Montag, 10. Juli 2006

Die Behandlung

Eine grüne Wartemarke war’s, von einem ausgewaschenen, kreidigen Grün, aber die Zahl darauf - ich hab‘ sie nicht gelesen. Vielleicht war der Zettel sogar leer. Niemand sonst war auf dem Korridor, der nur einer Behörde gehören konnte, das stumpfe Linoleum unter meinen Sohlen, das wohl einen Steinboden imitieren sollte, die abwischbaren Wände, halbhoch gelb gestrichen, und von einem tristen, gebrochenen Weiß bis unter die Decke.

Ganz allein saß ich auf dem Gang, die Türen waren noch geschlossen, und hielt mich fest an der Wartemarke, die ich in der Hand drehte, zusammenrollte, knickte und faltete. Ein wenig nervös war ich, weil man mich dahingesetzt hatte, einbestellt von Nacht und Traum, wozu auch immer. Hoch war der Korridor und schmal, ein weißes, diffuses Licht sog die Farbe aus meiner Haut, die käsig schien, farblos, als hätte man etwas abgezogen, was eigentlich noch zu mir gehörte, eine elastische Schicht aus Farbe zwischen mir und der Welt.

„Frau Modeste!“, wurde ich hereingerufen, eine Frauenstimme drang verzerrt aus den Lautsprechern unter der Decke, und hinter einem Tisch saßen drei Maskierte und sahen mich an. Kreisrunde Löcher hatten ihre Masken um die Augen, die ich zu erkennen meinte, zuerst. Aber nein, erschreckte ich mich. Das würdet ihr nicht tun, und ich sprach sie nicht an mit Namen. Vielleicht hätte ich sie rufen sollen, vielleicht erinnern an alles, alte Zeiten, Liebe, Freundschaft und Vertrauen, aber sie sahen mich an, als seien sie’s nicht, und ausziehen musste ich mich und wurde gewogen und gemessen.

„1,67!“, quakte wieder der Lautsprecher, und ich sah an mir herab, rotes, rohes Fleisch und die Tränen liefen mir über die Wangen. „Sie können jetzt in den Behandlungsraum.“, kündigte die Vorsitzende mir an, und ich lächelte ihr versuchsweise ein wenig zu, aber sie schien es wirklich nicht zu sein, denn die Maske behielt sie auf und sah streng an mir vorbei durch die runden Löcher.

Durch eine Tür musste ich gehen, durch eine zweite, und es wurde ziemlich heiß, so warm wie in meinem Schlafzimmer vielleicht, und ich hob die Arme, weil man das so machen musste, um behandelt zu werden. Ein großes Waffeleisen stand zur Behandlung bereit, und ich stellte mich folgsam in die Mitte. „Jetzt schließen sie die Augen!“, sprach man mir beruhigend zu, und die beiden Seiten des Eisens senkten sich und schlossen mich ein.

Heiß wurde es. Sehr heiß, und eng dazu, und die Stacheln des Eisens stachen mir in die Haut. Jetzt erst bekam ich Angst, man hatte mir also eine Falle gestellt. Das hätte ich nicht von euch gedacht, konnte ich nicht mehr sagen, und im Hintergrund tuschelte die Spruchkammer leise, wann man das Eisen in Betrieb nehmen sollte, wie sie sagten, und ich schnappte nach Luft. In meiner Hand begann die Wartemarke zu glühen und zu qualmen, aber um sie fallen zu lassen war es zu eng, und die Marke fraß sich in meine Hand.

Es werde schnell gehen, versprach man mir, und ich versuchte zu nicken.

Donnerstag, 6. Juli 2006

Von Wäldern

Vorbei fährt der ICE an offenen Feldern, ein einsamer Hochsitz markiert die Grenze zum Wald, und dicht, verschlungen, zugewuchert vom Unterholz bis in die Wipfel quillt der Laubwald den Schienen entgegen. Schon sind wir weiter, vorbei ein baumumstandener, schattiger See, ein abgeerntetes Feld, eine ausgebrannte Scheune, von der nur noch Balken und Streben stehen, und in der Ferne ein paar Windräder. Windmüller sei er, fällt mir ein, sagte mir vor ein paar Tagen ein Fremder am Telefon, und sagte dies so selbstverständlich, als lägen keine russischen, bunten Märchen in diesem Wort von einem einäugigen Müller vielleicht, der des Nachts den Wind drischt, und die Hexen tanzen geschüttelt von Stürmen um seine Mühle auf einem Hügel abseits vom Dorf.

