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    <title>Melancholie Modeste : Rubrik:Familienalbum</title>
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  <image rdf:about="http://static.twoday.net/modeste/images/icon.jpg">
    <title>Melancholie Modeste</title>
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    <title>Von mir kriegst du nichts</title>
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    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Nicht, dass es nennenswert viel zu vererben geben würde bei uns zu Haus, doch aus einer schwer erklärlichen Mischung aus Streitlust und innerfamiliärer Verbitterung über die jeweils anderen Verwandten endet, seit ich denken kann (und wahrscheinlich schon erheblich länger), jeder innerfamiliärer Todesfall mit einer erbschaftsrechtlichen, in aller Regel gerichtlichen Auseinandersetzung. Welcher Stellenwert dem Erben und Vererben innerfamiliär zukommt, lässt möglicherweise eine Episode erkennen, an die ich  gleichwohl Hauptprotagonistin  mich nicht die Spur mehr erinnern kann, gleichwohl schwören alle Anwesenden Stein und Bein, dies habe exakt so und nicht anders stattgefunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungefähr achtjährig, sagt man, hätte ich auf dem Spielplatz eines Ausflugslokals mit meiner Schwester, zwei Vettern und einigen anderen, mir nicht verwandten, sondern vor Ort vorgefundenen Kindern gespielt. Im Zuge des Spiels seien Unstimmigkeiten aufgetreten, laut sei es geworden zwischen Rutsche und Sandkasten, und auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen hallte  weithin hörbar bis zur unweit belegenen Terrasse des Lokals mein erbitterter Ausruf: Von meinem Geld sollst du nichts haben!, gefolgt von den unmissverständlichen Worten: Dich streich ich aus dem Testament!  Besonderes Erstaunen ob der an sich eher unkindlichen Reaktion erregten diese Worte bei den volljährigen Familienmitgliedern auf der Terrasse des Lokals, sagt man, indes nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keiner Bestattungsfeier, ich schwöre, hätte ich jemals beigewohnt, auf der die Frage nach Erbschaft und Vermächtnis nicht spätestens beim tröstenden Kuchen, wenn nicht sogar bereits am offenen Grab debattiert worden sei. Kein 80. Geburtstag, bei dem nicht zumindest in der Küche, fernab von Reden und Glückwünschen, diskutiert worden sei, was mit Haus und Geld, Schmuck und Silber zu geschehen sei, wenn es sich einmal ausgefeiert haben sollte, und kein Familienmitglied, das nicht alle paar Jahre, familiären Verwerfungen Rechnung tragend oder auch einfach so, sein Testament zu ändern pflegt. Im Nachhinein darf in mindestens der Hälfte aller Fälle durchaus bezweifelt werden, ob die so angeordnete Erbfolge tatsächlich dem Willen des Verstorbenen entsprach oder nicht etwa einer schlichten Laune folgend im festen Bewusstsein niedergeschrieben wurde, es dem Rest der Familie einmal kräftig zu zeigen und zu einem unbestimmt späteren Zeitpunkt von der demonstrativen Geste bei einem verschwiegenen Notar wieder clamheimlich abzurücken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht wenige Familienmitglieder beispielsweise hegen ernsthafte Zweifel daran, ob etwa Onkel P. den nicht unerheblichen Teil seines Besitzes, welcher sich in seinem Weinkeller manifestierte, wirklich einer wohltätigen Organisation vermachen wollte, die insbesondere in Afrika den Welthunger bekämpft, oder nur der Tante vor Augen führen wollte, was ihr blühen werde, werde der am Ende bettlägrige Onkel nicht wunschgemäß gepflegt. Im Zuge der Demonstration  die der Onkel vermutlich nach und nach zu intensiveren plante - war selbiger indes verstorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann er nicht ernst gemeint haben., waren sich daher die nach der Beerdigung in der Küche versammelten Tanten und Großtanten vollkommen einig, thematisierten die lange und schwere Erkrankung des Onkels, die unzureichende Pflege durch die dazugehörige Tante, deren hühnerhafte Aufregungszustände allen Anwesenden schon seit der frühmorgendlichen Grablegung ganz entsetzlich auf die Nerven fiel, und die immer häufiger werdenden geistigen Absenzen in den letzten Monaten seines Daseins. Seiner eigenen Frau das Schwarze unter den Nägeln nicht zu gönnen!, ereiferte sich meine Tante L., und rang buchstäblich die Hände. Seinen Weinkeller vorbei am eigenen Fleisch und Blut Leuten zu vermachen, die vermutlich nicht einmal Wein trinken, fand auch meine Großmutter nicht gut, und überhaupt war man sich einig, dass wohl kaum die dürstenden Kinder Afrikas, sondern bloß die ortsansässigen Mitarbeiter der karitativen Organisation von diesem geradezu unanständigen Exzess der Wohltätigkeit profitieren würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von langgezogenen Schluchzern geschüttelt lag die frisch verwitwete Tante währenddessen im Bett. Ab und zu trat eine der Nichten und Schwiegernichten (die Ehe war kinderlos geblieben) behutsam in ihr Schlafzimmer, tätschelte ihr vorsichtig die Schulter und stellte einen mit Kuchen und Schnittchen gefüllten Teller auf den Nachtschrank. Zwar erfolgte keine sicht- oder hörbare Reaktion der Dankbarkeit aus dem Polstergebirge, unter dem sich der Tante Kopf verbarg, indes konnte einige zehn Minuten später der leere Teller wieder hinausgetragen werden. Ganz so untröstlich, zischte man sich in der Küche zu, war die Tante also offenbar doch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hätten die anwesenden Tanten und Großtanten gewusst, dass nur unziemliche zehn Monate später ein anderer Herr ins Haus des Onkels einziehen würde, man würde sich gewünscht haben, Onkel P. hätte alle seine weltlichen Güter, statt nur den Weinkeller, den armen Kindern in Afrika vermacht, und auch die Tatsache, dass die gierigen Mitarbeiter der wohltätigen Organisation nicht nur die Flaschen selber, sondern auch die Kühlschränke und Weinregale als ihr Erbe deklarierte, hätte unter diesem Aspekt den Beifall der übrigen Verwandtschaft gefunden, die vor Entrüstung monatelang kein Wort mit der Abtrünnigen sprach. Als man sich allerdings wieder dazu bereit finden wollte, die unterbrochene Konversation fortzusetzen, war, wie es bisweilen zu gehen pflegt, die ehemalige Tante nicht mehr an der Fortsetzung der Verwandtschaft interessiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Erkenntnis, eine wahre Schlange am Busen der Familie genährt zu haben, zog die Sippe sich schwer gekränkt zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ganz gern zurückgezogen hätte man sich allgemein von der Tante T., so gern nämlich, dass jene Tante ohne das Attribut die angeheiratete, was eine leicht gequälte Distanz ausdrücken sollte, überhaupt nicht vorkam, denn jene Tante war nicht nur rechtsradikal und als junge Frau von Arno Breker in Metall gegossen worden, nein, die Tante, Mutter der 2. Frau meines Onkels A., war auf ihre alten Tage zur fanatischen Christin geworden und verängstigte mit eindringlichen Visionen vom Höllenfeuer besonders gern die minderjährigen Kinder ihrer angeheirateten Verwandtschaft. In ihren Erzählungen langten stets der Hölle blutige Klauen nach unfrommen Kindern. Das ewige Feuer der Verdammnis erfasste ihren Mitteilungen nach nicht nur Menschen, die die Ehe brachen oder Tiere quälten, nein, auch Kinder, die zwischen den Mahlzeiten Schokolade essen, mit ungewaschenen Händen zu Tisch erschienen oder vor den Klavierstunden nicht übten, fielen dem Teufel anheim, der sie an langen Spießen über dem offenen Feuer zu braten plante. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kritisch die Tante T. gegenüber Kindern auftrat, so nachsichtig war sie gegenüber ihrem Hund. Diesem, einem fetten Vieh mit Hüftdyplasie und spärlichem Haarwuchs, war sie zärtlich zugetan, und als es ans Sterben ging, dauerte sie das weitere Schicksal des Hundes mehr als ihr Seelenheil oder gar das weltliche Wohlbefinden ihrer Tochter. Nicht nur Unterkunft und Ernährung des missgestalteten Tieres lagen ihr am Herzen, auch die Seele ihres Hundes wollte die angeheiratete Tante T. nicht sich selber überlassen, und so traf sie die Verfügung, dass ein ortsnaher Orden frommer Damen sich des Hundes insoweit annehmen sollte, dass gegen ein Vermächtnis in Geld täglich eine bestimmte Anzahl Ave Maria zugunsten des Hundes zu beten sein sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies indes lehnten die frommen Damen ab. Ob nun das Geld, wie es innerfamiliär hieß, schlicht zu knauserig bemessen war, oder ob tatsächlich Hinderungsgründe reigiöser Natur bestanden: Die Schwestern behaupteten, für einen seelenlosen Hund dürfe und könne man nicht beten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Tante T. diesem Verbot jahrelang zuwidergehandelt hatte, schmort sie nach einhelliger Überzeugung der ganzen Familie seit 1986 unrettbar in der Hölle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krönung und unbestrittener Höhepunkt der familiären Erbschaftsauseinandersetzungen stellt jedoch das Erbe meines Großvaters dar, der säuberlich handgeschrieben drei verschiedene undatierte Testamente hinterließ, natürlich sehr verschiedenen Inhalts, und die Familie in eine mehrjährige gerichtliche Auseinandersetzung stürzte, die derart viel Geld und Nerven verschlang, dass einige zartbesaitete Tanten und Onkel noch heute hilflos zu japsen beginnen, kommt die Rede einmal zufällig auf diesen Vorfall. Neben den hauptsächlichen, völlig unvereinbaren Anordnungen der Erbfolge setzte er an ungefähr die Hälfte seiner Enkel Vermächtnisse aus, und die überging die andere Hälfte mit der ganzen missbilligenden Kraft seines postmortalen Schweigens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Rechtsfolge, auch die Motivation seines Handelns blieb während der gesamten familienzerfetzenden Auseinandersetzung völlig unklar, und veranlasste das letztinstanzliche Gericht zur ratlosen Randbemerkung im Urteil, gerade bei einem rechtskundigen Erblasser sei dieses Verhalten letztlich rätselhaft und nicht bis ins Letzte aufzuklären. Einige  vorwiegend übergangene  Familienangehörige vermuten bis heute die reine Bosheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen ist viel Wasser den Rhein und die Elbe, die Donau und die Spree hinabgeflossen. Lange ist niemand gestorben, und nur selten hört man von den Tanten und Onkeln, Nichten und Neffen, Cousins und Cousinen, die weit verstreut über die Lande ihrem Tagewerk nachgehen, sich verheiraten und scheiden, vermehren und Besitz anhäufen, emsig Testamente verfassend, ändernd und verwerfend, um, wie anzunehmen ist, jene liebgewonnene Gewohnheit der rauschenden Erbauseinandersetzung bei nächster sich bietender Gelegenheit mit unverändertem Feuer fortzusetzen. &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-11T20:36:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/3740726/">
