Mittwoch, 30. Mai 2007

Geschichten von der Tante G.

Ein bißchen verrückt war die Tante G., konnte weder lesen noch schreiben, und ging ihrer Schwester, der Mutter meiner Freundin K., auf dem Hof ein wenig zur Hand. Großes Glück hatte die G., schärfte man ihr immer wieder ein, nicht ins Heim gesperrt zu werden, wie es die Leute in der Stadt einfach taten, wenn eine verrückt war und beim Abwaschen ab und zu einschlief oder das Weiterspülen vergaß und in der Küche stehenblieb, das Geschirr in der Hand, und ihre Hände im Wasser betrachtete, als habe sie sie noch nie gesehen.

Schalt man die G., so weinte sie und bettelte, nicht ins Heim zu kommen. Weinte sie sehr, so nahm ihre Schwester sie ab und zu in den Arm, wiegte sie und klopfte ihr die Wange, bis die G. wieder lachte, weiterspülte, Kartoffeln schälte und sang.

Kochen durfte die G. nur dann, wenn die Hausfrau nicht da war oder aus anderen Gründen nicht kochen konnte oder wollte. Zweimal im Jahr ungefähr, erzählte die K., sei ihre Mutter nämlich krank, weine mehr als die G., stünde tagelang nicht auf, schrie und tobte, und prügelte mit beiden Fäusten auf den Vater ein, der sie habe anbinden müssen, bis es vorbei gewesen sei. Das seien, erklärte sie mir, die Hormone.

Die G. kochte ziemlich schlecht. Abspülen konnte sie gut, Gemüse putzen, besonders gern schabte sie gelbe Rüben, machte die Betten sehr akkurat Ecke auf Ecke, und lachte und sang den ganzen Tag, wenn sie nicht gerade weinte. Besonders gern mochte die G. Kinder, flocht der K. Zöpfe, steckte ihr Gutzeln zu, und erzählte dies und das, was indes, wie K.‘s Mutter versicherte, meistenteils komplett erfunden war, denn eine blühende Phantasie, so tadelte die Mutter, hätte die Tante G., und erzähle den ganzen Tag einen rechten Schmarrn, um sich wichtig zu machen. - Schimpfte die Mutter sie aus, so zuckte die G. jeweils ängstlich zusammen, aus Angst wahrscheinlich vor dem Heim in der Stadt.

Manchmal hatte die Tante G. Schübe, wie man sagt, und der Arzt musste kommen. Dann konnte sie keine Kartoffeln schälen, kein Gemüse putzen und nicht einmal die Betten machen. Nach einem solchen Schub, sagte die Mutter der K., werde es immer ein bißchen schlechter mit der G., und eines Tages werde die G. wohl sterben, denn die Verrückten werden weniger alt als wir. Die K. besuchte dann die Tante G., saß an ihrem Bett, strickte erst eine endlos lange Wollwurst mit der Strickliesel für „Textiles Werken“ und dann eine weitere für mich.

Vor ihrem Tod hatte die Tante G. wenig Angst, denn die guten Menschen, so wusste sie zu berichten, kommen in den Himmel, und dort ist es schön. Eines Tages aber war es dann nicht mit der Tante G. vorbei, sondern mit der Mutter der K., die viel zu viele Tabletten aß und starb. Wochenlang kam die K. nicht einmal zur Schule, und künftig trafen wir uns eher bei mir, wo es keine Schweine gab und keinen Küchengarten, sondern bloß Blumen.

Mit der Tante G. ging es auch bergab, die Schübe wurden mehr, und als sie nicht mehr arbeiten konnte, und keiner da war, sie zu versorgen, packte der Bauer, der Vater der K., ihren Koffer und brachte sie ins Heim. Den ganzen Weg, erzählte die K., habe die Tante G. geweint und geschrien, sterben habe sie gewollt, am Ende aber habe sie es schöner dort gehabt als anderswo. Erzählt aber habe sie nichts mehr, und bald auch nicht mehr sprechen gekonnt, was, wie die Ärzte sagten, ab und zu vorkam bei den Verrückten, und nichts zu sagen hatte, wie man der K. versicherte, wenn sie fragte.

