Liebe Freunde

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Das Geschenk

"Zum Beispiel einen Frühstücksgutschein!", sage ich und überlege, ob die einschlägigen Hotels mit bekannt guten Brunches wohl Gutscheine verschicken. Zum Abholen komme ich jedenfalls vermutlich nicht mehr. Außerdem müsste ich dann raus und würde erfrieren.

"Gutscheine sind blöd.", kommentiert die A. und spricht über lauter tolle Hochzeitsgeschenke, die ich am Donnerstag wohl kaum mehr bekommen werde, wenn die Hochzeit Samstag stattfindet. Nein, ich verschenke im Oktober keinen Picknickkorb. Nein, ich kaufe auch keinen Sektkühler, wenn ich weder ihn noch sie jemals Sekt habe trinken sehen.

Wenn ich einen Gutschein verschenke, dann muss ich zumindest etwas Originelles beifügen, höre ich. Sie zum Beispiel - im Hintergrund rasselt es - habe vom O. einen Gutschein für einen Day Spa bekommen, und auf dem dazugehörigen selbstgedrehten Video habe sich der O. mitsamt zwei hübscher Freunde ganz und gar ausgezogen und dazu getanzt. Ich schaudere. Ich sehe schon angezogen komisch aus. - Ohne etwas Originelles dazu, sagt die A., sei ein Gutschein aber ganz und gar nicht zu vertreten. Ich verwerfe also den Gedanken.

Nun folgen Vorschläge Schlag auf Schlag.

Ein Badethermometer.
Das Paar hat keine Wanne.
Ein Austernmesser.
Er isst schon keinen Fisch.
Ein Riesenkorkenzieher.
Haben die beiden, glaube ich.
Eine Jahreskarte für den Zoo.
Er ist so gut wie nie zu Hause.

Dann wisse sie auch nicht weiter, seufzt die A. "Was kaufst du, wenn dir nichts einfällt?", frage ich. Es wird still in der Leitung.

"Einen Trüffel.", antwortet die A. irgendwann. Größe je nach Bedarf. Ich bin ratlos.

Montag, 3. August 2009

Hauptrolle

Sie habe sich das, sagt ihre Mutter, ausgedacht, erzählt sie und schüttelt den Kopf. Dabei sei alles wahr. Die Schulaufführung immerhin streitet ihre Mutter nicht ab. Es sei ein Stück gewesen, dass eine Lehrerin geschrieben habe. Es habe in der großen Stadt im Rheinland gespielt, in der sie aufgewachsen ist, und es habe so viele Rollen gegeben, wie Kinder in der Theater-AG gewesen seien, also zehn oder zwölf. Von diesen Kindern sei sie eins der jüngeren Mädchen gewesen und ein bißchen mollig. Es gebe wenig Photos aus diesen Jahren. In Berlin habe sie nur eins. Blond sei sie damals gewesen, pausbackig und nur so mittelhübsch. Sie sei ziemlich groß gewesen für ihr Alter, etwas unglücklich darüber und stets ein wenig eckig und unbeholfen, wie das so ist, wenn man 13 ist und sich nicht recht wohl fühlt in der noch neuen Haut eines Halberwachsenen.

An ihrer Mutter lag das nicht. Ihre Mutter habe sie stets hübsch angezogen und immer gern für sie eingekauft. Manchmal habe ihre Mutter sie geschminkt, frisiert, geföhnt und ihr immer eingeschärft, sich nicht gehen zu lassen. Ihre Mutter sei selbst keine schöne Frau, aber sehr gepflegt. Bisweilen habe sie ihre Mutter gefürchtet, damals, wegen ihrer Ausbrüche und ihren Migränen, in denen sie ihren Bruder, mehr noch aber sie selbst, attackiert habe, beschimpft und einmal sogar geschlagen. Auch das, sagt ihre Mutter heute, sei aber gar nicht wahr.

Als sie nach Hause kam und von dem Theaterstück erzählte, habe ihre Mutter sofort nach der Hauptrolle gefragt. Es gebe zwei Hauptrollen für Mädchen, erzählte sie ihrer Mutter. Sie müsse eine der Hauptrollen spielen, beschloss die Mutter und machte sich Gedanken über das Kostüm. Nebenrollen kämen für ihre Tochter nicht in Frage, beschloss die Mutter und dachte darüber nach, was sie der Leiterin sagen solle, damit sie ihr die Hauptrolle gab. Es hänge nur von ihr ab, schärfte ihr die Mutter ein.

Zur nächsten Theater-AG ging sie mit Bauchschmerzen. Dass sie eine der Hauptrollen erhalten würde, war unwahrscheinlich. Es gab in der AG sehr begabte Mädchen, die auch noch hübsch waren, und dass diese Mädchen eher als sie die Rolle erhalten würden, lag auf der Hand. Tatsächlich sollte sie eine Kioskverkäuferin spielen. Ihr Magen zog sich zusammen und sie musste weinen, als sie das hörte. Die Lehrerin tröstete sie, aber umstimmen ließ sie sich nicht.