Rotbraun und kahl streckt ein Nadelwald sich der Sonne entgegen, und ich überlege, wie die Bäume wohl heißen, aber es fällt mir nicht ein. Ein Dorf, schon vorbei, eine geweißte Kirche, der Silo am Ortsausgang, und weiter, weiter, gleichmütig, eine gekühlte Dose, fährt der ICE über Land. Einen Moment nur in der lichten Traurigkeit der Birken, Tschechow, eine slawische Melancholie, und ich fahre heim in meine Stadt aus rohen, geborstenen, scheckigen Traurigkeiten, die östlichste Stadt der Republik, die östlichste Stadt des Westens.

Wie lange, überlege ich und ziehe die Beine eng an den Leib, war ich in keinem Wald. In Stahnsdorf, auf dem Waldfriedhof, im letzten Jahr, der schwarze Wein über den Gräbern, und ich lächele einem Abwesenden zu. Am Ufer des Wannsees wohl, letztes Jahr im August, aber ein wirklicher Wald, Bäume, die harzigen, geschlagenen Stämme, und ich muss lange überlegen. Letztes Jahr im Mai vielleicht, grübele ich, und für einen Moment sehne ich mich nach einem federnden Waldboden, nach dem Geruch nach einer guten Fäule und Chlorophyll, nach der Sauberkeit der Bäume am frühen Morgen, und hielte der Zug, ich stiege aus, nur für eine halbe Stunde.

Dann aber beginnen langsam, nach und nach erst und vereinzelt, die Häuser. Schallschutzwände versperren den Blick, und in einigen Minuten, dröhnt es aus den Lautsprechern, werden wir Berlin Hauptbahnhof erreichen. Zwischen den Bögen der gespannten Röhre aus Glas aber und dem Treiben der Passanten ist der Wald so weit, so unwirklich, als gäbe es ihn nicht, und die Bäume an der Schwedter Straße stehen leblos und stumm, als seien sie von allem Anfang an dazu bestimmt, die Fahrbahn zu markieren und Fahrräder anzuschließen, und Wälder, Wälder seien gar nicht wahr, ein Märchen nur oder eine bunte, phantastische Erfindung der Dichter.

Montag, 3. Juli 2006

Fremde Frauen

Nun aber, meine Damen, hier in der Anonymität des Internets, heraus mit der Sprache: Wie machen Sie das eigentlich? Wie schaffen Sie es, neben einem Mann zu sitzen, der ein saftiges Steak verzehrt, und an Salatblättern zu kauen? Überkommt sie da wirklich kein Fünkchen des Futterneides? Mögen Sie den Salat wirklich? So einen grünen Salat mit Pinienkernen und getrockneten Tomaten, eine feine Sache, aber kein Fetzchen Fleisch dazu, kein Bröckchen Käse? Und mögen Sie eigentlich wirklich kein Bier oder tun Sie nur so?

Und interessieren Sie sich eigentlich wirklich jeden Monat aufs Neue für Stoffe, Schnitte oder Schuhe? Ich gehe ja auch ganz gern einmal einkaufen, aber immerzu Taschen, irgendwelche Designer, schwarz-weiß und geblümt, Sechziger und Achtziger, Pfennigabsätze und Ballerinas? Und warum lesen Sie Frauenzeitschriften? Und warum finden Sie Karriere nicht so wichtig? Ich finde das großartig, wenn die Steine, die rollen, wenn ich beruflich dagegentrete, möglichst groß sind und viel Geld kosten. Und bestimme lieber über andere Leute, als dass ich über mich bestimmen lasse. Und etwas „mit Menschen machen“, fand ich angesichts der Beschaffenheit der meisten anderen Leute schon mit so ungefähr 12 insgesamt eher nicht so. Den meisten Menschen, im Vertrauen gesagt, ist ohnehin nicht zu helfen, hoffnungslose Fälle, alle miteinander, und da soll ich...? Aber Sie machen das ja angeblich gerne.