    <title>Die Wahrheit über das Ende der Ehe von Onkel A.</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/3740726/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wie es sich gehört, weiß die Familienfama alles über das Ende der Ehen meines Onkels A., und insbesondere das Ende seiner 2. Ehe gehört zu denjenigen Erzählungen, die den ehrwürdigen Schatz der Familiengeschichte seit vielen Jahren bereichern. Zwar behauptet, dies soll nicht verschwiegen werden, die Hauptperson hartnäckig, alles sei ganz anders gewesen, befindet sich mit dieser Ansicht jedoch in einer extremen Minderheitsposition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keinesfalls sei er, beharrt der Onkel A., an jenem besagten Abend offenbar unerwartet nach Hause gekommen und habe geklingelt. Wieso er auch habe schellen sollen, fragt der Onkel A., denn selbstverständlich trage er, wie jeder normale Mensch, einen Haustürschlüssel bei sich. Zur Bekräftigung pflegt der Onkel A. an dieser Stelle seinen Schlüssel aus der Tasche zu ziehen und einmal kräftig mit ihm zu rasseln. Die familiäre Version, so behauptet es der Onkel, sei schon aus diesem Grunde vollkommen unplausibel und ohnehin völlig falsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies jedoch überzeugt die Familie nicht. Vielmehr, so erscheint es anderen Verwandten wahrscheinlich, trage der Onkel A. überhaupt erst seit diesem Abend seinen Schlüssel stetig mit sich, denn schließlich kenne man den Onkel als einen nachlässigen, nachgerade schlampert zu nennenden Herrn, der, wie man so sagt, seinen Kopf vergäße, wäre er nicht verlässlich am oberen Ende des Halses angewachsen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass der Onkel A. seinen Schlüssel bei sich gehabt hätte, hat er  so weiß es der familiäre Volksmund genau  also nachträglich erfunden, wieso auch immer, und so sehen wir den Onkel A., mag er auch protestieren, an einem Sommerabend vor ziemlich vielen Jahren um die Ecke biegen, seinen Wagen parken und über das kurze Rasenstück zwischen Garage und Haus spazieren. Über dem Arm, denn ist warm, trägt der Onkel sein Sakko, in seiner linken Hand schwenkt er eine Aktentasche, und mit der rechten Hand, mit dem rechten Zeigefinger, um genau zu sein, drückt er einmal kräftig auf die Klingel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein paar Minuten lang passiert nichts. Schließlich aber öffnet sich die Tür, und im schattigen Korridor, barfuß auf den braunen Fliesen des onkeleigenen Erdgeschosses, steht ein völlig fremder Mensch und schaut den Onkel an. Was kann ich für sie tun?, fragt der unbekannte, unsympathisch muskulöse Mann den Onkel. Dem Onkel verschlug es die Sprache. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wohne hier, sagt man, habe der Onkel geantwortet. Ach so., habe man ihm die Tür auf diese Auskunft hin geöffnet, und verdattert standen sich der Onkel und der Hockeytrainer seines Sohnes im Flur gegenüber. Wer ist denn da?, habe die Frau des Onkels den Trainer gefragt, und sei mit aller gebotenen Nervosität einer auf frischer Tat ertappten Person herbeigeeilt gekommen, als der Trainer ihr den Sachverhalt mit kurzen Worten erläutert habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Onkel, so sagt man, sei die Wahrheit über Frau und Trainer quasi wie ein Holzhammer auf den Kopf gefallen. Stehenden Fußes habe er kehrt gemacht, sei ins Auto gestiegen und zurück ins Büro gefahren, und sei sodann eine ganze Nacht zwischen Schreibtisch und Aktenschrank auf- und abgewandert. Einige Diskussionen mit seiner Frau später habe man sich auf einen vorerst getrennten Hausstand geeinigt, Monate später erkannt, dass der getrennte Hausstand als allseits angenehmer empfunden wurde als das Zusammenleben, und habe noch etwas später die Scheidung beantragt und erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obkel A. indes, dies sei angemerkt, bestreitet diesen Geschehensverlauf. Niemals, so behauptet der Onkel und schüttelt empört den Kopf, habe er in seinem Hause den Hockeytrainer angetroffen. Niemals auch habe er eine Nacht im Büro verbracht, und diese wie auch alle seine weiteren Scheidungen seien vollkommen unspektakulär verlaufen, zu unspektakulär offenbar für seine sensationslüsterne Familie, die sich etwas zusammengesponnen habe, wo gar nichts sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies aber, so weiß man mit überwältigender Mehrheit, ist gar nicht wahr.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-17T21:32:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/3122916/">
    <title>Die bakterielle Verseuchung der Kindheit</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/3122916/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Die ganze Welt war voller Bakterien. Insbesondere andere Leute waren mit Mikroben übersät, vor allem meine Familie, und ich sah die Kleinstlebewesen förmlich auf der Haut meiner Anverwandten sitzen wie die Blattläuse auf den Stauden an der Garage meiner Oma. Was aber das Schlimmste war: Meine Familie hatte mir diese bestürzende Tatsache während meines gesamten fünfjährigen Lebens verschwiegen. Erst ein Sachbuch der Reihe Was ist was hatte mir die Gefahren der Mikrobenwelt vor Augen führen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsichtig, um nicht mit mehr Bakterien als unbedingt nötig in Kontakt treten zu müssen, tastete ich mich ins Bad. Die scheinbar saubere Toilette strotzte vor Krankheitserregern. Escherichia coli., dachte ich und versuchte, das Wasser nach einer ausgiebigen Reinigung wieder abzudrehen, ohne den Wasserhahn zu berühren. Aufgeschlagen lag das angstauslösende Buch scheinbar friedlich auf meinem Bett. Auch das Buch, wurde mir klar, war verseucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend stellte ich meine Eltern zur Rede. Man lachte. Nicht alle Bakterien, wurde ich belehrt, seien gefährlich, aber das hatte ich dem Was ist was-Buch auch schon entnommen. Da die Bakterien aber bekanntlich für das bloße Auge unsichtbar und daher nicht ohne unverfügbare Hilfsmittel in gefährliche und harmlose Geschöpfe unterscheidbar waren, beruhigte mich diese Mitteilung nicht. War meine Mutter ungefährlich oder warteten todbringende Kleinstlebewesen auf ihrer Haut nur darauf, mich anzuspringen? Saß im Haupthaar meines Vaters das Verderben und wartete auf mich? Und was war mit Schwesterchen? Was mit dem Hund?  Umzingelt von Gefahren saß ich auf dem Rand der Badewanne und beobachtete misstrauisch meine Hände. Unter meine  Fingernägeln, so schien es mir, saßen Millionen Kranlheitserreger und lachten mich aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der übliche Gute-Nacht-Kuss fiel aus. Bekümmert stand mein Vater einige Sekunden in der Tür und atmete Enttäuschung. Aus seinen Nasenlöchern spritzten Kaskaden von Bakterien durch den halbdunklen Raum. Gute Nacht., zog er die Tür zu. Gute Nacht., sagte ich ein wenig schuldbewusst, weil es ja nicht an ihm lag, sondern nur an seiner Eigenschaft als Wirt. In der Dunkelheit meines Kinderzimmers wühlten die Mikroben sich durch den orangefarbenen Bodenbelag, bedeckten wie eine Haut alle Möbel, die Playmobil-Stadt auf dem Boden, und die gleichfalls orangefarbenen Vorhänge waren getränkt mit den hunderttorigen  Städten und Reichen der mikroskopischen Fauna. In meinem Kissen tanzten unzählige Milben eine zähnefletschende Polka, und neben dem Bett lag das Buch, in dem man ganz genau sehen konnte, wie die kleinen Mitbewohner meines Lebens aus der Nähe aussahen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen verlangte ich eine neue Zahnbürste und ein Extrastück Seife. Seufzend legte meine Mutter die verpackten Kosmetikartikel auf die Konsole unter dem Spiegel. In den Kindergarten wollte ich nicht. Die bakteriell verunreinigten Abdrücke der Hände meines Vaters konnte ich auf dem Frühstückstisch förmlich sehen. Ich will sauberes Geschirr., versuchte ich mein Überleben zu sichern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spülmaschine, so klärte mich ein Blick auf das Display auf, war mit nur 50° C ungeeignet, das Geschirr wirksam zu reinigen. Mit jedem Bissen, so wurde mir klar, nahm ich Bakterien auf, die aus dem Mund meiner Familie über Löffel und Gabel auf die nurn scheinbar sauberen Teller geraten waren. Ich will ein eigenes Geschirr., meldete ich an. Ein paar an Auseinandersetzungen reiche Tage später erschien mein Vater mit einem großen Karton. Ich packte aus: Ein Hahn und Henne-Geschirr, ein dazugehöriges Besteck, und mein bekümmerter Vater im Hintergrund. Trotz der gesundheitlichen Risiken fiel ich ihm um den Hals. Fast hätte ich ihn geküsst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Geschirr stellte ich selbst in die Spülmaschine. Auch die Reinigung meines Zimmers wollte ich selbst übernehmen und konnte nur mit Mühe davon überzeugt werden, dass Frau T., die Sachwalterin der häuslichen Hygiene, als Profi der Keimfreiheit besser in der Lage sein würde, den Tod aus meinem Zimmer zu verjagen. Immerhin trug Frau T., wie auch Schwesterchen, einige Tage gezwungenermaßen einen Mundschutz aus der Praxis unseres Zahnarztes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages aber war das Was ist was-Buch weg. Noch ein paar Tage später packte meine Mutter unsere Taschen, und unsere Mikroben und wir fuhren in Urlaub. Nach der Rückkehr aber hatte die Welt der Kleinstlebewesen für&apos;s Erste ihren Schrecken verloren, und nur das Geschirr blieb, wo es war. &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-31T13:41:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/3024186/">