Als ihre Mutter fragte, sagte sie die Wahrheit. Ihre Mutter wurde böse. Was genau ihre Mutter damals gesagt hat, habe sie nicht behalten, nur den Tonfall wisse sie noch. So ein böses Zischen. Sie solle noch einmal mit ihrer Lehrerin sprechen, befahl die Mutter und etwas bestimmter auftreten. Sie sei zu schüchtern und lasse sich dominieren. Gleich morgen früh müsse sie mit der Lehrerin sprechen. Als sie am nächsten Tag nach Hause kam, fragte ihre Mutter noch in der Tür nach. Sie aber habe an diesem Tag nicht mehr streiten gewollt und nicht, dass ihre Mutter wieder schimpfte. Sie habe Angst gehabt, den ganzen Tag Beklemmungen wegen der Hauptrolle, und deswegen habe sie einfach ja gesagt: Ja, sie habe die Rolle. Ihre Mutter habe darauf zufrieden gewirkt und von ihr abgelassen. In den nächsten Wochen habe ihre Mutter die Hauptrolle abgefragt. Sie habe die ganze Hauptrolle auswendig gewusst, und natürlich die Kioskverkäuferin, die sie tatsächlich spielen würde. Die lernte sie heimlich. Zum Schulfest dann sollte das Stück aufgeführt werden.

Zuerst habe sie gedacht, sie würde einfach krank. Warum sie das nicht umgesetzt habe, wisse sie selbst nicht mehr, denn tatsächlich habe sie sich krank gefühlt, fiebrig und zittrig, Magenschmerzen habe sie bekommen, und sich fast täglich übergeben vor Angst. Ihre Mutter aber habe ihr ein Kostüm genäht, und jedesmal, wenn sie es anprobiert habe, habe sie vor Angst geschwitzt. Ein- oder zweimal habe sie vorm Lehrerzimmer auf die Leiterin der AG gewartet, um sich auszusprechen, aber auch das habe sie nicht getan. Schließlich war es zu spät.

Als die Aula sich füllte, habe sie in den Kulissen gesessen. Niemand habe sich um sie gekümmert, alle seien mit sich beschäftigt gewesen, und so saß sie noch da, als der Vorhang sich öffnete. Ihre Mutter saß in der dritten oder vierten Reihe. Sie habe sie genau gesehen, die ganze Zeit.

Sie habe gar nicht schlecht gespielt, sagte ihr die Leiterin später. Auch sie habe ihren Applaus bekommen, wie man die Nebenrollen eben beklatscht bei einer Schulaufführung, und dass sie schweißnass gewesen sei, als der Vorhang sich schloss, hatte niemand verwundert. Ganz allein saß sie nach der Aufführung im Chorraum hinter der Bühne und zählte die Sekunden, bis es nicht mehr aufzuschieben sein würde, hinauszugehen. Schließlich verließ sie den Raum, verließ die Schule, und setzte sich in eine S-Bahn, die eben fuhr. Stundenlang sei sie so durch die Gegend gefahren. Abends saß sie an einer S-Bahnstation, ließ den letzten Zug ohne sie die Türen schließen, und lief zu Fuß nach Hause, bestimmt 15 Kilometer oder mehr. Sehr spät in der Nacht sei sie angekommen. Ihr Bruder öffnete die Tür.

Ihr Bruder wusste nichts von der ganzen Geschichte. Ihre Mutter hatte also nichts erzählt. Aufatmend legte sie sich zu Bett und schlief. Am nächsten Morgen kam sie bebend vor Angst zum Frühstück. Ihre Mutter aber verlor kein Wort über die Aufführung, nichts über die Hauptrolle, und dass sie nur mit dem Bruder, nicht mit ihr, sprach, wertete sie eher als Vorteil. Bestimmt eine Woche oder so habe ihre Mutter damals nicht mit ihr gesprochen. Dann, eines Morgens einfach so, habe die Mutter wieder ganz normal kommuniziert, zumindest für ihre Verhältnisse, und über den Vorfall sei nie wieder ein Wort verloren worden. Zur nächsten Schulaufführung kam ihre Mutter allerdings nicht (sie spielte eine Busfahrerin), und als sie tatsächlich einmal die Hauptrolle spielte, zehn Jahre später an einer Unibühne, behielt sie den Termin für sich. Mit ihrer Mutter habe sie damals ohnehin wenig Kontakt gehalten.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Wandern

Ich glaube, wie waren im Harz. In unserer Jugendherberge hingen überall Brockenhexen herum. In den Zimmern musste man zu sechst schlafen, und mir gegenüber schlief ausgerechnet die D., die ich nicht leiden konnte, weil sie strohdumm war und trotzdem beliebt. Morgens musste man früh aufstehen, ich glaube, um sieben, und im Speisesaal, der natürlich auch voller Brockenhexen hing, an langen Tischen Früchtetee und schlechtes Brot frühstücken, zu dem es Margarine und Marmelade gab und Teewurst, vor der es mir grauste.

Jeden Tag mussten zwei andere Schüler Küchendienst leisten und abends die große Spülmaschine ausräumen. Immerhin entging man so der Deutschlehrerin Frau Dr. F., die nach dem Abendessen eine halbe Stunde vorlas, und zwar mit großer Treffsicherheit etwas komplett Ödes. Frau Dr. F. besaß das absolute Gehör für miese Bücher.