Montag, 28. Mai 2007

Der EXOT liest

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Mit Geld ist es ja so eine Sache: Verdient man genug, hat man keine Zeit, um auch etwas davon zu haben, hat man Zeit, so fehlt meist Geld, mit der freien Zeit auch etwas anzufangen, und hat man Zeit und Geld einfach so, so wird man trübsinnig und verfällt dem Buddhismus.

Geld zu haben, scheint es also, ist keine so besonders glückverheißende Sache, und doch lebt es sich mit einem gutgefüllten Konto um Vieles besser, ob man nun ein Mensch ist oder ein Magazin, und so hoffen wir

am 10. Juni 2007
um 21.00 Uhr
Im LassunsFreundebleiben
in der Choriner Str. 12, Berlin


diesmal nicht nur auf Ihr zahlreiches Erscheinen, sondern auch erstmals auf € 5,-- Eintritt, wofür es aber nicht nur einen hoffentlich angenehmen Abend, sondern auch eine Ausgabe des äußerst schätzenswerten Magazins EXOT gibt, welches diese Lesung veranstaltet.

Kommen Sie also zu Hauf, bringen Sie Ihre Freunde mit, preisen Sie die Herren Anselm Neft, Jochen Reinecke und Ivo Lotion privat und in der Öffentlichkeit ob ihres schier unermesslichen Talentes zur Verfertigung von Texten, und wenn Sie auch kommen, um mir zuzuhören, die ich gleichfalls lese, fühle ich mich natürlich äußerst geschmeichelt.

(Danke für die prompte Hilfe bei der Bilderkleinerung an den viel bewunderten Herrn Sven K.

Sonntag, 27. Mai 2007

Die harten Fakten und der Tratsch

Entgegnung in einer abgeschlossenen Debatte

Wie man weiß, sprechen Frauen ja vorwiegend, wenn nicht die ganze Zeit, über Privates, und die meisten Männer meines Bekanntenkreises mutmaßen mit einer Prise durchaus belustigten Grauens, die Frauen ihres Lebens sprächen beim Italiener um die Ecke vorwiegend über sie. Alles Wissenswerte über Körperbehaarung und Lebensgewohnheiten würden die Damen, mit denen sie ihr Dasein teilen, zwischen Crostini und Panna Cotta auf den Holztisch werfen, und die Freundinnen ihrer Freundin wüssten über sie ebenso gut Bescheid wie die Freundin selbst.

Etwas reizend Triviales, so wissen die meisten Herren ganz genau, schwebt über jenen Tischen, an dem die hübschen Damen sitzen. Chloe oder Versace, ins Hartmanns gehen oder im Jolesch bleiben – dies seien die Entscheidungen, die beim Crémant unter Frauen mit einer dem Manne fremden Ausführlichkeit getroffen würden, und so stehen diejenigen Männer, die stolz darauf sind, zu wissen wie der Hase läuft, einem Abend unter Damen mit einer gewissen amüsierten Jovialität gegenüber. „Die M. hat heut‘ Weibertratsch.“, heißt die zu dieser Gemütslage passende Auskunft, wo sich die geschätzte Gefährtin gerade befände. Frauen, kurz gesagt, plaudern, quatschen oder tratschen über Handtaschen und Waschbrettbäuche, den Kauf goldfarbener Ballerinas und gepunkteter Jackenkleider, die Brigitte-Diät und die beste Blutwurst Berlins.