Kinder, auch so ein Thema. Sie kriechen in jeden Kinderwagen und sprechen die Insassen an mit so ganz hohen Stimmen und sagen Sätze, die Sie keinem Erwachsenen gegenüber vorbringen würden. Hätten Sie so angesprochen werden wollen mit ungefähr drei? Und unterhalten Sie sich gern mit Leuten, die irgendetwas unendlich Idiotisches lallen, wenn Sie Ihnen etwas sagen? Sprechen Sie wirklich gern mit achtjährigen Menschen, die auf Ihre Frage, ob das Essen geschmeckt habe, antworten, bei ihrer Mutter wäre das Schnitzel besser? Und interessieren Sie sich wirklich für die Vollausstattung von Baby Born? Gehen Sie gern mit Menschen um, die komisch riechen, weil sie ihre Ausscheidungsvorgänge noch nicht so im Griff haben? Und warum geben Sie Ihren Job auf, um statt 100 intelligenter, erwachsener Menschen einen einzigen Menschen um sich zu haben, der noch nicht sprechen kann?

Und wie schaffen Sie es eigentlich, immer so gepflegte Füße zu haben? Mir fällt die Notwendigkeit einer regelmäßigen Fußpflege ja regelmäßig ein, wenn ich mit Sandalen an den Füßen an öffentlichen Orten herumsitze. Untenrum bestehe ich bei solchen Gelegenheiten ja eigentlich ausschließlich aus Hornhaut. Und warum haben Sie immer so merkwürdige Männer? Die meisten Menschen ziehen ja amüsante Gesellschaft der langweiligen vor, aber klar, wenn man einen Job hat, in dem Sie so gut wie umsonst „was mit Menschen machen“... Sie lieben Ihren Mann aber? Dafür jammern Sie aber ziemlich viel, Verehrteste. So lange jammere ich selten bis zur Abschaffung des Ärgernisses.

Ach, aber letztlich, tauschen würden Sie wohl nicht wollen, oder? Mit einer Frau, die regelmäßig morgens aus dem Haus stürzt mit nassen Haaren, um erst in der Bahn zu bemerken, dass sie ihren Büstenhalter falsch herum anhat. Die auf allen Vieren durch ihr vollverglastes Büro kriecht, weil sie einen Ohrring verloren hat, und aus lauter Verlegenheit den Vorbeigehenden leicht verkrampft zuwinkt, weil sie gerade nicht so die Kapazitäten hat, um ihr Verhalten zu erklären. Und die sich bei schlechter Laune nicht so weit im Griff hat, einfach einmal zu schweigen, und statt dessen gern Streit anfängt, um vehement Meinungen zu vertreten, an die sie sich morgen nicht mehr erinnert.

Aber wer es besser getroffen hat, meine Damen, das werden wir bei Gelegenheit noch einmal diskutieren, in zehn Jahren oder zwanzig.

Sonntag, 2. Juli 2006

Ein Dackel namens Satan

Leider, berichtet mir die A., sei ihr Schulfreund D. ja vor kurzem verrückt geworden, und werde, spräche sich das herum, wohl demnächst eingesperrt. Ein klein wenig bedauerlich sei schon, dass ausgerechnet sie sich in den Reihen der Werkzeuge des Wahnsinns wiederfinden habe müssen, allein, sie habe mit den besten, wirklich mit den unschuldigsten Motiven gehandelt, denn nichts zeichnet die anima candida ja mehr aus als die Tierliebe. Reine Tierliebe sei es ja gewesen, die sie vor einigen Wochen ihren Freund D. sie ins Tierheim habe begleiten heißen, denn wenig vorher war ihr Kater Samson gestorben, und Katze Tiffy nun ganz allein. Einen neuen Kater habe sie da erwerben wollen, um die Einsamkeit der verwitweten Katze ein wenig zu lindern.

