Mittwoch, 21. April 2010

Geimpft

Vor zwei Wochen gehe ich also zum Arzt. Ich gehe nicht gern zum Arzt, ich warte ungern, ich ziehe mich sogar vor Ärzten ungern aus, und ich höre den Müttern des Prenzlauer Berges ungern zu, die in Massen in den Wartezimmern der Umgebung herumsitzen und Geschichten über ihr Leben mit Kind erzählen, die meistens entweder langweilig klingen oder ganz, ganz schlimm.

Schließlich bin ich dran. „Sind sie eigentlich geimpft?“, fragt der Arzt irgendwann so en passant, und ich schüttele den Kopf. Bin ich nicht. Meine Mutter fand Impfungen aus irgendwelchen Gründen verwerflich, und was ich mir nicht von selbst einfing, das kann ich also jeden Moment bekommen.

Der Arzt runzelt die Stirn. Seinen Ausführungen entnehme ich, Impfungen seien wichtig, vor allem Röteln, aber auch Masern, Keuchhusten und Kinderlähmung, Tetanus sowieso, und von der Schwester bekomme ich ein Rezept in die Hand gedrückt und einen Terminzettel dazu. 20.04.2010 steht auf dem Zettel.

Gestern gehe ich also schon wieder zum Arzt. Wieder sitzen im Wartezimmer ungezählte Prenzlmütter, wieder warte ich in einem hässlichen, schwarzen Kunstledersessel und blättere gelangweilt in Zeitschriften herum, und schließlich ruft man mich herein. Es geht schnell: Eine Spritze in den linken Arm, eine in den rechten. Dann kann ich gehen.

Abends aber fängt mein rechter Arm an zu pochen. Ich gehe ins Bad. Der linke Arm sieht vollkommen normal aus, das schon, aber rechts spannt die Haut, der Arm wird dick, rot ,und wenn ich den Arm hebe, fühlt es sich irgendwie merkwürdig an. Alles nicht optimal. Besorgt gehe ich schlafen.

Heute Morgen stelle ich mich wieder vor den Spiegel. Inzwischen sieht mein Arm aus, als habe irgendwer ein Hühnerei in meinem Arm verstaut. Das Anziehe ist nicht ganz einfach, das Strickoberteil scheuert, und schließlich ziehe ich etwas ärmelloses an und eine ganz, ganz leichte Jacke. Dann fahre ich los. Im Büro betaste ich vorsichtig mit der linken Hand den Arm. Es scheint noch etwas dicker geworden zu sein, und ich google „Arm geplatzt nach Impfung“ und „Impfung gefährlich?“. Meine impfkritische Mutter scheint recht zu behalten.

Gegen Nachmittag dann wird mein Arm zunehmend unbeweglich. Hebe ich den Arm an, erreiche ich maximal eine Ellenbogenhöhe kurz unter dem Brustkorb. Ein Versuch, durch Dehnung meine übliche Beweglichkeit wiederherzustellen, scheitert. Abends fahre ich ganz, ganz vorsichtig heim.

Zu Hause wickele ich den Arm vorsichtig in ein nasses Tuch. „Sei bloß nicht wehleidig!“, befehle ich meinem Spiegelbild und mache eine entschlossene Miene. „Das tut gar nicht weh.“, sage ich laut. Dann gehe ich zu Bett. „Keine gute Idee.“, versichere ich der Katze, und die Katze maunzt, als habe sie das immer gewusst, nicht anders (man muss es zugeben) als meine Mutter.



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