Nachts versuchten (wir waren dreizehn oder so) immer irgendwelche Jungen, ins Mädchenzimmer zu kommen, aber weil ohnehin alle Besucher für dieselben Mädchen kamen, zu denen ich nicht gehörte, stellte ich mich schlafend, wenn es nachts gewaltig gegen die Tür donnerte. Eins der begehrten Mädchen machte dann meistens auf. Irgendwie hatten sich ein paar der Besucher Obstwein verschafft, der ging dann herum. Neben uns schlief Frau Dr. F. und tat so, als würde sie das alles gar nicht mitbekommen. Wahrscheinlich las sie in ihren unverdaulichen Büchern, während meine Freundin S. das erste Mal geküsst wurde, um mir später zu erzählen, Jungen würden sich kalt und feucht anfühlen, nicht unähnlich kleinen Hunden.

Den ganzen Tag mussten wir wandern. Jeder sollte jeden Morgen einen Rucksack mit Brot und Wasser füllen, und dann liefen wir den ganzen Tag hinter Frau Dr. F. und dem Wanderführer her. Rechts waren Bäume, links waren Bäume, in der Mitte war ein relativ breiter, festgetretener Sandweg, und den liefen wir auf und ab. Landschaft sah man eigentlich keine. Ab und zu war irgendwo ein See. Zum Baden allerdings war es zu kalt. Nach fünf Tagen fuhr die ganze Klasse, nicht zuletzt Frau Dr. F., aufatmend wieder nach Hause, aß, was ihr schmeckte, schlief allein (auch Frau Dr. F.), und wanderte nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Ungefähr zwanzig Jahre lang bin ich nie länger als vielleicht so zwei Stunden am Stück zu Fuß gegangen.

Am Samstag aber wird sich das ändern. Die C. hat mich überredet. Wir fahren mit der J. und einem Drei-Personen-Gruppenticket nach Pirna, wandern zwei Tage durch die sächsische Schweiz und übernachten in einem Hotel an der Elbe, das zwar nicht nach Margarine aussieht, auch nicht nach Brockenhexen und Spülmaschinenausräumpflicht für Gäste, aber geküsst wird wohl keiner, nicht einmal von kleinen Hunden, und erst recht nicht .... aber lassen wir das.

Sonntag, 19. Juli 2009

Wo die Welse wohnen

Klar und grün funkelt der See zwischen den Bäumen, und mit den Wolken zieht ein kühler Hauch von der Stadt Richtung Süden. Mit den Füßen im Wasser sitze ich hinten im Boot, lasse mir Sekt von Frau Casino reichen, packe Sandwiches aus, greife in Frau Wortschnittchens Chipstüte und stoße mit Herrn Lucky im Nachbarboot an. Gut sieht er aus, frisch erblondet, schmaler im Gesicht als noch vor Monaten, und mir gegenüber, im dritten Boot, sitzt Herr Glam, schön wie immer, isst Obst und trinkt Wein.

Es gebe hier Welse, höre ich und blinzele in die seltene Sonne. Riesige Fische stelle ich mir vor, bemoost und alt, dicklippig, mächtig und böse, und sehe die Welse am Grunde des Sees zwischen Steinen und Schlick sich finster verschwören. Ganz genau kann ich mir die Welsworte vorstellen, kehlig und tief und mehr ein Knurren als das gläserne, silbrige Glucksen anderer Fische.

In unserem Boot aber sind die Welse weit weg. Ich esse ein bißchen mehr, als ich eigentlich wollte, trinke über den Nachmittag verteilt bestimmt eine ganze Flasche Sekt, lache, erzähle Dummheiten, wie es sich für eine angetrunkene Frau gehört, und bedaure ein wenig, dass gestern meine Pediküre keine Zeit für mich hatte, und nun sehen meine Fußnägel aus, nun ja, eben wie selbst lackiert. Ich kann das nicht so richtig gut.

Unter uns aber haben die Welse ihre Verschwörung besiegelt. Bestimmt opfern die Welse nun wehrlose, kleinere Fische, Krebstiere vielleicht, vielleicht auch (oh, Agamemnon) der Welse jüngere Töchter, und verteilen vorm Raubzug Blut und schleimige Därme auf gutes Gelingen im See. Mag sein, dass die Welse nun rüsten, Schlachtpläne hecken, und die Beute verteilen, die erlegt werden soll, und noch nichts davon weiß.

Auf dem Boot, hoch über den Welsen, ziehe ich derweil meine Jeans aus. Aus verschiedenen Gründen trage ich bekanntlich keine Bikinis, sondern einen körperverhüllenden schwarzen Badeanzug, und fühle mich wie immer, wenn es zum Baden geht, einen Moment lang sehr nackt und sehr fett und irgendwie quallig. Dann geht es wieder mit mir und ich springe ins Wasser. Der See ist recht kalt.

Unter mir strömen die Welse zusammen. Die ersten fletschen freudig die schleimigen Kiefer. Der Feldherr regiert mit den Flossen die Truppen. Barteln zittern auf den Kiefern der Streiter, Schlachtrufe werden geknarzt, und die Kompanie steigt nach oben. Mit geschlossenen Augen spüre ich die Welse sich nähern. Mit ausgestreckten Füßen, das weiß ich, könnte ich die Welse berühren, und lege mich flach auf das Wasser, damit das nicht passiert.