    <title>Jubilate</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/3024186/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Onkel A. findet, man sollte sich schämen. Tante M. findet, Weihnachten solle man nicht über den Krieg sprechen und über den Kommunismus könne gar nicht wenig genug gesprochen werden. Onkel A. solle besser noch ein Stück vom Stollen essen und vielleicht ein bißchen Klavier spielen. Widerstrebend setzt sich Onkel A. auf den Schemel und klimpert ziemlich lustlos Weihnachtslieder. Die Kinder sollen mitsingen!, fordert Tante M. uns auf, aber wir bleiben sitzen. Tante M. seufzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Tisch türmen sich auf mehreren Tellern Schokoladenweihnachtsmänner und stanniolverpackte Süßigkeiten. Nougatgefüllte Kugeln, Nüsse, Mandarinen und gebräuntes Königsberger Marzipan, kleine runde Schokoladenplätzchen mit bunten Streuseln drauf, Lebkuchen und Plätzchen. Die mit den roten Klecksen in der Mitte sind von Tante M. Ab und zu stößt uns die Großmutter an, auch von den Plätzchen der Tante zu essen. Tante M. sei sonst traurig, flüstert sie uns zu. Ihre eigenen Plätzchen sind auf diese Ermahnung nicht angewiesen. Kleine Kokosberge gibt es und Vanillekipferl, bunte Butterplätzchen und Zimtsterne, Schokoladenhäufchen und Engel mit einer Nuß im Bauch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Modeste verträgt keinen weißen Zucker., behauptet meine Mutter. Das stimmt nicht, aber ab und zu erinnert sich einer Erwachsenen an die mütterlichen Ermahnungen und schiebt den Teller weg, wenn ich komme. Meine Großmutter dagegen weiß, dass Zucker nicht schädlich ist für Kinder, und steckt mir Süßigkeiten zu, wenn meine Mutter nicht hinschaut, und gelegentlich auch, wenn meine Mutter danebensitzt. Meine Mutter schweigt. Ihre Schwiegermutter sei schwierig, wird sie ein paar Tage später ihrer besten Freundin erzählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ich auch etwas zu naschen habe, hat meine Mutter extra Süßigkeiten mitgebracht, Fruchtschnitten und Studentenfutter aus dem Reformhaus. Die mag ich nicht. Die meisten Fruchtschnitten isst deswegen der lustige Onkel U., der seine neuen Freundin mitgebracht hat, mit der keiner spricht. Ziemlich geschminkt ist die Freundin, die ich Jahre später als Internistin an einem Berliner Krankenhaus wiedertreffe. Die Kellnerin nennt sie meine Großmutter, als sei das etwas Unanständiges. Irgendwann tuscheln Onkel U. und seine neue Freundin miteinander und fahren dann einfach weg, obwohl wir doch so schön zusammensitzen, Kinder, sagt die Großmutter vorwurfsvoll.  Mein Großvater nickt. Schuld ist die Kellnerin, die keinen leichten Stand haben wird in den nächsten Jahren, trotz Hochzeit und Kind. Die Scheidung musste ja so kommen, werden die alten Damen eines Tages sagen, die Schwestern des Großvaters, die nebeneinander am Couchtisch sitzen und viel zu selten besucht werden. Kinder sind undankbar, ist man sich einig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hunde müssen in der Küche bleiben, denn im Wohnzimmer steht der Weihnachtsbaum, der umkippen könnte, wenn ein Hund dagegenläuft. Im Esszimmer haben Hunde nicht zu suchen, und so hört man es gelegentlich in der Küche bellen und jaulen, wo vier Hunde aufgeregt auf viel zu engem Raum zusammengesperrt warten. Meine Mutter schmollt, weil ihr Hund trotz nachweislicher Wohlerzogenheit auch nicht ins Wohnzimmer darf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tante H. hat letztes Jahr versucht, sich umzubringen, und hat nun wie ein rohes Ei behandelt zu werden. Benommen von Medikamenten, von denen sie wieder fröhlich werden soll, sitzt sie verschämt auf dem Sofa. So etwas tut man nicht, sagt die alte Tante D. in der Küche zur Großmutter. Wir sollen im Gästezimmer spielen, aber die Bücher habe ich schon ausgelesen, die neue Puppe mag ich nicht, und Cousin J. will seinen Lastwagen nicht hergeben. Geschrei, Cousin J. weint, und ich muss mich entschuldigen. Cousin L., der schon 15 ist, ängstigt die Kleinen mit Geschichten von menschenfressenden Gespenstern und wird deswegen in die Küche beordert, Geschirr abtrocknen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante H. wird nun doch etwas lebhafter, weil die Medikamente wirken, und findet es nicht gut, dass es Weihnachten nur um Kommerz geht. Weihnachten ist das Fest der Familie, weist meine Großmutter sie zurecht. Onkel A. findet Weihnachten auch verlogen, mein Vater scheitert am Aufbau eines Fischer-Technik-Baukrans, und seine Tanten sprechen ununterbrochen auf ihn ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kinder sollen singen., fordert Tante M. und nochmal auf. Ich will nach Hause!, plärrt eine der kleinen Cousinen. Kinder, kommt ihr singen?, greift Tante M. sich rechts und links je ein Kind und schleppt uns zum Klavier. - Lass doch die Kinder in Ruhe!, steht Onkel A. vom Klavierhocker wieder auf und schließt den Deckel. Tu den Kindern doch den Gefallen!, befiehlt die Tante ihn vergeblich zurück. - Es gibt gleich Essen., unterbricht die Großmutter. Tante M. ist beleidigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nächstes Jahr bleiben wir zu Hause., behauptet meine Mutter am nächsten Morgen auf dem Heimweg. Stur schaut mein Vater geradeaus auf die Autobahn. Das können wir meiner Mutter nicht antun., wird er zwölf Monate später meiner Mutter vorhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Jahr später aber ist der Großvater tot, die Großmutter folgt zwei Jahre später, und fünf weitere Jahre später hören meine Eltern auf, Weihnachten zu feiern und fahren einfach weg, irgendwohin, wo keine Weihnachtsbäume wachsen.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-04T23:37:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/2175262/">
    <title>Die kleine Freiheit</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/2175262/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;So ungefähr mit 82 fing mein Großvater an zu husten, und mit circa 84 wurde sein Husten der ganze Familie so widerlich, dass einzelne Mitglieder ernsthaft erwogen haben sollen, Weihnachten 1985 woanders zu verbringen als in seinem Hause. Mit 86 fiel er einfach um, und kam ins Krankenhaus. Die Ärzte sprachen von Lungenkrebs und ermahnten ihn, mit dem Rauchen aufzuhören, aber ein paar Wochen später war er tot, und so kam es nicht mehr zu einer späten Entwöhnung vom Nikotin. Es hätte wohl auch nichts mehr genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bedeutenderen Besitztümer meines Großvaters erbte meine Großmutter. Mit souveräner Ungerechtigkeit allerdings vererbte er diejenigen Kleinigkeiten seinen Kindern und Enkeln, um die niemand ernsthaft prozessieren würde, über deren Verteilung sich die Zukurzgekommen aber trotzdem ärgerten: Ich bekam den Globus und Morgensterns gelbes Inselbändchen Palmström, aus dem er mir gelegentlich vorgelesen hatte. Mein Cousin L. erbte den großen Gibbon und eine bronzene Perikles-Büste. Schwesterchen allerdings bekam nichts, denn die war schlecht in Latein und spielte bei Tisch zudem ab und zu mit den Haaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wagen natürlich blieb in der Garage, die nun meiner Großmutter gehörte. Mein Vater bot an, beim Verkauf zu helfen, mein Onkel A. bot an, selber mit dem Wagen herumzufahren, aber meine Großmutter lehnte ab, und strafte diejenigen, die an einen Akt purer Sentimentalität geglaubt hatten, Lügen: Noch im selben Jahr begab sie sich zur örtlichen Fahrschule, &lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/1199933/&quot;&gt;und was ihrer Enkelin nicht gelingen sollte&lt;/a&gt;, gelang der damals über siebzigjährigen Dame: Der Führerschein wurde ihr ausgehändigt, und meine Großmutter setzte sich hinter das Steuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kannst du die Kinder ja mal mitnehmen., hatte meine Mutter vorgeschlagen, die  wie eigentlich jedermann  nicht an die reale Möglichkeit geglaubt hatte, dass meine Großmutter jemals wirklich fahren würde. Meine Großmutter jedoch verpackte Käsebrote in Butterbrotpapier, befüllte eine Thermoskanne mit Kaffee und eine mit Früchtetee und fuhr sehr, sehr vorsichtig vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kindheit meiner Großmutter, hatte man mir erzählt, pflegte man bisweilen noch mich Pferdekutschen zu reisen, und das Tempo, mit dem ein Pferd die Lande durchquert, schien meiner Großmutter die angemessene Reisegeschwindigkeit darzustellen. Mit ungefähr 50 Stundenkilometern, auf der Autobahn auch gerne einmal mit 70, fuhr meine Großmutter über Land. Langsamer als wir hatte seit dem 19. Jahrhundert niemand mehr den Wolfgangssee erreicht. Mit der Gemächlichkeit wandernder Handwerksburschen bereisten wir die Mosel, meine Großmutter erzählte mir alles, was sie über die Porta Nigra wusste, wir fuhren zum Loreleyfelsen und nach Altötting, und nachts schliefen wir in Familienpensionen, die die Dame des jeweiligen Hauses mit geschmackvollen Souvenirs der Region und fröhlich-bunten Kunstdrucken dekoriert hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil meine Großmutter dem Glauben meiner Eltern nicht anhing, Zucker sei schlecht für Kinder, und ich sei ohnehin schon hyperaktiv genug, gab es immerzu Kuchen und Limonaden. Morgens schmierte sie mir Semmeln dick mit Butter, und ich durfte Eier essen, so viel ich wollte. Wenn es irgendwo einen Aussichtspunkt gab, dann gab es auch eine Bank, und meine Großmutter setzte sich hin und bewunderte die Aussicht. Am Abend saßen wir auf den Terrassen der Familienpensionen unter farbigen Markisen und schrieben Karten an die ganze Familie. Liebe Mama, lieber Papa!, schrieb ich etwa hier ist es sehr schön, und mit dem Wetter haben wir viel Glück gehabt. Gestern waren wir in ... und haben den ... besucht.  