Männer, weiß man ebenso genau, neigen nicht zum Tratsch. Stumm, mit von der Last des Lebens zerfurchter Stirn, reiten Männer einsam durch die ausgedörrte Prärie, schießen Kojoten und sprechen am Lagerfeuer bei ungeschlachten Brocken blutig gebratenen Fleisches über die Dinge, die im Leben wirklich zählen, die harten Fakten hinter der schillernden Oberfläche, die Schrauben, die die Welt im Innersten zusammenhalten sozusagen, und so wird dort, wo Männer zusammensitzen, nicht über Handtaschen geplaudert, nein, hier konferiert man über technische Innovationen, schnelle Autos beispielsweise, datenverarbeitungstechnische Weltwunder für den Privatgebrauch, und es versteht sich von selbst, dass Männer sich nicht ein X für ein U vormachen lassen, sondern Fakten, Fakten, Fakten sprechen lassen, und ihre Zeit nicht mit Gesprächen über Lidschatten vertändeln, sondern Unternehmenskennzahlen und Produktentwicklungslinien analysieren, dass es eine wahre Lust ist.

Diese Konzentration auf die, wie jedermann weiß, wirklich wichtigen Dinge des Lebens kennzeichnet auch Männer, die ein Blog unterhalten. Statt über Dinge, die man nicht essen (oder zumindest verkaufen) kann, blogt der Mann zielgerichtet über Datenverarbeitungsprogramme, die nicht funktionieren, sagt der Politik einmal deutlich seine Meinung oder teilt der Welt seine Ansicht über die Entwicklung dieses oder jenes Unternehmens mit. Damit leisten Männer einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung, und so ist es quasi folgerichtig, dass dort, wo die großen Jungs Fußball spielen, Frauen nur als Cheerleader vorkommen: Mulier taceat in ecclesia, so hallt des Apostels Donnerruf durchs world wide web.

So nimmt es denn kein Wunder, dass jenes nachsichtige Zwinkern des Mannes gegenüber dem Weibertratschabend seiner Freundin einem bisweilen auch online begegnet. Mit leicht öliger Galanterie konzediert der eine oder andere wohl sogar den Eigenwert des Dekorativen, um sodann zurückzukehren dorthin, wo es um wirklich wichtige Dinge geht, und statt über eine Handtasche für 2.000 Euro über einen Computer für denselben Preis gesprochen wird, und statt von Glück oder Unglück, Liebe und Tod, Schmerzen und Sehnsucht von dem einen oder anderen Wechsel an der Spitze einer Aktiengesellschaft oder der Entwicklung der öffentlichen Haushalte geschrieben wird, denn Männer, muss ein schwaches Weib bewundern, wissen, worum sich die Welt wirklich dreht, und ernten für dieses Distinktionsvermögen verdientermaßen die Aufmerksamkeit, wenn nicht die Anerkennung, anderer Blogger.

Man kann das natürlich auch anders sehen.

Samstag, 19. Mai 2007

Wie man einen Gürtel trägt

„Die neuen Gürtel zaubern eine feminine Silhouette“
Vogue

„Sie wissen, wie man den Gürtel trägt?“, fragte die Verkäuferin mich mit einem freundlich-nachsichtigen Tonfall, der deutlich erkennen ließ, dass ich ihrer Ansicht nach einem Kundentypus angehöre, bei dem man sich da nicht so sicher sein konnte. „Ich denke doch.“, nahm ich den dargereichten breiten, weißen Gürtel entgegen und schlang ihn um meinen Bauch. Einige Zentimeter unterhalb des Bauchnabels blieb die ebenfalls weiße, lederbezogene, riesige Gürtelschnalle hängen und markierte gut sichtbar die breiteste Stelle meines Körpers. Leiser, aber verzweifelt, gurgelte ich vor mich hin.

„Ist vielleicht nicht ganz optimal?“, die Verkäuferin schritt mit vorsichtigen, winzigen Schritten um mich herum und sah mir auf den Bauch. Bei ihr sah der an und für sich nicht unähnliche Gürtel irgendwie anders aus, fiel mir auf.

„Können sie mir ein anderes Modell empfehlen?“, löste ich den Gürtel wieder und sah mich suchend um. „Das wird jetzt sehr viel genommen.“, reichte mir die Verkäuferin einen anderen Gürtel und trat einen Schritt zurück. Sehr lang und sehr schmal hing der Gürtel in meiner rechten Hand. „Zweimal in-between Hüfte und Taille!“, befahl die Verkäuferin, lächelte professionell und strich sich mit dem kleinen Finger der linken Hand die langen, braunen Haare aus dem Gesicht.