Auch die anderen schwimmen rund um die Boote. Rechts von mir zieht Frau Casino weitere Kreise. Frau Wortschnittchen und die Herren Lucky und Glam schwimmen direkt über den Welsen, zum Greifen nah über den Rücken der Fische, und doch ein Stück, ein Hauch, eine Handbreit zu hoch. Die Welse schnappen und toben.

Nicht lange jedoch währt der Kampfgeist der Welse. Nach und nach sinken die Streiter ermattet nach unten, knurren vor Ärger, graben sich ein in den Schlamm und geben einander die Schuld. Der Feldherr, hört man, habe sein Amt aufgeben müssen. Die Opfer waren umsonst. Ohnmächtig sehen die Welse nun zu, wie der See sich leert von Armen, Körpern und Beinen, und nur der Schatten der Boote sich langsam, im Zickzack, nach Westen entfernt.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Lorelei und Friedrichshain

Die kleine Schwester der H. sieht richtig gut aus. Wie die H. ist sie bestimmt 1,80 groß, sehr, sehr schlank, aber anders als die H. investiert sie dermaßen viel Zeit in ihr Aussehen, dass sie nicht nur ganz gut, sondern so phantastisch schön aussieht, dass allein ihr Herumgehen in Friedrichshain letzte Woche ausgereicht haben soll, einen jungen Mann ins Verderben zu reißen.

Man muss sich also die kleine Schwester vorstellen, wie sie irgendwo am Boxhagener Platz von der Bahn zu einer Verabredung geht. Rundherum ist alles so ein bißchen räudig, lauter Bars mit billigen, bunten Getränken zu Absturzpreisen, und die Jugend aller fünf Kontinente feiert den Sommer, die Ferien und die Sorglosigkeit vor dem 20. Geburtstag mit viel, viel Alkohol und noch mehr Lärm. Die meisten jungen Mädchen dort rund um die Simon-Dach-Straße herum kommen aus England oder Australien und sind ein bißchen zu dick und ein wenig zu ausgezogen, als dass man diesen Umstand übersehen könnte, und es mag sein, dass es der Kontrast zwischen jenen und der kleinen Schwester war, der das gute Aussehen der Schwester noch ein wenig vorteilhafter herausgestellt hat. Vielleicht war es auch die einbrechende Dunkelheit, die sinnenverwirrende Hitze zwischen den Häusern, mag auch sein, es habe der junge Mann auch schon ein wenig getrunken, jedenfalls kam er auf dem Fahrrad angefahren, starrte die kleine Schwester an und verlangsamte sogar ein bißchen. Ein wenig geniert (sagt sie) sah die kleine Schwester weg.

Für einen Moment verdeckte die Straßenbahn die kleine Schwester der H. Möglicherweise hielt der junge Mann in diesem Moment an, das weiß man nicht genau. Jedenfalls war er, dabei ist die Berliner Tram nicht schnell, noch auf gleicher Höhe, als die Straßenbahn vorüberfuhr und den Blick wieder freigab auf die andere Seite der Straße, die kleine Schwester und ihr gutes Aussehen. Noch immer, oder vielmehr erneut, starrte der junge Mann sie an. Immerhin kam er der kleinen Schwester nicht hinterher, sondern fuhr weiter, weiter, und schließlich vorbei.

Die kleine Schwester verlangsamte. Es ist nicht lustig auf zehn Zentimetern Absatz herumzugehen, nach einigen Minuten schmerzen die Ballen, die Riemchen schneiden ins Fleisch, und dann muss man sehr zurückhaltend auftreten, sonst tut man sich weh. Die kleine Schwester schlich also ein paar Meter vorsichtig die Straße entlang. Mit der einen Hand grub sie in ihrer Tasche nach ihrem Telephon, mit der anderen hielt sie die Tasche geöffnet, und weil sie auch in die Tasche schaute, denn vielleicht war das Telephon ja besser zu sehen als zu ertasten, sah sie nicht hin, als es plötzlich knallte. Der junge Mann war in die Straßenbahnschienen gefahren. Dann war er umgekippt.

Die kleine Schwester zögerte nur ganz kurz, bevor sie loslief. Zum einen kann man auf Sandaletten nicht richtig laufen, zum anderen meidet man möglicherweise Irrsinnige selbst dann lieber, wenn sie Unfälle haben und auf der Straße herumliegen. Die kleine Schwester aber ist gutmütig, überquerte die Straße und half erst dem jungen Mann und dann seinem Rad auf. Der junge Mann stand also neben ihr, klopfte seine Jeans ab, griff nach seinem leicht lädierten Rad, bedankte sich, stotterte ein bißchen und fuhr wieder los. Einige Meter später jedoch wurde er langsamer, kehrte um und hielt erst vor der kleinen Schwester wieder an. Ob sie ...?, fragte er. Ob nicht. Oder ob? - Denn ein wenig peinlich war ihm das Ganze wohl schon.