und nach einigen Tagen fuhren wir zurück. Es war großartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab und zu kam meine Schwester mit, aber der wurde im Auto ab und an schlecht. Einmal fuhr auch Cousin S. mit, aber der konnte nicht stillsitzen, und zappelte auf den Bänken an Aussichtspunkten immer solange herum, dass meine Großmutter die Aussicht nicht genießen konnte, und deswegen blieb er zukünftig daheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab und zu hupten Leute, wenn wir vor ihnen fuhren, und manchmal überholten sie uns sogar da, wo das gar nicht erlaubt war. Die haben ja gar nichts vom Fahren!, sagte meine Großmutter  dann und fuhr noch langsamer. &quot;Ich weiß nicht, warum ich das nicht schon vor zehn Jahren gemacht habe!&quot;, rief meine Großmutter ab und an aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages aber fuhr ihr jemand auf einem Parkplatz in den Wagen, und sie brauchte einen Neuen, der ihr nicht so gut gefiel wie der alte. Und eines Tages sagte ihr ihr Arzt, sie solle auch mit dem neuen Wagen besser nur noch kurze Strecken fahren. Und eines bösen Tages wurde sie krank, und als sie aus dem Krankenhaus ein letztes Mal für ein paar Wochen herauskam, fuhr sie nicht mehr gern. Sie fühle sich zitterig, sagte sie, und mein Vater solle das Auto verkaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann war sie tot. Aber wenn jene recht haben, nach deren Glauben noch mehr als nur nichts auf uns wartet, wenn wir gestorben sind, dann fährt sie in jenen ewigen Gefilden herum, schreibt Karten, übernachtet in Familienpensionen, und bewegt ganz langsam den Wagen, der ihr wohl so etwas wie Freiheit bedeutet haben muss, über jenseitige Autobahnen überallhin, wo es ihr gefällt, zur Blumeninsel Mainau etwa oder bis nach Bayreuth.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2006-06-14T21:54:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/2135705/">
    <title>Ödipus</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/2135705/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Mit einer Hochzeit ist ja landläufig ein Zusammentreffen der ganzen Familie verbunden, und wenn nahe Anverwandte fernzubleiben drohen, so empfinden nicht nur die Brautleute selbst die Abwesenheit als einen eher unfreundlichen Akt. Man sollte also schon eine wirklich gute Entschuldigung zu bieten haben, um einfach wegzubleiben, wenn die eigene Schwester heiratet, und ob A.s kleiner Bruder einen solchen guten Grund hat, darüber gehen die Meinungen durchaus auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleine Kröte war ja noch nie ganz normal...., beginnt die A. ihren Bericht über die Weigerung ihres kleinen Bruders, ihrer Heirat bezuwohnen. Hat er keine Lust zu kommen?, frage ich und bestelle einen Montepulciano und ein paar Oliven dazu. So ganz unverständlich ist das ja nun nicht., interveniert die B.² und blättert lustlos in der Speisekarte. Der hat sich doch nicht mehr alle!, wischt die A. den Einwand von der blanken Holzplatte und wedelt voll des Unwillens so heftig mit der Hand über den Tisch, dass beinahe die Kerzen ausgehen, und Wachs auf das Holz tropft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kleine Bruder der A., erfahre ich, ist 22 oder so, studiert irgendwas Bescheuertes an der HU und wohnt ein paar Straßen von seiner Schwester entfernt irgendwo in Mitte in einer schmutzigen WG. In aller Gemütsruhe, die beiden Geschwistern eigen zu sein scheint, durchfeiert der jugendliche Knabe die Berliner Nächte, verliebt sich alle paar Wochen, trennt sich enttäuscht und vorwurfsvoll, wenn der Erkenntnis, dass auch die aktuelle Bekanntschaft entgegen seiner verzweifelten Hoffnung nicht makellos ist, nicht mehr auszuweichen ist, und zieht ansonsten freudig und bedenkenlos seine lustigen Kreise. Ab und zu besucht er seine große Schwester, isst alles, was im Kühlschrank ist, und nimmt mit, was er nicht mehr essen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich jedoch, eines Nachts, schrak der kleine Bruder aus dem Schlaf auf. Neben ihm lag ein schönes Mädchen, Gelegenheitsfriseurin und Möchtegernmodel, und das Mondlicht fiel durchs Fenster, weil er zwei Jahre nach seinem Einzug immer noch keine Vorhänge angebracht hat. Alles war Bestens, nichts war passiert, aber zu Tode erschrocken schlug sein Herz, und das Blut pochte mächtig gegen seine Schläfen. Ein Würgen presste sich durch seinen Hals nach oben, bis er ins Bad ging und sich minutenlang übergab. Vor seinem inneren Auge tanzten Traumbilder auf und nieder, eine blonde Frau griff nach ihm, zog ihn an sich, küsste ihn, und, was das Schlimmste war: Er küsste zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perfekt sei es gewesen, berichtete er ein paar Stunden später seiner Schwester. So großartig, wie man sich die Liebe immer vorstellt, und ein Traum von so schwereloser, heiterer Harmonie, wie es sie tagsüber eigentlich gar nicht gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was hat das mit der Hochzeit zu tun?, frage ich und verziehe ein wenig das Gesicht über den sauren Kreuzberger Wein. - Die Frau..., japst die A. und lacht ein wenig vor sich hin.  Die Frau also...  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau, berichtet die A. als sie ausgiebig gelacht hat, sei einmal mit ihrem Vater verheiratet gewesen, der ja ganz gern einmal heirate, und dies auch alle paar Jahre täte. Nach innerfamiliär einhelliger Meinung gehöre diese Frau ganz eindeutig zu den dümmsten Frauen, denen ihr Vater jemals die Hand geschüttelt hat, und die Ehe habe, im Wesentlichen deswegen, auch nur wenige Jahre gedauert. Sie selbst habe damals gar nicht mehr zu Hause gewohnt, ihr Bruder allerdings sei damals so ungefähr 14 gewesen, bevor er dann aufs Internat kam, weil er sich mit der nächsten Frau nicht so gut verstand.  Und?, frage ich stirnrunzelnd und versuche, einen Zusammenhang zwischen der ehemaligen Stiefmutter, dem Bruder und der Hochzeit der A. herzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ex-Stiefmutter, klärt die A. mich auf, habe sich aufgrund ihrer schier unendlichen Dummheit bei der Scheidung dermaßen übers Ohr hauen lassen, dass sie im Kreise der Familie bestehend aus Exfrauen und Exmännern, Stiefgeschwistern und Halbgeschwistern und sonstigen Verwandten nach wie vor so gern gesehen sei, dass man sie zur Hochzeit eingeladen habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ihr kleiner Bruder habe nun Angst, ihr zu begegnen.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2006-06-07T22:13:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/1872186/">
    <title>Leicht zerkratzt, sonst gut in Form</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/1872186/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Seit seiner Scheidung von der S. hat Vetter L. leider einen Schaden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kann ich mich mehr blicken lassen., ächzt der L. in den Telephonhörer und erteilt&lt;a href=&quot;http://bunbury.twoday.net/stories/1873594/&quot;&gt; einem samstäglichen Gang über den Kollwitzmarkt&lt;/a&gt; eine entschiedene Absage. Er könne da nicht mehr hin, denn in der Sredzkistraße wohne, &lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/1316423/&quot;&gt;wie ich mich vielleicht erinnere&lt;/a&gt;, die I., und jene, das sei so gut wie gewiss, wolle ihn töten und werde diesen Plan auch voraussichtlich in die Tat umsetzen, bekäme sie Gelegenheit zu einer ebenso blutigen wie öffentlichen Hinrichtung zwischen Freilandeiern und Roter Beete aus ökologischem Anbau. - Das ist schlecht., gebe ich zu und versuche mich zu erinnern, welche Ereignisse genau zu dieser nur als übertrieben zu bezeichnenden Reaktion der I. geführt haben könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halt so ein nettes Techtelmechtel. entwindet sich der L. meinen Nachfragen nach der I. und murmelt irgendetwas von anlasslosen Hoffnungen jener Zeitgenossen, die aus der puren Tatsache, dass man etwas miteinander habe, auf ein weiterreichendes persönliches Interesse schließen, welches die I. veranlasst haben muss, ihre bestehende Beziehung mit einem anderen Herrn zu beenden und sogar anzunehmen, der L. wolle vielleicht statt des Verflossenen bei ihr einziehen. Jener jedoch pflegte derlei Pläne sozusagen überhaupt nicht, und die I. suchte und fand die Schuld an ihrer Fehlspekulation nicht etwa in der eigenen möglicherweise etwas lebhaften Phantasie, sondern allein bei dem L. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kann man nichts machen., wechsele ich das Thema: Wie läufts mit deiner Studentin?, frage ich und der L. räuspert sich ein wenig verlegen vor sich hin. Nett sei es mit der Studentin, die als studentische Hilfskraft in moderatem Umfange an jenem Institut tätig sei, an dem auch Cousin L. sein Brot verdient, aber der gemeinsame Arbeitgeber sei noch nicht einmal das größte Problem. Er habe, fürchtet er, &lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/1058895/&quot;&gt;durch die desaströs verlaufene Ehe mit Kindsmutter S.&lt;/a&gt; offensichtlich einen Schaden davongetragen, eine Art Phobie, die ihn bei dem geringstem Anzeichen aufkeimender Verpflichtungslagen in die Flucht treibe. Leider, nuschelt der L. offenbar über den Rand seiner Kaffeetasse hinweg in den Hörer, würden so gut wie alle ansonsten reizenden Damen mehr Anhänglichkeit zeigen, als er es gegenwärtig gut vertrüge, und mit ihrem Bestehen auf regelmäßige Anrufe, verbindlich gemeinsam verbrauchte Zeit und einer Planung über mehrere Monate, die beispielsweise einen gemeinsamen Erholungsurlaub umfasse, geradezu körperliche Symptome der Klaustrophobie bei ihm hervorrufen. Auch die Studentin, in die er ansonsten geradezu verliebt sei, dränge ihn seit Wochen zu einem gemeinsamen Urlaub im August und stelle gelegentlich Fragen wie Warum hast du eigentlich nicht angerufen?, die er als unangenehm empfände. Ich weiß nicht, wieso Frauen immer so klammern!, beschwert sich Cousin L. über die Damenwelt mehr oder weniger im Ganzen und kramt geräuschvoll in irgendwelchen Schubladen und Fächern nach Keksen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor seiner Ehe mit Mutantin S., die mit der Geburt der gemeinsamen Tochter eine Metamorphose zu einem ganz ungewöhnlich ununterhaltsamen und leicht übergewichtigen Geschöpf vollzog, hätte dieses Problem, das man nur leicht vergröbernd als Bindungsangst bezeichnen könnte, noch keineswegs bestanden. Die Worte etwa meine Freundin oder  die Verpflichtung zu einem gemeinsamen Urlaub schreckten den L. damals nicht, er machte sich nicht einmal Gedanken über mögliche Verstrickungen, denen man am Ende schlecht entrinnt, und alles in allem, bilanziere ich, löffeln nun ganz normal anhängliche Frauen die Suppe aus, die Klette S. ihnen eingebrockt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ein Schaden verschwindet auch wieder., rede ich dem L. gut zu und hoffe, die Studentin möge klug genug sein, auf die L.sche Unstetigkeit mit jener Gelassenheit zu reagieren, die reichere Früchte tragen dürfte als Bemühungen irgendwelcher Art, den L. noch einmal gewaltsam zu so etwas wie einer Beziehung zu erpressen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn nicht, dann nicht., beendet der L. das Thema und imaginiert ein Leben als alternder Junggeselle mit vielen Büchern und sehr gelegentlichem Besuch. Es hört sich ganz gut an. Und ansonsten heilt die Zeit ja bekanntlich alle Wunden.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2006-04-25T09:40:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/1832716/">
