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Mittwoch, 3. Oktober 2012

Oktober, 3

Weil M. und M. irgendwo in Biesdorf grillen, gehen wir allein zum Frühstück. Warm ist es, nutzlos hängen die Jacken über dem Kinderwagen des F., und vor den Cafés sitzen die Nachbarn noch ganz ohne Decken über den Knien und lesen Zeitung. Schwer schon vor Spätsommer und vom Tod schon ganz benommen taumeln die Wespen über den Tischen.

Im Tous le jours frühstücken wir zwei Stunden lang. Der F. isst ein Gläschen leer, verlangt mehr und bekommt eine halbe Semmel in Stücken. "Schreib doch der I.", schlägt der J. vor, und dann brechen wir auf.

Quer durch den Prenzlberg laufen wir durch die Sonne. Am Kollwitzplatz vorbei, wo Leute noch Buffets essen, die ich für Touristen halte, aber man weiß ja nie. Früher haben wir immer Buffet gefrühstückt, erinnere ich den J., und dann zählen wir uns die Lieblingsbuffets auf aus den letzten zehn Jahren. Anastasia, sagt der J. Nolas, sage ich. Pappa e Ciccia sagen wir beide. Früher konnten wir mehr essen als heute, stellen wir fest, und dann laufen wir die Schönhauser herab.

Bei Zeit für Brot isst der J. eine Zimtschnecke. Das geht gerade, weil der F. nämlich schläft, und dann laufen wir so quer durch Mitte, vorbei am scheußlichen Dos Palillos, dann durch die Gipsstraße, so quer durch die Augusstraße und dann bis zum Pauly Saal. Hier waren wir noch nicht, bedauern wir, also mal abgesehen von einem Drink im Winter mit dem F. in der Manduca nach einer Vernissage.

So Höhe Weinbergspark antwortet dann die I. und wird in der Rykestraße getroffen. Ihr Kind schläft im Buggy. Vor Albrecht sitzen wir schließlich, es gibt Törtchen und Rhabarbersaftschorle, auch der R. ist eingetroffen und noch ein Paar mit zwei Kindern, und überglänzt von Sonne, umhüllt vom Air der letzten schönen Tage reden wir so dies und das, vom Urlaub vielleicht, von irgendwelchen Käufen, von unseren Eltern, von Kitas, und, ja, von Weihnachten reden wir auch.

Zu Hause gibt es irgendwann Gulasch. Ich koche nie weniger als drei Kilo Rindfleisch und friere dann ein. Zuzubereiten gibt es also eigentlich nichts. Im Bett liege ich deswegen, neben mir liegt der F. und spielt mit seiner Giraffe, und ich lese Bolaño.

Draußen ist es schon dunkel.

Sonntag, 10. Juni 2012

09.06.2012

Jahrelang eröffnete mein Vater Telephonate mit den Worten "Gibt's dich auch noch.", um so dezent anzudeuten, dass man vielleicht etwas öfter anrufen könnte. Inzwischen fragt er meistens direkt und umschweifelos "Was macht der Kleine?". Gestern aber, weil unsere Haustürklingel kaputt ist und er zehn Minuten auf der Straße vor der Tür stehen musste, waren seine ersten Worte "Ihr seid ja doch zu Hause!". Dann lud er die mitgebrachten Geschenke ab und verlangte Kaffee. Im Anschluss griffen meine Mutter und er nach Kind F. und ließen es bis zum Abend nicht mehr los.

"Ihr wollt nicht zufällig den Kleinen einfach hier lassen, wenn ihr fahrt?", fragte mein Vate irgendwann zwischen Eis und Erdbeertorte und hob das jauchzende Kind F. hoch über seinen Kopf. Ich schüttelte den Kopf. "Schade.", meinte mein Vater und ließ sich erklären, wo sich bei uns der Sicherungskasten befindet und wo die M 4 abfährt, denn eine der fünf Wochen unserer Abwesenheit werden meine Eltern in unserer Wohnung weilen. Die anderen vier Wochen wird die Wohnung von den Eltern des J. und anderen Verwandten bewohnt.

"Habt ihr schon gepackt?", fragt meine Mutter etwas später, obwohl die Abreise noch mehr als eine Woche in der Zukunft liegt, und ich verneine. Wir haben gar nichts. Wir haben Pässe und diese elektronischen Visa, die man jetzt braucht, wenn man in die USA reist, und ansonsten kaufen wir alles, was wir vergessen, da. Vergessen werden wir vorhersehbarerweise eine ganze Menge, denn wir werden nicht vor Sonntag abend packen, und Montag geht es dann los.

Ich freue mich. Ich freue mich sehr.

(Abends bei der M. und dem M. ein total langweiliges Fußballspiel gesehen. Pizza gegessen. Zwei alkoholfreie Bier, recht früh daheim und im Bett die Autobiographie von Fritz J. Raddatz weiter gelesen, gleichermaßen peinigend und amüsant.)



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