Außerordentlich schön sei die kleine Schwester, erläuterte er seinen Vorstoß. Umgedreht habe er sich nach ihr, denn so schön seien regelmäßig keine Leute, die öffentlich auf Straßen herumgehen, und so sei er, das habe sie ja gesehen, beim Schauen des Weges verlustig gegangen, denn auf eins nur könne man achten, auf die Straße oder eine schöne Frau, und so hätten nun er und sein Rad jeder einen kleinen Schaden davongetragen. Kleine Schäden aber ziehe man sich nicht umsonst zu, mit kleinen Schäden bezwecke das Universum meist etwas, und in diesem konkreten Fall sei der kleine Schaden doch in offensichtlicher Weise zur Kontakaufnahme bestimmt gewesen, denn andernfalls wäre er längst jenseits der Frankfurter Allee und die schöne Schwester an einem ebenfalls anderen Ort. Dem Universum aber dürfe man sich nicht widersetzen, und so sei die Bekanntschaft fortzusetzen. Da aber schöne Frauen sich nicht auf der Straße mit wildfremden Leuten zu verabreden pflegen, sondern ein wenig Bedenkzeit benötigten, schreibe er seine Telephonnummer auf. Dann werde er warten.

"Und?", frage ich die H. und bestelle noch ein Glas Ombrino. - Sie habe ihn wirklich angerufen, erfahre ich. Man sei verabredet auf Dienstag in der Mensa. "Dann hat er ja Glück gehabt.", kommentiert der Dritte am Tisch den Bericht. "Kommt ganz darauf an.", schüttelt die H. den Kopf und lacht. Ihre Schwester sei - mehr wolle sie dazu nicht sagen - ein wenig schwierig.

Montag, 13. Juli 2009

Montagmittag

Meine Verabredung verpasst eine Bahn und lässt auf sich warten. Zehn Minuten werde es noch dauern, erfahre ich per SMS. Unter Bäumen, an der Hauswand geschützt vor kühler Luft, blättere ich ein wenig in der Zeitung, amüsiere mich über den anlaufenden Wahlkampf, überdenke meine Speisewahl dreimal hin und her, bis ich wieder beim Hühnchen bin, und trinke Tee.

Rund um mich herum wird das Wochenende ausführlich besprochen. Eine große, blonde Frau, vielleicht 25 und so dünn, wie ich so gern wäre, redet schräg vor mir einer kleinen, rundlichen Hübschen mit Grübchen und schwarzen Augen einen Mann aus. Der sei doch unf***bar, erfahre ich, und habe zudem weder Geld noch Geschmack. Die Kleine schaut ein wenig betrübt in ihr Essen. Vermutlich stapeln sich bei ihr zuhause nicht gerade die attraktiven Angebote, so dass es doppelt schade ist, wenn das, was kommt, sich in befreundeten Augen wenig ansehnlich ausnimmt.

Neben mir dagegen geht es erst um ein Konzert und dann um Peer Steinbrück. Die beiden Männer, die sich über eine Band unterhalten, die ich nicht kenne, scheinen einen Sonnebrillencontest auszufechten, bei dem es darum geht, dass der mit der größten sonnbrillenverdeckten Fläche bezogen auf das Gesamtgesicht gewinnt. Elementar, höre ich, sei die Band und das Konzert, das jene am Samstag gegeben habe. Die Parteifreunde des amtierenden Finanzministers dagegen seien - ich horche auf - Hosenscheißer, wie der Mann mit der Gewinnerbrille dem anderen mitteilt. Als das Gespräch sich dem Fußball zuwendet, verliere ich das Interesse.

Vom Tisch mir gegenüber höre ich nur Fetzen. Hier sitzen drei Frauen, erzählen sich etwas halb hinter vorgehaltener Hand und lachen ab und zu plötzlich ziemlich laut, um dann alle auf einmal wieder zu verstummen. Cremig, verstehe ich erst und dann einige Sekunden später Stachelbart. Einen konkreten Anlass zur Heiterkeit scheint es aber gar nicht zu brauchen, denn als der Kellner kommt und den drei Frauen Essen bringt, brüllen alle drei (fast identisch gekleidet mit Tuniken, bunten Leggings, Riesentüchern und Sonnenbrillen) synchron los, während der Kellner die einzelnen beladenen Teller auf den Tisch stellt.

Inzwischen bin ich ein wenig ungeduldig, schreibe E-Mails und telefoniere ein bißchen mit der B., die heute Geburtstag hat. Sie sitze bei ihren Eltern im Garten, erfahre ich. Sie esse Kuchen. Kuchen würde ich auch ganz gern essen, zumindest würde ich irgendetwas gern essen, denn gefrühstückt habe ich nicht und das Abendessen ist sechzehn Stunden her. Damit es ein wenig schneller geht, bestelle ich schon einmal für mich und außerdem das, was meine Verabredung eigentlich immer isst, schaue noch ein bißchen ungeduldiger auf mein Telephon, weil ich sonst keine Uhr dabeihabe, und klopfe schon fast vor Unruhe auf den Tisch, als fast gleichzeitig das Essen und meine Verabredung erscheinen.