    <title>Penaten</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/1832716/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Gelegentlich, zum Glück nicht allzu häufig, fährt man ja durch die Außenbezirke der Städte, dort, wo die Häuser niedrig werden und die Gärten groß, und schaut älteren Ehepaaren, nicht unähnlich den eigenen Eltern, bei der Gartenpflege zu. Ein wenig verloren sehen sie aus in ihren Vorgärten, und noch viel verlorener, denkt man, sitzen sie am Abend in ihren Häusern herum, die sie sich vor über zwanzig Jahren einmal gekauft haben, als sie zwei kleine Kinder hatten, und ein drittes zwar nicht direkt geplant war, aber immerhin wäre Platz gewesen, und mit mehr Gästen, als dann schließlich jemals auf einmal erschienen, hatten sie auch gerechnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sitzen sie also da in ihren fertig eingerichteten Häusern, die viel zu groß sind für zwei ältere Leute, wenn sie denn überhaupt noch zu zweit sind, und richten sich immerzu neu ein, kaufen Bassetti Plaids und indische Vasen, vanillefarbene Couches und immer neue Lampen, installieren in einem ehemaligen Kinderzimmer einen begehbaren Kleiderschrank, ein Bügelzimmer in einem der Gästezimmer, stellen Schränke in alle Ecken, in denen dann mehr Tischdecken liegen, als ein durchschnittliches Restaurant im Gebrauch hat, und lauter Dekorationen für Ostern, Weihnachten, Herbst und Winter. Ein wenig melancholisch schaut das Ergebnis aus, wie es jeder Perfektion eigen ist: Irgendetwas fehlt, und man kann sich ordentlich vorstellen, wie eine ältere Dame im zitronengelben Cardigan mit sanft verhangenem Blick am Fenster sitzt, irgendeinen Roman, den das Feuilleton empfohlen hat, in der Hand oder eine Biographie, und ihren Gatten anschaut, der aus purer Gewohnheit auch Jahre nach der Pensionierung immer noch den Wirtschaftsteil der FAZ liest. Viel zu groß ist das Haus, und ab und zu überlegen sie, das Haus zu verkaufen, einfach wegzuziehen, ein Haus in Oberitalien zu kaufen oder in Asien, wo es warm ist, und eine kleines Haus noch einmal ganz neu einzurichten. Unterwegs sind sie ohnehin immerzu, als hätten sie Angst, in ihrem Haus allein zu sein, ganz so, wie ihre Kinder Angst hatten vor fast drei Jahrzehnten, wenn sie am Abend in die Stadt fuhren, die zehn Kilometer oder dreißig entfernt ist, so nah jedenfalls, um viel öfter zu fahren, als sie es tun und jemals getan haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollkommen angefüllt sind ihre Häuser mit den abgelegten Schalen ihres ganzen Lebens, die ersten Regale noch aus dem Studium im Keller, die Kiefereinrichtung aus den Siebzigern, als sie jung waren und die Kinder klein, ganz oben unterm Dach, und das Leben ihrer Eltern, Tanten, Großeltern ruht verpackt in viele Kisten im Keller. Das Silber freilich, das Meissner Porzellan, das hat seinen Platz gefunden im Erdgeschoss, die Dinge jedoch, an denen das Herz der längst verstorbenen Eltern hing, und über die sie schon zu Lebzeiten der Mutter gespöttelt hatten, weil das Geliebte die Liebe nicht immer zu  verdienen schien, wie es halt so geht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verkaufen konnte man die Dinge dann freilich doch nicht, weil die Mutter einmal so an den Weihnachtstellern gehangen hat, die Großmutter an den Nymphenburger Figurinen, die Schäferinnen darstellen oder einen verliebten Harlekin, weil irgendein vor Jahrzehnten verstorbener Onkel die Bowlenschüssel liebte, die ein Schiff darstellte. Die roten und blauen Römer, die Uhren und die Porzellanfiguren, die Szenen sehr bekannter Opern darstellen. Die Kristallschwäne und die Vasen mit großen roten Drachen, verpackt in viel Papier und aufgehoben für wen auch immer. Ein Band aus Glas und Porzellan zwischen ihnen und den Toten mag in den Kisten liegen, und die Keller sind groß genug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab und zu, eher selten, lassen sich die Kinder sehen, die weit weg ihr kellerloses Leben führen und viel zu oft umziehen. Vitrinen haben sie keine, kaufen kein geschliffenes Glas und kein Porzellan, und vielleicht werden sie eines Tages die Häuser ihrer Eltern verkaufen und die indischen Vasen dazu, den Inhalt der Kisten zum Flohmarkt tragen oder dem Auflöser überlassen. Vielleicht kaufen sie selber aber auch einmal ein Haus, dessen Keller voll sein wird, noch voller, denn die Familien werden kleiner und der Erbschaften mehr, und vielleicht werden auch jene Dinge, an denen das Herz ihrer Eltern hängt, die japanischen Schalen und die italienischen Alabastervasen, die Zeitungshalter von Manufactum und das toskanische Brotkörbchen, einmal in Kisten liegen, die man kopfschüttelnd behält, weil denen, die man liebte, diese Dinge einmal lieb waren und teuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht kommt alles anders, und es verschlingen unruhige Zeiten noch einmal die Kisten, das Glas, das Silber, den viel zu klobigen Schmuck der Großmutter und am Ende die Kinder dazu. &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2006-04-15T23:42:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/1677380/">
    <title>Die Grillplatte Akropolis</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/1677380/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Papa?, stieg ich über den gleichfalls schlafenden Hund und setzte mich auf die Bettkante neben meinen Vater. Mmmh, antwortete der mit geschlossenen Augen und langte auf dem Nachtschrank nach seiner Brille. Musst du nicht einkaufen?, zog ich die Vorhänge auf, bis das Zimmer im gleißenden Mittagslicht lag, die Tapete gescheckt von den Schatten der Blätter eines Baumes vorm Fenster, und mein Vater blinzelte erst mich an, dann in die Sonne, und sah auf die Uhr. Samstagmittag wars, 13.00 Uhr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warst du lange weg gestern abend?, fragte ich weiter, sprang auf die Decke, hörte mit halbem Ohr seinen verschlafenen Erzählungen über Freunde und Freundinnen zu, über Konzerte und Bars, und referierte die vorabendlichen Aussprüche des Babysitters, dessen Dummheit innerfamiliär geradezu sprichwörtlich war: Ein pausbackiges, rothaariges Mädchen, 16 oder 17 Jahre alt, das Lehrerin werden wollte, und es gewiss auch geworden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nicht, Prinzessin., röchelte mein Vater zurück und schleppte sich ins Bad. Aus der offenen Badezimmertür drang das Brummen der Zahnbürste, und ich saß ein wenig enttäuscht zwischen den Decken und Kissen: Der Samstagseinkauf mit einem Frankfurter Würstchen beim Metzger auf die Hand und Schokolade am Stiel bei Edeka mit der klaren Ansage, den Kauf auf keinen Fall meiner schon eher gesundheitsbewussten Mutter zu verraten, war offenbar an widrigen Umständen gescheitert. Nicht böse sein, Modeste., streichelte mein Vater mir auf dem Rückweg aus dem Bad über den Kopf. Gehen wir halt zum Griechen.  Die Welt war wieder in Ordnung. Versprochen ist versprochen!, nagelte ich meinen Vater auf seiner schlaftrunkenen Ansage fest, und zog wieder ab, um die größte Playmobilstadt aller Zeiten weiter auszubauen, umzubauen, und dann alles wieder abzureißen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich dachte, wir gehen zum Griechen?, bohrte ich nach, während mein Vater sich Müsli in einen Teller häufte, und sprang mit einem gewaltigen Satz auf die Küchenplatte, die mir so ungefähr bis zu den Schultern ging. Nun lass mich doch erst einmal frühstücken., kam es ein wenig gequält zurück, und nach einigen Stunden, begleitet von regelmäßigen Anfragen nach der genauen Zeit des Aufbruchs, rasierte sich mein Vater und suchte im ganzen Haus nach seinem Autoschlüssel. Mit einer über Jahre gestählten Gleichgültigkeit gegenüber abhandengekommenen Schlüsseln, dem genauen Aufenthaltsort von meines Vaters Portemonnaie und seinen anderen Habseligkeiten, saß meine Mutter mit meiner kleinen Schwester auf dem Schoß im Wohnzimmer und blätterte in der Zeitung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungefähr mit der Ansage: Seid ihr noch nicht angezogen?, tauchte mein Vater irgendwann aus jenen Untiefen wieder auf, in denen sich seine Schlüssel bis heute zu verbergen pflegen. Ich öffnete die Pforte zur Auffahrt, sprang auf den linken Rücksitz, und zehn Minuten später schloss mein Vater den Wagen auf dem Parkplatz des &quot;Akropolis&quot; wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es dem Betreiber des Restaurants Akropolis gelungen war, eine Baugenehmigung für die baulichen Veränderungen zu erhalten, mit denen er dem ursprünglich weißgekalkten Fachwerkbau ein eher hellenisches Aussehen zu verleihen suchte, mag der Teufel wissen: Rechts und links der Tür ragten zwei meterhohe, weiße, dorische Säulen empor und trugen ein gleichfalls weißes Vordach mit Götterstatuen obendrauf. Über jedem Fenster hatten die Betreiber einen Götterkopf angebracht, und in den Fenstern blinkten bunte Lampen in Plastikschläuchen, die sich wiederum um Götterstatuetten ringelten. Unter der Decke, aber das konnte man erst sehen, wenn man saß, hing ein Fischernetz mit lauter Plastikfischen drin, und große bemalte Amphoren lehnten in allen Ecken. An der Kopfseite des Schankraumes stand eine ungefähr lebensgroße nackte Person auf einer Art Füllhorn und schmiegte sich an eine Grotte, aus der Wasser in ein muschelförmiges Bassin plätscherte. Ich liebte das Akropolis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das Fräulein Modeste endlich auch wieder da?, der schmierigste Kellner der ganzen Stadt reichte auch mir eine eigene Karte, obwohl er genau hätte wissen können, dass die Kunst des Lesens sich mir noch nicht erschlossen hatte. Darf ich eine Cola?, fragte ich meine Mutter, die nur stumm den Kopf schüttelte. Einen Apfelsaft also. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal die Grillplatte Akropolis. Und einen Halben Roten mit zwei Gläsern bitte., orderte mein Vater, und der Kellner schrieb die immer gleiche Bestellung auf einen dieser schmalen Kellnerblöcke, auf denen oben der Name einer Brauerei aufgedruckt ist, und unten etwas die Werbewirkung Bekräftigendes stand wie Bierige Braukunst oder auch Herzhaft frisch und würzig. Auf dem Tisch warb ein Plastikaschenbecher für die Zigarettenmarke HB, und hinter den Fenstern zum See konnte man Ausflugsdampfer sehen, auf denen Familien hin und herfuhren, winkten und Kuchen aßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Grillplatte Akropolis wirklich so groß war, oder ob lediglich die Relation zwischen der beschränkten Größe einer fünfjährigen Person und der Fleischplatte den Eindruck übermäßiger Fülle erweckte, vermag ich nicht mehr zu sagen. Gleichwohl, groß war sie bestimmt, eine ovale weiße Bratenplatte, gefüllt mit Bergen von Gyros, Souvlakispieße waren drauf, alle möglichen gegrillten Fleischteile, Lammkoteletts und Hähnchenschnitzel, Unmengen Krautsalat mit ein paar versprengten Oliven dazu, Zaziki und Tomatenreis und Pommes Frites extra in einer Schüssel, auf deren Grund das schlangenstarrende Haupt der Medusa zu sehen war, näherte man sich dem Grund. Verzierungshalber lag an einer Seite der Grillplatte jeweils eine blütenförmig aufgeschnittene Tomate gefült mit hervorquellender Petersilie, wenn ich mich recht entsinne und die Dekoration nicht verwechsle mit jener, die das unweit gelegene, aber längt nicht so beliebte Restaurant &quot;Dubrovnik&quot; zu bieten hatte. Mindestens eine ganze rohe Zwiebel lag in Ringen über dem Ensemble.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob meine Eltern das &quot;Akropolis&quot; in der selben Weise schätzten, wie es bei mir der Fall war, mag ein klein wenig fragwürdig sein, gleichwohl, in schöner Regelmäßigkeit beschloss ich Mahlzeiten in Gesellschaft der gipsernen Göttern Griechenlands mit einer Portion Sahnejoghurt mit Honig und Nüssen, meine Eltern bekamen jeweils einen Ouzo, und wir bestiegen wieder den Wagen, den ein Jahr später, ein paar Tage vor meiner Einschulung, ein betrunkener Autofahrer auf dem Parkplatz von Peek &amp; Cloppenburg komplett demolieren würde, und ein paar Jahre später war auch das &quot;Akropolis&quot; nicht mehr da.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2006-03-10T00:41:01Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/1530523/">
    <title>Schwesterchen fährt in Urlaub</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/1530523/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Also zu meinem Geburtstag, hebt Schwesterchen an, bin ich ja gar nicht da. Wenn du mich besuchen willst, dann kommst du besser früher. Oder später. An meinem Geburtstag bin ich aber nicht da, aber du wärst ja sowieso nicht gekommen. Du kommst ja nie vorbei, und ich sage noch, komm mal vorbei  aber du kommst ja nicht. Wäre aber toll, wenn du vorbeikommst, aber nicht zu meinem Geburtstag. Wir fahren nämlich in Urlaub, nach Sri Lanka. Da war ich noch nie, also auf Sri Lanka, und der T.² auch nicht, und wir freuen uns total. Da hat er mich nämlich eingeladen, als Geburtstagsgeschenk, alles dabei  eine Woche fahren wir so durch die Gegend, Wagen mit Fahrer, weil wir uns ja nicht so auskennen da vor Ort. Der T.². der würde das bestimmt alles finden, der verfährt sich nämlich eigentlich nie, aber Fahrer ist natürlich besser, da ist es bestimmt nicht so gut ausgeschildert, kann man ja auch nicht verlangen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finde ich sowieso total bescheuert, diese Leute, die irgendwohin fahren, und dann wollen sie, dass das alles so ist wie hier. Ist es aber nicht, das finde ich aber gerade gut so. Dann weiß man wenigstens, dass man woanders ist. Und mit Fahrer sowieso kein Problem. Der weiß denn ja, wo alles ist und fährt einen hin. Eben. Und dann eine Woche am Meer, Hotelanlage, echter Luxus, aber alles total umweltverträglich, schafft ja auch Arbeitsplätze, so Tourismus, also da habe ich gar kein Problem. Gibt ja auch so Leute, die lehnen das ab, da halte ich aber gar nichts von, sollen die sich mal fragen, was so ein Rucksacktourist im Land lässt, das bringt die Leute ja nicht weiter. Der T.² gibt richtig Geld aus, da leben die ja von. Also die Leute vor Ort. Nicht so wie diese Travellertypen, obwohl ich das auch ziemlich gut finde. So auf eigene Faust. Würde ich auch machen, aber der T.² ist da nicht so für. Finde ich super, dass du das machst, richtig abenteuerlich finde ich das, aber ich will schon wissen, wo ich abends schlafe. Und der T.² auch. Eigentlich noch mehr als ich, aber der arbeitet so viel, da kann man das auch verstehen. Weiß ich aber, dass du das spießig findest. Finde ich aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo fährst du denn hin?  Sizilien hat mir ja nicht so - aber das lag am Hotel. Vietnam finde ich ja auch ganz super, da haben wir auch überlegt, aber dann hat der T.² hinter meinem Rücken einfach beim Reisebüro angerufen und einfach alles gebucht. Als Geschenk für mich. Ist wahnsinnig großzügig, was? So ist der aber. Nicht so wie der Freund von meiner Freundin K., der verdient supergut, aber zu Weihnachten, oder wenn sie mal Geburtstag hat, dann geht er hin und kauft ihr ein Buch. Oder eine CD, total geizig ist der. Wenn einer nichts hat, dann ist das eben so, aber wenn einer gut verdient, dann kann er auch, finde ich. Den sollte sie sowieso  aber das tut sie nicht. Die K. sieht aber auch nicht so gut aus. Muss man einfach ganz klar sehen, die K. ist eine wahnsinnig liebe Person, aber Männer sind da ja so - Frauen sind aber auch nicht besser. Meistens jedenfalls. Die K. aber schon, nur ihr Freund ist eine Flasche. Du glaubst gar nicht, was der ihr zu Weihnachten geschenkt hat, das war so unglaublich, das habe ich sofort wieder vergessen, aber selber kauft er sich Socken für 50 &#8364;, da schwört er nämlich drauf.  Kennst du die K. überhaupt? Nein? Gar nicht? Süße, du musst unbedingt mal herkommen, dann lernst du auch die K. mal kennen, und sie dich auch, der habe ich nämlich schon ganz viel über dich erzählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt müssen wir uns mal wieder richtig unterhalten. Jetzt musst du schon wieder los? Ich bin inzwischen ja auch mal ganz gern zu Hause, aber zu zweit ist das ja sowieso alles was anderes. Also allein würde ich auch immer ausgehen. Hat ja auch was, immer unterwegs. Wo gehst du denn hin? Kenne ich nicht, nicht mal vom Namen her. Ist es gut da? Ist bestimmt gut, so wie sich das anhört. - Also, lass uns demnächst mal wieder ausführlich sprechen. Und Grüße vom T.², der findet dich nämlich auch super. Deine Schwester sieht doch eigentlich auch richtig gut aus, hat der erst gestern gesagt. Heute ist er aber nicht da. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann dir noch einen schönen Abend. Und bis bald. Schön, mal wieder von dir zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwesterchen legt auf. &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-08T09:08:42Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/1420256/">
    <title>Nebraska</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/1420256/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Auf der Liste der Fähigkeiten, die man sich im Laufe seiner schulischen Ausbildung erwerben sollte, gehört zweifellos auch die Beherrschung der englischen Sprache, und so schicken Jahr für Jahr Tausende Eltern ihren Nachwuchs für ein Jahr in die englischsprachige Welt, um ihn sodann ansprechend polyglott zurückzuerhalten. Wie man weiß, gibt es dabei im wesentlichen zwei Möglichkeiten  das englische Internat und die amerikanische Gastfamilie  und beide Alternativen bringen ihre ganz eigenen Risiken mit sich. Mein lieber T. beispielsweise, dieser reizende und schon an und für sich eher leptosome Zeitgenosse, kehrte seinerzeit aus einem wirklich strengen englischen Institut um acht Kilo gegenüber dem Zustand bei seiner Ankunft abgemagert zurück und berichtete schaudernd von kalten Duschen und Mahlzeiten, die in jeder kontinentalen Justizvollzugsanstalt eine unverzügliche Rebellion ausgelöst hätten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass mein sowohl überaus unsportlicher als auch dem guten Essen zugeneigter kleiner Cousin sich nicht für die Internierung in einer englischen Erziehungsanstalt entscheiden würde, war vor diesem Hintergrund an und für sich nicht wirklich überraschend, und man entschied sich also für eine dieser Organisationen, die Jugendliche aus aller Welt in amerikanischen Familien unterbringen, um vor Ort den Besuch der lokalen High School zu ermöglichen. Umfangreiche Unterlagen wurden also an diese Organisation versandt, und längere Zeit, also ein paar Monate, hörte ich nichts von der ausländischen Plänen meines jugendlichen Verwandten, bis jener mich Monate später in einem Zustand eher gesteigerter Empörung anrief. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebraska!, stieß mein jugendlicher Verwandter hervor und dann noch irgendetwas Gotteslästerliches, was ziemlich schlecht zu verstehen war. Herzchen, beruhigte ich den Kleinen und bat um chronologische Darstellung der ebenso aufregenden wie ärgerlichen Ereignisse, die sich abgespielt haben mussten, um meinen eigentlich verhältnismäßig friedlichen Cousin zu derartigen Ausbrüchen zu bewegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Organisationen, die Schulkinder in fremde Länder transportieren, haben es ja so an sich, dass man sich die genaue Region der ziemlich großen Zielländer nicht einfach aussuchen kann, sondern, ähnlich wie bei der ZVS, zugewiesen wird. Alle seine Freunde, so berichtete mir der Kleine, hätten es dabei ganz gut getroffen, New Hampshire, Boston, Florida  und nur er, nur er müsse ein ganzes Jahr in Nebraska verbringen und weigere sich nach einiger Information über diese eher ländliche Region, den geplante Aufenthalt auch anzutreten. Kann ich gut verstehen., kommentierte ich, meine Tante allerdings zeigte für diese Weigerung aus irgendwelchen Gründen keinerlei Verständnis, und so hänge der Hausfrieden schon seit einiger Zeit vollkommen schief. Kann man da denn gar nichts mehr machen?, fragte ich, und schaute mir das ziemlich menschenleere Nebraska im Internet ein wenig an. Nebraska sieht langweilig aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum immer ich?, verzweifelte mein Vetter und beschrieb sein sechzehnjähriges Dasein als eine ziemlich eindrucksvolle Kette unerfreulicher Zufälle und unwahrscheinlicher, aber unglücklicher Umstände, die stets ihn und nie andere Leute träfen. Hmpf., sagte ich und hielt ansonsten wohlweislich den Mund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein lieber Cousin!, verkniff ich mir zu sagen: Wie meine umfangreiche Lebenserfahrung mich gelehrt hat, zerfällt die Menschheit in zwei ungefähr gleich große Teile: Der eine Teil hat es gut getroffen -  Wenn er verschläft, ist der Lehrer krank. Wenn er auf dem Weg zum Bahnhof im Stau steht, hat auch der ICE Verspätung. Wenn er sich verliebt, wartet das Objekt der warmen Empfindungen seit Monaten nur auf einen Anruf, um sich ihm in die Arme zu werfen. Wenn er einen Job sucht, wird in der Company seiner Träume gerade eine Stelle frei, und sein zukünftiger Vorgesetzter ist der Onkel seines besten Freundes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem anderen Teil verhält es sich sozusagen andersherum: Wenn er sich verliebt, liebt die Geliebte immer jemanden anders. Wenn er Klausuren schreibt, kommt immer dran, was er nicht gelernt hat. Und wenn er einmal im Leben schwarzfährt, kommen die Kontrolleure der BVG und nehmen ihn mit, weil er zufällig auch keinen Personalausweis dabei hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu dieser Gattung gehörst, mein geschätzter und bedauernswerter Cousin, offensichtlich auch du.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...sagte ich nicht und beendete das Gespräch mit den herzlichsten Beteuerungen meines Mitgefühls und dem Wunsch nach weiterer Information. &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2006-01-16T13:09:52Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/1316423/">
    <title>Das bodenlose Privatleben meines Cousins</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/1316423/</link>
    <description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Also, das ist so,, hebt Cousin L. an, und seufzt ein wenig in sein Chirashi-Don. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin also kaum in Berlin angekommen, da treffe ich die I. wieder. Die kennst du vielleicht, die war auf meinem dreißigsten Geburtstag. So eine Kleine, Hübsche, mit Grübchen und Locken.  Auf dem dreißigsten Geburtstag meines Cousins vor fast zehn Jahren waren indes Unmengen ziemlich hübscher Frauen, und an die I. kann ich mich durchaus nicht erinnern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die I., die hatte hier so einen Kerl, komischer Typ, nicht viel los damit, und dann, na, du kennst das ja.&quot;-Ich nicke ein wenig zerstreut, und versuche, ein Ikura Nigiri in den Mund zu bekommen, ohne den Lachsrogen zu verlieren. - Jetzt hat die I. den Kerl abgeschossen und ruft immerzu an. Ohne jede Übertreibung, wirklich immerzu. Jeden Tag. Ich mag schon gar nicht mehr rangehen.  Hast du dich vielleicht ein bißchen, tja, missverständlich ausgedrückt?, frage ich nach. Keine Ahnung. Nein, ich habe eigentlich gar nichts gesagt., schüttelt Cousin L. den Kopf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist natürlich ein bißchen blöd mit I.s Anrufen., fährt er fort. Kurze Zeit nach der Vertiefung der Bekanntschaft mit I. nämlich habe er eine Studentin kennengelernt, eine ganz reizende Person, blond und zart und verträumt, und die stetigen Anrufe der I. würden jene Studentin schon ein wenig, kaut mein Cousin, irritieren. Am Wochenende zum Beispiel, da habe die I. mindestens dreimal angerufen, und irgendwann habe die Studentin begonnen, nachzufragen, wer denn die Anruferin eigentlich sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bist du mit der Studentin zusammen?, frage ich den L., und ordere eine weitere Schale Tee. Ach was, nein., wehrt der ab. Eigentlich habe er sich sogar seiner Frau wieder ein wenig angenähert, sei das Wochenende zuvor nach Frankfurt gefahren, und habe sogar einen gemeinsamen Urlaub mit Kind geplant und gebucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hast du das den anderen Frauen erzählt?, hake ich nach. Ich bin doch nicht bescheuert., wehrt der L. ab, und erklärt, ernsthaften Diskussionen für den Rest seines Lebens aus dem Weg gehen zu wollen. Ich war zwei Jahre verheiratet, das reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieso warst du eigentlich wieder in Frankfurt?, wundere ich mich des vor wenigen Wochen geäußerten Vorsatzes eingedenk, die Restfamilie mindestens dieses Jahr nicht mehr aufzusuchen. Eigentlich wegen der T., der dummen Pute., erklärt mein Cousin und bestellt eine weitere Futo-Maki-Rolle. Kenne ich nicht., schüttele ich den Kopf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist so eine kleine Freundin von meiner Ex. Dumme Geschichte irgendwann letztes Jahr, und jetzt geht sie also los und erzählt meiner Ex die ganze Sache, und die ruft also erst mal an, schimpft und heult und macht mich völlig zur Sau, und sagt, ich dürfte die Kleine nicht mehr sehen. Und dann bin ich halt hingefahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich bist du eine ganz ekelhafte Erscheinung, weißt du das?, kommentiere ich die Enthüllungen meines Vetters. Der L. stöhnt auf. Dabei mache ich gar nichts. Ich laufe einfach ein bißchen herum, und ein, zwei, drei steht man vor einem unglaublichen Trümmerhaufen. Versteh  ich nicht, bei anderen Leuten geht das doch auch alles glatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von außen betrachtet aber sehr unterhaltsam., kommentiere ich. Darf ich drüber schreiben? &lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/stories/1058895/&quot;&gt;Klar, dann hassen die mich alle wieder.&lt;/a&gt;, nickt mein Cousin und legt die Stäbchen über seine Platte. &lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2005 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2005-12-22T20:29:36Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/1085719/">
    <title>Wenn die Götter uns bedenken</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/1085719/</link>
    <description>Die Zauberflöte?, sagt der J. und schüttelt den Kopf. Die habe man nun wirklich tausendmal gehört, alles andere, aber mit der Mozart´sche Märchenoper mit Prinz und Prinzessin, der bösen Königin der Nacht und dem gütigen Sarastro sei es nun einmal genug. Hast schon recht., sage ich, lese weiter im Programm, und einige mich mit dem geschätzten ehemaligen Gefährten auf Die Meistersinger von Nürnberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbei ist´s also mit Vogelmensch und Flötentönen. Damals aber..., denke ich, und lächele ein bißchen in meinen Wein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Malst du mich auch?, fragte ich meine Mutter, die vorm Spiegel stand und sich schminkte. Mit einem rosa Lippenstift malte sie mir zumindest den Mund, steckte mir die Haare hoch, im Nacken mit einer riesengroßen Schleife, passend zum Lieblingskleid, einem roten Kleidchen aus Taft mit einer passenden Tasche dazu, die die Glitzertasche hieß, weil der Verschluss mit ein paar Strassteinen besetzt war. Acht Jahre alt muss ich gewesen sein, der Klavierunterricht hatte die Musik noch nicht mit dem Odium vergeblicher Anstrengung bestrichen, und der Nikolaus hatte mir die Opernkarte nebst Fruchtschnitten, Honigkuchen und Bio-Bärchen in die Stiefel gesteckt. Auf dem Plattenteller meines ersten Plattenspielers drehte sich Die kleine Zauberflöte, extra für Kinder, aus den Boxen meines Vaters drang die Zauberflöte unter Karajan, mit Wilma Lipp als Königin der Nacht, und immer wieder hob mein Vater den Arm des Plattenspielers, um ein weiteres Mal ein Stück zurückzusetzen, auf das eine oder anderen Motiv hinzuweisen, die Dreizahl, den Fugenaufbau der Ouvertüre,  die Orchestrierung, sprang zurück in die Ouvertüre, erklärte Zuordnungen und Funktion der Harmonien, brachte eines Abends sogar ein Poster mit, auf dem ein Orchester zu sehen war, und ermahnte mich, in der Oper stillzusitzen und auf keinen Fall zu murren oder aufzustehen, denn dann dürfe ich nie wieder mit. Empört wies ich die Unterstellung zurück: Schwesterchen vielleicht, die sei noch zu klein und gerade erst eingeschult, ich aber ja schon in der dritten Klasse und daher ganz und gar imstande, stundenlang so ruhig dazusitzen wie ausgestopft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oh, das ist toll., drückte mich die beste Freundin meiner Mutter, bei der das beleidigte Schwesterchen übernachten sollte, und wünschte viel Spaß. Im Auto schärfte mein Vater mir nochmals äußerstes Stillschweigen ein, wies warnend auf den Ausschluss von der Veranstaltung hin, und ließ meine Mutter und mich vorm Portal aussteigen auf der Suche nach einem Parkplatz. Hell angestrahlt stand das Opernhaus, wunderschön war das Publikum angezogen, fand ich, und mit einer gewissen Enttäuschung sah ich den anderen Kindern zu, die an der Hand ihrer Eltern das Portal durchschritten: So erwachsen schien die Veranstaltung nicht zu sein, wie ich mir erhofft und erwartet hatte. Am Orchestergraben standen viele Kinder, denen Mutter oder Vater mit weitausholenden Bewegungen die Instrumente erklärte. Das Rascheln des Publikums, die leisen Unterhaltungen, das Treiben im Orchstergraben  mein Vater fürchtete ernsthaft für den reibungslosen Verlauf des Abends. Aufgeregt und wie ein Gummiball hin und her hüpfend lief ich von einer Seite zur anderen, war mit Mühe auf dem Klappsitz zu halten, und rutschte zudem stetig von dem Polster, das meine Eltern mitgebracht hatten, um eventuell anstehenden Sichtproblemen aus dem Weg zu gehen. Als es aber still wurde, als die Musik begann, als die Streicher einstimmten, versank die Welt und löste sich auf in einem Sprühregen aus Musik und Farben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manchmal, beim Einnehmen der Sitze,  in jenem Moment zwischen der Unruhe des Tages und der Ordnung und Harmonie der Musik, eingeklemmt zwischen dem mokanten Lächeln der Freunde, gefangen in der Überfütterung zweier Jahrzehnte, steigt jener Moment noch einmal auf: Ganz neu, ganz rein, bar der Flut von Eindrücken, Interpretationen, dem ironischen Lächeln derer, die zuviel gesehen und gehört haben, um in jener Begeisterung aufzugehen, die kein Tropfen schwarzes Wasser färbt, und ich beneide die Kinder im Kleidchen oder im Samtanzug mit Schleife um den Hals, die zum erstenmal unter den Linden sitzen, wenn die Musik aufsteigt und der Vorhang sich öffnet.