Sonntag, 1. April 2007

Die Operation

I.

Kurz vor dem Einschlafen die präzise Vorstellung eines Überfalls. Drei Männer mit pastellgrünen Handschuhen drängen mich in die rechte, hintere Ecke einer Bushaltestelle aus Plexiglas. Einer der Männer legt meinen Bauch frei und desinfiziert die Haut mit einem alkoholischen Spray. Ein anderer holt aus dem Kofferraum eines abgewrackten, dunkelblauen Golf eine Vorrichtung, die einer Autobatterie nicht unähnlich sieht. Lange Schläuche aus mattem, erdbeerfarbenen Gummi hängen von den beiden Querseiten des Geräts nach unten und schleifen über die Gehsteigplatten nach. Leiser Ärger, wozu die Desinfektion dient, wenn dann doch im Umgang mit Schmutz und Keimen eine gefährliche Lässigkeit waltet.

Der dritte Mann tritt näher, zückt ein Messer, schneidet mir mit einer einzigen, beiläufigen Bewegung den Bauch auf, ungefähr eine Handbreit über dem Nabel, und schiebt einen der Schläuche schmatzend in die unappetitliche Masse aus Blut und gelbem talgartigem Fett.

„Nicht bewegen.“, ermahnt er mich und gibt einem der anderen ein Zeichen. „Jetzt?“, fragt der und schiebt ein paar verdächtig selbstgemacht anmutende Schalter nach oben. Auf der Vorderseite des Geräts fängt es an zu blinken, gurgelnd saugt der Schlauch in meinem Bauch und reißt ganze Stücke Talg und schlabberiges, glitschiges Fett durch das Gummi in das vor Anstrengung krachende Gerät.

Nach wenigen Minuten ziehen die Männer den Schlauch aus der Wunde und laufen hastig davon. Zitternd, ein Heftpflaster in der Hand, bleibe ich an der Bushaltestelle stehen, halte mir den Bauch und versuche, mit meinem T-Shirt das restliche Blut von den Rändern der Wunde wegzuwischen.

II.


Nach kurzem, kopfschüttelnden Erwachen erneutes Versinken. Wieder an derselben Bushaltestelle, derselbe blaue Golf, eine weitere Operation mit nunmehr jedoch wesentlich verfeinerter Technik. „Narbenfreier Kreuzschnitt!“, preist der Schlauchhalter mir an, der ohnehin der Gesprächigste des ansonsten verdächtig schweigsamen Trios zu sein scheint. Tatsächlich erfolgt die Bauchöffnung diesmal reibungslos, auch tritt kaum Blut an den Rändern des Schlauchs vorbei aus. Mein T-Shirt bleibt trocken, auch die schmatzenden Geräusche sind diesmal leiser. Kaum mehr vernehmlich füllt sich das Gerät. - „Bis bald.“, klopft der Gesprächige der Drei mir am Ende freundlich blinzelnd auf die Schulter.

III.


Erneutes Erwachen mit einer gewissen Befriedigung über den Fortschritt der Technik. Mit dem rechten Zeigefinger den kreuzweisen Schnitt auf der Bauchdecke nachgezeichnet, im Anschluss hervorragend geschlafen.



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