"Hey!", sage ich und greife nach meinen Stäbchen. "Wie war dein Wochenende?"

Sonntag, 5. Juli 2009

Die Last der Geschichte

Dass die Deutschen mit ihrer Vergangenheit im Reinen sind, glaube ich erst, wenn sich Szenen wie gestern nicht wiederholen: Der J. und ich stehen also im KaDeWe. Eigentlich sind wir hier auf der Suche nach einer göttlichen Tasche namens BL0494, aber die ist nicht mehr zu haben. Leicht belämmert (ach, hätte ich doch in Stockholm zugeschlagen) schleppen wir uns durch das überfüllte Haus auf der Suche nach anderen Waren, die den weiten Weg durch die völlig verstopfte Stadt nicht als vergeudet erscheinen lassen, und stehen wenige Minuten später im ersten Stock. Hier gibt es Herrenoberbekleidung.

Der J. ist in dieser Hinsicht nicht gerade das gleichgültigste Wesen der Welt. Wer elf Anzüge nicht nur besitzt, sondern gleichsam liebt, und die Vorzüge wie Nachteile aller gängigen Herrenausstatter sogar nachts aus dem Schlaf gerissen repetieren könnte, ist im KaDeWe Schlussverkauf je nach Perspektive entweder genau richtig oder hoffnungslos verloren. Wir stehen also sehr, sehr lange dort, wo es Kleidungsstücke von HUGO gibt, und der J. zieht langsam und mit maximaler Aufmerksamkeit einen Anzug nach dem anderen an und dreht sich in kleinen, eleganten Schwüngen vor dem Spiegel. Leider ist keiner der Anzüge perfekt.

An einer weiteren Stange hängen Mäntel und der J. zieht alle an. Ein beigefarbener Sommermantel ist nicht mehr in Größe 50 zu haben. Ein dunkler Mantel sieht zwar gut aus, passt aber nicht über eine Anzugjacke und scheidet deswegen aus. Ein weiterer, ebenfalls dunkler Mantel aber sitzt. Er sitzt sogar gut. Für einen Moment sehr zufrieden mit sich und der Welt steht der J. vor dem Spiegel und zupft den Mantel zurecht.

Dann aber holt die deutsche Vergangenheit den J. ein. In seinen Mundwinkeln beginnt es zu arbeiten, um seine Augen tritt ein besorgter, leicht gespannter Zug. Der geschätzte Gefährte dreht sich um. Ob ich nicht auch finde, dass der Mantel - wie solle er es sagen: Der Mantel erinnere ihn an eine Uniform. An eine schwarze Uniform, an eine Uniform aus alten Filmen. Die Schulterklappen des Mantels etwa. Das abgesetzte Stück Stoff, das von den Schultern vorn und hinten bis auf Brusthöhe fällt und mit einem Knopf fixiert werden kann wie ein Cape. Der ganze Schnitt des Mantels sei so absolut Leni Riefenstahl. "Vielleicht ist das wieder modern.", gebe ich zu bedenken und wende mich ab. Ich will noch in die Abteilung mit den Sachen für mich. Der J. soll den Mantel kaufen oder weghängen.

Für einen Moment schwankt der J., den Mantel unschlüssig in der Hand. Dann zieht der J. den Mantel wieder aus. Unmöglich könne er einen Mantel tragen, in dem er nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Leute an einen preußisch schnarrenden SS-Offizier erinnere. Ein einziger Witz gleichgültiger Passanten, und er müsse den Mantel auf der Stelle ausziehen und verbrennen oder zöge ihn zumindest nie wieder an. Zwar sehe der Mantel großartig an ihm aus, wie für ihn geschaffen sozusagen (der J. seufzt), aber die Assoziation, welche dem Mantel anhaftet, sei zu viel für ihn als Mantelträger, und so bleibt der Mantel im KaDeWe.

Auf dem Weg in die Damenabteilung kommen wir bei Karl Lagerfeld vorbei. Auch hier hängt ein ganz ähnlicher Mantel. Die deutschen Designer, stellt der J. fest, würden von der deutschen Vergangenheit auf unselige Weise ästhetisch heimgesucht. Aber er werde sich dem verweigern. Die Deutschen, zumindest der J., stelle ich fest, sind mit schwarzen Unifornmänteln für dieses und das nächste Jahrhundert erst einmal durch.

Ohne Mantel, mit nichts als einer französischen Bluse in einem grau abgetönten Lavendel, verlassen wir den Kurfürstendamm.

Donnerstag, 23. April 2009

Frauenkraulen, Kaninchenreiten

Für Frau Engl

Mit dem Sport ist es ja so eine Sache. Irgendwo habe ich gelesen, man müsse fast eine Stunde laufen, um ein Stück Schwarzwälder Kirsch zu verbrennen. Muskelaufbau mag stattfinden, aber wer sieht denn das unter dem Speck? Und während des Sports sieht - seien wir ehrlich - doch jeder ein bißchen komisch aus. Verpackt in bunte, enganliegende Plastikschläuche, schwitzend, mehr oder weniger rot. Überhaupt Schweiß, diese immer etwas entwürdigend wirkende Flüssigkeit.