Ich tat, wie mir geheißen.

Mit der rechten Hand zog ich den Gürtel fest. Mit der linken Hand dagegen suchte ich nach der Partie meines Körpers, die die Verkäuferin zu meinen schien. „Hier?“, fragte ich schließlich und schnallte den Gürtel etwa drei Finger über dem Hüftknochen fest. Über und unter dem Gürtel quollen Stoff und Speck nach vorn und bedeckten das schmale, silberfarbene Lederband, das beim Ausatmen zudem haltlos nach unten fiel, bis es wiederum, einer toten Schlange nicht unähnlich, auf den Hüften lag. Dies aber war falsch.

„Diese Saison werden die Gürtel wieder körpernah getragen.“, bemängelte die Verkäuferin und nahm mir den Gürtel wieder ab. Langsam schien das Verkaufsgespräch sie zu strapazieren. Ihre grau und grün schattierten Augenlider begannen zu vibrieren, sie griff sich noch viel öfter ins Haar, und verfluchte wohl innerlich den Moment, in dem sie mich angesprochen.

„Versuchen sie doch noch einmal den hier.“, bemühte sich die Verkäuferin gleichwohl weiter und zog aus einem ganzen Ständer voller Gürtel einen breiten, elastischen Gürtel aus Lackleder, der mit zwei ineinander zu schiebenden Metallschnallen befestigt werden sollte. „Der Gürtel wird auf der Taille getragen.“, flötete die Verkäuferin und zog den Gürtel knapp unterhalb meiner Brust einmal um meinen Körper. Knalleng saß der Gürtel über meinen Rippen und beengte mir die Atmung. „Den besser nicht.“, ächzte ich und riss mir das korsettartige Gebilde wieder vom Leib.

„Was ist denn mit dem da hinten?“, griff ich nach einem breiten, weißen Gürtel mit einer seifengroßen Glitzerschnalle. „Aber gern – wird viel getragen.“, ergriff die Verkäuferin die Chance, sich nun schnell der schwierigen Kundin zu entledigen. Ebenso erleichtert warf ich den Gürtel so gut wie unanprobiert auf den Kassentisch, bevor auch dieses Produkt die Chance haben würde, mich durch grotesken Sitz zu enttäuschen. "Den können sie mehr als eine Saison tragen. Der Glam-Look hält sich.", pries die Verkäuferin mir den frisch erstandenen Gürtel an.

„Wollen sie ihn gleich tragen?“, fragte sie und schob mir ein Tütchen mit Ersatzstrass zu. Ob andere Leute so etwas aufbewahren und Strass nachkleben, wenn er abgeht?, fragte ich mich und bedankte mich überschwenglich für Strass und Mühe. „Den behalte ich gleich um.“, schlang ich mir den Gürtel um meinen Bauch. Gar nicht schlecht sah das aus, dachte ich und strebte der Rolltreppe zu.

„Sie müssen den Gürtel fester schnallen.“, rief die Verkäuferin mir halblaut hinterher und deutete mit heftigen Handbewegungen an, wie der Gürtel zu tragen sei. Vergnügt schüttelte ich den Kopf, und die Rolltreppe entzog die Verkäuferin meinen Blicken.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Die Wahrheit über das Ende der Ehe von Onkel A.

Wie es sich gehört, weiß die Familienfama alles über das Ende der Ehen meines Onkels A., und insbesondere das Ende seiner 2. Ehe gehört zu denjenigen Erzählungen, die den ehrwürdigen Schatz der Familiengeschichte seit vielen Jahren bereichern. Zwar behauptet, dies soll nicht verschwiegen werden, die Hauptperson hartnäckig, alles sei ganz anders gewesen, befindet sich mit dieser Ansicht jedoch in einer extremen Minderheitsposition.

