bunt anzumalen wie die Damen, die man im Fernsehen sieht, um sich einer unkomplizierten, ungezwungenen Sinnlichkeit hinzugeben und nackt unter blühenden Bäumen mit lauter anderen Arbeitslosen wie die Kinder Gottes am ersten Morgen der Welt an der Ostsee einherzuwandeln.

Irgendwer aber, so erkannten die Anführer der deutschen Arbeiterbewegung, musste die ganze Veranstaltung bezahlen. Autos bauen konnten zwar auch unbuddhistische Leute irgendwo anders, Essen kochen muss auch keiner, der eine Microwelle hat, und überhaupt war es gar nicht nötig, dass die Arbeiter arbeiten, wenn nur andere Leute arbeiten und von ihrem Geld abgeben, und irgendwer mit seiner Arbeit den deutschen Buddhismus bezahlt.

Jahrhundertelang, rechtfertigten die deutschen Arbeiterführer ihr Tun, hätten die Bürger und Junker ihre Hände in den Schoß gelegt. Nun sei die Zeit gekommen, den Spieß einmal umzudrehen, die Arbeit radikal zu verschieben, diejenigen zwölf Stunden am Tag in die Büros zu scheuchen, die derlei auch einmal getan hätten, und auf diese Weise den friedlichen, knallbunten Buddhismus zu finanzieren, den die Arbeiter sich, wie jeder billig und gerecht denkende Mensch kaum bestreiten könne, über Jahrhunderte redlich verdient hätten.

Sollen die doch, deuteten die Arbeiterführer abfällig in Richtung der himmelstrebenden Türme des Geldes, arbeiten, bis sie mit vierzig tot an ihren Schreibtischen umkippen. Sollen die doch weiter glauben, die Herren der Republik zu sein und zu bleiben. Sollen die doch verdienen, was sie wollen, wenn nur der ehemalige Arbeiter mit dem seligen Lächeln derer, die erkannt haben, dass das Leben nicht mehr zu bieten hat als das Glück der Schmerz- und Wunschlosigkeit, auf seinem Sofa sitzen kann, das er, wie man weiß, nicht mehr verlassen wird, denn dort ist es schön.



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