Schwimmen dagegen ist schon eine andere Sache. Im Wasser fühlt man sich gleich ein bißchen leichter. Wenn man schwitzt, verteilt sich das irgendwie in dem ganzen Wasser. Schwimmen ist in Ordnung. Gut aussehen im Schwimmbad allerdings kann nur derjenige, der krault, denn elegant und pfeilschnell wirken die Krauler. Schnurgerade und schwerelos ziehen die Krauler an mir vorbei. Schwertern gleich ziehen die Krauler ihre muskulösen Arme durchs Wasser. Kraulen möchte ich können, denke ich dann und sehe den Kraulern nach. Sich drehen, wenden, als sei das Wasser nichts, so schnell schwimmen wie ein silbrig glänzender Fisch. Behäbig indes dem gegenüber wie ein sehr, sehr altes Walross ziehe ich langsam einer Wasserschnecke gleich meine Bahnen im Stadtbad Mitte. Eine Bahn Rücken, eine Brust.

Wo die anderen Leute das Kraulen erlernt haben, frage ich mich. Zeigt einem das einer, wenn man klein ist? Wieso hat mein des Kraulens durchaus mächtiger Vater mir diese Kunst vorenthalten? War Kraulen irgendwann einmal in der Schule dran, aber ich war krank? Wieso eigentlich können mehr Männer kraulen als Frauen? Ist das ein Fall für die doch sicherlich bestallten Frauenbeauftragten des Landes Berlin? Wo lernt man Kraulen, wenn man erwachsen ist, und ansonsten schwimmen kann? Kann man irgendwelche Leute fragen, oder wirkt das möglicherweise übertrieben kontaktfreudig? Merkwürdig? Gar irgendwie komisch?

***

Auch meine liebe Frau Engl hat ihre Last mit dem Sport. Zwar fährt diese Dame mit großen, gefährlich aussehenden Motorrädern durch Berlin. Das Reiten auf Pferden indes, höre ich, gehöre nicht zu den Künsten, welche sie beherrsche. Die Pferde, diese doch an sich sehr angenehmen Tiere, seien der Frau Engl viel zu groß.

Einen Reitkurs werde sie daher auch nicht besuchen. Schließlich werden bedrohlich gigantische Pferde nicht kleiner, besucht man Kurse, in denen man die Besteigung dieser Tiere erlernt. Auch Ponies scheinen den Bedürfnissen der Frau Engl hinsichtlich einer ausreichend niedrigen Höhe nicht zu genügen.

Ein Kaninchen entspreche Frau Engls Wünschen an die Größe von sie umgebenden Tieren eher, wie ich höre. Diese Tiere allerdings werfen andere Probleme auf, wenn man sie zur Fortbewegung nutzen will, so dass ich annehme, dass Frau Engl in nächster Zeit nicht reiten, und ich nicht kraulen werde.

So ist das mit dem Sport.

Sonntag, 19. April 2009

In Würde altern

"Der Lack ist ab.", kommentiert der M. unseren kollektiven Zustand und liegt damit absolut richtig. Das Berufseinstiegsfett, das jeder ansetzt, wenn er seinen ersten Job mit Besprechungskeksen und fettem Business Lunch antritt, wird rund um den Tisch mehr statt weniger. In den irgendwann mal dunkelblonden Haaren des M. sieht man inzwischen ziemlich viele graue Haare und ein bißchen Kopfhaut, und der S., schräg gegenüber an diesem Terassentisch am Ende der Welt entlang der Radstrecke 1 aus S. schlauem Buch über Fahrradfahren in Berlin, hat haupthaarbezogen inzwischen einen Zustand erreicht, den man als "meliert" bezeichnen könnte.

Die I., sagt sie, bekäme langsam feine Fältchen auf der Oberlippe, und die M., wie ich höre, an den Augen. Wenn ich morgens aufwache, wirke ich seit ein, zwei Jahren schon ziemlich zerknittert, weil meine generelle Spannkraft halt nicht mehr dieselbe ist wie vor zehn Jahren, und dass der Kellner in diesem Ausflugslokal irgendwo in der Nähe des Tegeler Sees uns siezt, liegt vermutlich nicht nur daran, dass das "Sie" hier allgemein gebräuchlicher ist als im heimischen Prenzlauer Berg: Ich bin auch in den Innenstadtbezirken inzwischen mehrfach zurückgesiezt worden, wenn ich - unbedacht, man ist ja noch nicht lange alt - Verkäuferinnen oder Kellnerinnen geduzt habe. Man fühlt sich dann immer ein bißchen peinlich und plump.

"Da kommt jetzt nicht mehr viel Neues bis zur Rente.", behauptet die M. ein paar Stunden später in meiner Küche, in der ich Pasta für alle koche, und ich rühre wortlos in der Pfanne mit den Möhren und dem Sellerie, weil mir nichts einfällt, was ehrlich klingt, aber nicht ganz so deprimierend.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Das Leben mit Troll

Leider ist es offenbar einer mir bekannten, wenn nicht sogar befreundeten Dame auch diesmal nicht gelungen, den Mann fürs Leben zu finden. Dabei ließ sich alles gut an: Man lernte sich kennen. Man gefiel sich. Man zog – keine sechs Monate ist es her – sogar zusammen und kaufte gemeinsam einen Küchenschrank, eine Waschmaschine, mehrere Garnituren Bettwäsche und lebte alles in allem recht zufrieden selbzweit. Zwar war der Herr ein wenig stubenhockerisch veranlagt, die Dame glich dies indes auf eigene Faust aus, und am Sonntagmorgen lag man glücklich gemeinsam im Bett und las in der FAS.