</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2005 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2005-10-24T10:23:02Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/1058895/">
    <title>Die ganze Wahrheit</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/1058895/</link>
    <description>Süß schaut die Kleine aus., lobe ich das Erscheinungsbild meiner Nichte, und reiche Cousin L., dem Vater der Kleinen, die Bilder wieder über den Tisch. Geht so., meint dieser, und blinzelt müde in die Sonne über der Kastanienallee. Ist doch ein hübsches Kind., lege ich noch einmal nach, und lobe die dunklen Locken und grünen Augen der bald zweijährigen ziemlich pausbackigen Kleinen, die mit ihrer Mutter in Frankfurt am Main verblieben ist, nachdem Cousin L. nach knapp einjähriger Ehe erst die gemeinsame Wohnung, und dann Frankfurt verließ, um sich sodann in Berlin anzusiedeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Modeste,, unterbricht mein Cousin meine Lobreden auf die Nichte. ich interessiere mich nicht für Kinder, du interessierst dich nicht für Kinder  und jetzt reden wir über irgendwas anderes. Die meisten Leute, gebe ich ein wenig erstaunt meinem Cousin zu verstehen, seien geradezu vernarrt in den eigenen Nachwuchs, und sprächen über überhaupt nichts lieber als die eigenen Kinder. Stets hätte ich angenommen, dies sei geradezu naturgegeben und beruhe auf biologischen oder psychischen Mechanismen, die man als kinderloser Mensch schlechterdings nicht verstünde. Cousin L. schnaubt ein bißchen, schaut ein wenig gelangweilt über die Karte, und entscheidet sich schließlich für einen Kaffee, ein Frühstücksbier und ein Käsefrühstück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine liebe Cousine,, kommt es schließlich nach längerer Pause von der anderen Seite des Tisches, und Cousin L. beugt sich ein wenig nach vorn. Ich sei, so mein Cousin, einem bedauerlichen Irrtum aufgesessen. Mit dem Kinderhaben verhalte es sich vielmehr so: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Leute lieben sich. Man zieht zusammen, man versteht sich, und am Abend erzählt man sich gegenseitig den Verlauf des Tages, schimpft auf unfähige Professoren, macht sich über abstruse Veröffentlichungen im Rahmen der eher ausgefallenen Fachdisziplin lustig, der mein Vetter anhängt, und hat gemeinsam eine Menge Spaß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages aber, so fährt mein Cousin fort, und nimmt sein Käsefrühstück entgegen, ist die Dame des Hauses schwanger. Man müsse sein Arbeitszimmer räumen. Die Geliebte würde immer dicker und erzähle nur noch von Presswehen und Atemübungen, Hebammen und Holzwiegen, und immerzu riefe die Mutter des geliebten Wesens an. Berichte man selber von den Triumphen und Niederlagen des eigenen wissenschaftlichen wie privaten Lebens, so bekomme die Geliebte einen sonderbar abwesenden Gesichtsausdruck, und fange an, nachsichtig zu lächeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann dreht sich der ganze Alltag nur noch um das Kind. Alle Freunde fragen immerzu nach dem Stand der Schwangerschaft, man werde gezwungen, dem wirklich sehr widerwärtigen Geburtsvorgang beizuwohnen, und wenn dies überstanden sei, sei man mit Kind und Frau zusammengepfercht. Immerzu schreie das Kind, die Geliebte existiere quasi nicht mehr und spreche immerzu über das Kind, und schließlich sei man aus purer Sorge um die eigene Produktivität und Nachtruhe gezwungen, im Gästezimmer zu schlafen, weil man sonst morgens in einem Zustand sei, der nur als desolat bezeichnet werden könne. Die Geliebte fange an, sich zu vernachlässigen, zöge unglaubliche Sachen an, und bliebe überdies ein wenig  nun: füllig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das Kind gerade wolle, wisse man nie, und es brülle eigentlich immer. Schreiende Kinder seien noch nicht einmal hübsch, und wenn man einmal ausginge, einen Babysitter daheim, spräche die Kindsmutter die ganze Zeit nur über ihre Sorge, der Babysitter könne vielleicht weniger gut mit dem Kind umgehen als sie selbst. Der Umzug ins Gästezimmer werde zum Anlass unendlicher Streitigkeiten, man wohne schließlich zusammen mit einem schreienden Dämon und einer keifenden Megäre, und schließlich miete man sich in der WG einiger Bekannter ein Zimmer, um auch einmal ein bißchen für sich zu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ganz unschuldig initiierte Teilauszug werde zum weiteren Diskussionspunkt, irgendwann habe man keine Lust mehr, abends nach Hause zu kommen, und schlafe dann eben auch in dem angemieteten Zimmer. Weil man mit vierzig eine WG nicht mehr in derselben Weise schätzen würde, wie dies 15 Jahre früher der Fall sei, miete man bei günstiger Gelegenheit eine kleine Wohnung, die Freundin ginge daheim die Wände hoch und verharre in einem emotionalen Zustand, der nur als höchst unangenehm empfunden werden könnte, und um weiteren Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen, zöge man eben mit Sack und Pack aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sei er nun. Und von Kindern könne er nur energisch abraten.</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://modeste.twoday.net/topics/Familienalbum&quot;&gt;Familienalbum&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2005 Modeste</dc:rights>
    <dc:date>2005-10-14T12:24:32Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://modeste.twoday.net/stories/999752/">
    <title>Aus dem Leben meiner kleinen Schwester</title>
    <link>http://modeste.twoday.net/stories/999752/</link>
    <description>Hast du eigentlich schon einmal an Wimpern-Extensions gedacht? Ich war ja zuerst ganz begeistert, ich war schon fast auf dem Weg zu Douglas, aber dann habe ich mir gedacht, ich lass das, ich bin ja mehr so ein natürlicher Typ, und der T.²war sowieso dagegen. Ich weiß jetzt auch gar nicht, ob dir das steht, in der Vogue sieht ja immer alles toll aus, und du schminkst dich ja nicht einmal. Du könntest echt was aus dir machen, ich habe da auch mit Mama gesprochen, die findet das auch. Wenn eine hässlich ist  bitteschön! Aber wenn man gut aussieht, so an sich, und man macht dann nichts aus sich, das ist Sünde. Haben wir ja oft genug darüber gesprochen. - Hässliche Leute gibt´s genug, finde ich. Manchmal sieht man ja Frauen, da denkt man, wieso die nicht einfach zu Hause bleibt, hat ja eh keinen Sinn, aber das ist ja auch gemein, sowas darf man gar nicht denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der T.² findet dich aber auch ganz hübsch. Also du, der hat soviele Kollegen, richtig nette Jungs, alles bestens, aber ohne Frau, weil die nämlich soviel arbeiten müssen, der T.² kommt auch immer erst ganz spät heim, und glaub nicht, dass die schlecht aussehen. Also im Gegenteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nein? Die sind wirklich nett. Ich weiß nicht, was du gegen Berater hast, ich habe echt so genug von diesen verschlurften Typen, wenn ich so einen schon seh´. Der T.² findet aber auch, das ist Berlin, Kunst machen wollen und bis zum Hals im Dispo. Ich sehe das ja alles schon ein bißchen differenzierter, aber der T.², der sieht das so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, die Wohnung ist so eine Sache, der T.² muss so schrecklich viel arbeiten, im Urlaub ist ja alles liegengeblieben, und seine Kollegen, die kümmern sich um nichts, er macht alles alleine. Ich war aber heute in so einem Geschäft. Und dann noch in einem anderen. - Findest du Tapeten besser oder gemalte Wände? Man hat ja jetzt wieder Tapeten, aber ich habe mich noch nicht ganz wieder dran gewöhnt. Ich bin ja nicht so, heute dies  morgen das. Eine Badewanne habe ich auch ausgesucht, ich könnte ja nicht leben ohne Badewanne. Ich schick´ dir mal Photos, bis jetzt sieht man da aber bloß Baustelle, da wird nämlich noch gebaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich nehme ich den Hund mit  glaubst du, ich lasse den Hund einfach da? Du hast ja eine schöne Meinung von mir, wenn du denkst, ich bringe den Hund einfach ins Tierheim oder zur Mama. Eigentlich sind in dem Haus Tiere gar nicht erlaubt, aber da soll sich erst einmal einer beschweren, da kümmert sich der T.² schon drum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei Dir? Die Diss? Könnte ich gar nicht, so ein dickes Ding, da bin ich viel zu zappelig zu. Ich mache ja gern was mit Menschen. Und privat? Viel zu tun? Ach, du bist im Stress. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann lass uns doch demnächst nochmal telephonieren.</description>
    <dc:creator>Modeste</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2005 Modeste</dc:rights>
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