Keinesfalls sei er, beharrt der Onkel A., an jenem besagten Abend offenbar unerwartet nach Hause gekommen und habe geklingelt. Wieso er auch habe schellen sollen, fragt der Onkel A., denn selbstverständlich trage er, wie jeder normale Mensch, einen Haustürschlüssel bei sich. Zur Bekräftigung pflegt der Onkel A. an dieser Stelle seinen Schlüssel aus der Tasche zu ziehen und einmal kräftig mit ihm zu rasseln. Die familiäre Version, so behauptet es der Onkel, sei schon aus diesem Grunde vollkommen unplausibel und ohnehin völlig falsch.

Dies jedoch überzeugt die Familie nicht. Vielmehr, so erscheint es anderen Verwandten wahrscheinlich, trage der Onkel A. überhaupt erst seit diesem Abend seinen Schlüssel stetig mit sich, denn schließlich kenne man den Onkel als einen nachlässigen, nachgerade schlampert zu nennenden Herrn, der, wie man so sagt, seinen Kopf vergäße, wäre er nicht verlässlich am oberen Ende des Halses angewachsen.

Dass der Onkel A. seinen Schlüssel bei sich gehabt hätte, hat er – so weiß es der familiäre Volksmund genau – also nachträglich erfunden, wieso auch immer, und so sehen wir den Onkel A., mag er auch protestieren, an einem Sommerabend vor ziemlich vielen Jahren um die Ecke biegen, seinen Wagen parken und über das kurze Rasenstück zwischen Garage und Haus spazieren. Über dem Arm, denn ist warm, trägt der Onkel sein Sakko, in seiner linken Hand schwenkt er eine Aktentasche, und mit der rechten Hand, mit dem rechten Zeigefinger, um genau zu sein, drückt er einmal kräftig auf die Klingel.

Ein paar Minuten lang passiert nichts. Schließlich aber öffnet sich die Tür, und im schattigen Korridor, barfuß auf den braunen Fliesen des onkeleigenen Erdgeschosses, steht ein völlig fremder Mensch und schaut den Onkel an. „Was kann ich für sie tun?“, fragt der unbekannte, unsympathisch muskulöse Mann den Onkel. Dem Onkel verschlug es die Sprache.

Er wohne hier, sagt man, habe der Onkel geantwortet. „Ach so.“, habe man ihm die Tür auf diese Auskunft hin geöffnet, und verdattert standen sich der Onkel und der Hockeytrainer seines Sohnes im Flur gegenüber. „Wer ist denn da?“, habe die Frau des Onkels den Trainer gefragt, und sei mit aller gebotenen Nervosität einer auf frischer Tat ertappten Person herbeigeeilt gekommen, als der Trainer ihr den Sachverhalt mit kurzen Worten erläutert habe.

Dem Onkel, so sagt man, sei die Wahrheit über Frau und Trainer quasi wie ein Holzhammer auf den Kopf gefallen. Stehenden Fußes habe er kehrt gemacht, sei ins Auto gestiegen und zurück ins Büro gefahren, und sei sodann eine ganze Nacht zwischen Schreibtisch und Aktenschrank auf- und abgewandert. Einige Diskussionen mit seiner Frau später habe man sich auf einen vorerst getrennten Hausstand geeinigt, Monate später erkannt, dass der getrennte Hausstand als allseits angenehmer empfunden wurde als das Zusammenleben, und habe noch etwas später die Scheidung beantragt und erhalten.

Obkel A. indes, dies sei angemerkt, bestreitet diesen Geschehensverlauf. Niemals, so behauptet der Onkel und schüttelt empört den Kopf, habe er in seinem Hause den Hockeytrainer angetroffen. Niemals auch habe er eine Nacht im Büro verbracht, und diese wie auch alle seine weiteren Scheidungen seien vollkommen unspektakulär verlaufen, zu unspektakulär offenbar für seine sensationslüsterne Familie, die sich etwas zusammengesponnen habe, wo gar nichts sei.

Dies aber, so weiß man mit überwältigender Mehrheit, ist gar nicht wahr.



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