Das alles ist nun vorbei.

Vor einigen Tagen erwachte also die Dame des Hauses mit einem Kratzen im Hals. Das Kratzen verstärkte sich, Husten trat hierzu, die Körpertemperatur stieg an, und auf eine Krankschreibung hin blieb die Dame – wir wollen sie R. nennen – zu Hause. Zwei Tage schlief die R. eigentlich den ganzen Tag. Am dritten Tage las sie ein bisschen in herumliegenden Illustrierten, am vierten fing sie an zu telefonieren, und abends surfte sie ein bisschen im Internet. Unter anderem suchte und fand sie eine Seite, auf der eine ortsansässige Hutmacherin eigene Kreationen feilbot, die ziemlich gut aussahen und gar nicht so teuer waren, wie man es von handgemachten Hüten generell glaubt.

Am fünften Tag fand die R. diese Seite aber nicht wieder. Sie versuchte es mit ein paar verschiedenen Suchbegriffen wie „Hut kreativ Berlin“ oder so, aber die Hüte waren weg und entzogen sich ihren suchenden Blicken. Die R. war enttäuscht und schlief noch ein bisschen. Am Nachmittag aber fielen der R. die Hüte wieder ein. Erneut öffnete sie den Rechner, erneut suchte sie nach den Hüten, und dann fiel ihr ein, dass die Wege des Herrn zwar unergründlich, die Wege der Sterblichen durch das weltweite Netz aber ziemlich gut dokumentiert sind. Sie öffnete also den Verlauf.

Die Hutseite fand sie schnell. Was sie aber außerdem fand, waren zahlreiche Besuche in irgendwelchen Foren, die etwas mit Spielen und Filmen zu tun haben, und manche Foren, deren Besuch gleichermaßen verzeichnet worden war, beschäftigten sich mit eigentlich nichts., zumindest mit nichts thematisch gebundenem. Ihr das Notebook außerdem und eigentlich hauptsächlich nutzender Freund verbrachte seine Freizeit offenbar ganz gern im angeregten elektronischen Gespräch.

„Das ist doch besser als auf irgendwelchen Seiten mit n*ackten Frauen.“, gebe ich zu bedenken. Die Welt habe schon von unangenehmeren Hobbies gehört. – Indes, wird mir entgegnet, sei das noch nicht alles. Denn natürlich habe die R. die Foren unverzüglich aufgesucht und zumindest teilweise gelesen.

Ziemlich schnell fand sie ihren Freund. Der Nickname war der seines alten Plüschhasen, die Daten der jeweils kommentierten Kinobesuche stimmten, und auch die Schilderungen aus dem gemeinsamen Leben spiegelten die Realität halbwegs zutreffend wieder. Der Zurückhaltung, die sie an ihrem Freund immer als eher schätzenswert erlebt hatte, schien dieser im Netz allerdings ganz und gar nicht in derselben Weise anzuhängen: Seine Beiträge als pointiert anzusehen, wurde mir berichtet, sei schon eher euphemistisch. Auch der Begriff der Polemik bringe es noch nicht ganz auf den Punkt. Ihr Freund, so die R., sei vielmehr ein Troll. Ein Forentroll in des Wortes wahrster Bedeutung.

Und mit einem Troll wolle sie nicht ihr Leben verbringen.



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Neuzugänge

da bin ich ganz bei Ihnen,...
da bin ich ganz bei Ihnen, zonebattler. Vielleicht.. .
[moccalover - 19. Nov., 22:29 Uhr]
Fasznierend.
Fasznierend.
[virtualmono - 19. Nov., 1:42 Uhr]
ich hätte gerne...
ich hätte gerne mal eine studie, wieviel einfluß...
[timanfaya - 16. Nov., 17:01 Uhr]
Vor dem Herren beider...
Am Anfang bin ich fast sechs. Ich sitze im Garten auf der Schaukel, der Apfelbaum...
[Modeste - 16. Nov., 10:08 Uhr]
anubis vielleicht? https://secure .magicparlor.com/catalog/i mages/1174_large.jpg ..... ..
anubis vielleicht? https://secure .magicparlor.com/catalog/i mages/1174_large.jpg ..... ..
[rosmarin - 16. Nov., 0:47 Uhr]
alles kein problem. hier...
alles kein problem. hier schon mal ein paar tipps zum...
[timanfaya - 13. Nov., 10:33 Uhr]
Ach was, lassen Sie sich...
Ach was, lassen Sie sich mal nicht verunsichern. Sie...
[arboretum - 12. Nov., 23:24 Uhr]
Alle Beteiligten sind...
Alle Beteiligten sind hier sowas von volljährig....
[Modeste - 12. Nov., 0:19 Uhr]

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19. Nov. 2009, 22:29 Uhr

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