Bei den Katzen wurde man leider nicht fündig. Uralt waren die ausgestellten Katzen, krank oder irgendwie gestört, und unter lauter lästerlichen Mutmaßungen, was wohl mit den gesunden, jungen Katzen passiere, habe sie dem Ausgang wieder zugestrebt. Es sei also der D. ganz allein gewesen, der den verhängnisvollen Rundgang durch das Hundehaus vorgeschlagen habe, und so zog man also eine Runde vorbei an den Verschlägen der Hunde, die keiner mehr haben will.

Zerfällt die Welt in Hunde- und Katzenliebhaber, so gehört der D. ganz klar in die Kategorie der Hundefreunde, und so zog er also im Zickzack durch die Behausungen der traurigen, herrenlosen Hunde, denn noch mehr als die Katzen belastet die Herrenlosigkeit das hündische Gemüt, und die Hunde wedelten mit Schwanz und drückten ihren Schnauzen eng an das Gitter, damit der D. sich ihrer annehme, um sie mit sich zu führen. Der D. allerdings wohnt irgendwo in Mitte in anderthalb Zimmern, an die Anschaffung eines Hundes war vernünftigerweise nicht zu denken, und so floß ihm zwar das Herz über, aber einen Hund mitzunehmen, fiel ihm zu recht nicht ein.

Auf einmal aber warf der D. sich vor der A. erstaunten Augen fast auf den Boden, gab glucksende Geräusche von sich, und streckte die Hände aus nach einem struppigen, ziemlich grauen Dackel. „Das ist ja Satan!“, ächzte er, strahlte, und das Tier kam ganz nah ans Gitter und ließ sich streicheln. „Satan, bist du wieder da!“, jubelte der D. mit durchaus gesteigerter Phonzahl, und der A. wurde ganz anders.

Satan nämlich hatte einst den Haushalt der Eltern des D. bereichert, damals, als die A. und der D. noch gemeinsam zur Schule gingen, irgendwann in den Achtziger Jahren. Ein ausnehmend hässliches Tier sei Satan gewesen, der Inbegriff des widerspenstigen, schwerhörigen und ungezogenen Dackels, der mit wahrhaft zerstörerischem Furor den D.’schen Haushalt einmal ein- und nicht gleichermaßen unbeschädigt wieder ausgegraben habe, aber der D. liebte den Hund und ließ nichts auf den Dackel kommen. Ein paarmal habe der D. sogar versucht, den Hund in die Schule mitzunehmen, dies sei ihm aber vom Lehrer verwiesen worden, und so wartete der Dackel Satan jeden Tag an der Gartenpforte auf die Rückkehr seines jugendlichen Herrn, um ganze Tänze aufzuführen, kam er um die Ecke.

Doch auch Dackel altern, und eines Tages musste man Satan zum Tierarzt bringen, um das arme Tier zu erlösen. Schwere Schmerzen hatte Satan gelitten, war schon ganz buckelig geworden vor lauter Geschwüren und stank aus dem Mund wie die sprichwörtliche Hure Babylon morgens vorm Zähneputzen. Vor dem jugendlichen D. hatte man dies verheimlicht, um eine Vereitelung des Erlösungsplans zu verhindern, denn ohne weiteres, sagt mir die A., sei jener in der Lage gewesen, mitsamt Hund einfach auszurücken, und den Hund unter Qualen und wesentlich langsamer als in der Praxis des Tierarztes irgendwo verenden zu lassen. – Als der D. also nach der Schule nach Hause kam, war der Hund tot.

Heulend und schreiend habe sich der elfjährige D. auf dem Rasen gewälzt, mit den Fäusten auf den Teppich gehämmert, seine Eltern gelästert und Gott verflucht, der es so eingerichtet hat, dass auch Hunde sterben. Vergeblich versuchten de D.'schen Eltern beruhigend auf ihn einzuwirken, versprachen alles mögliche, wenn er nur aufhöre zu heulen, kündigten den Erwerb eines neuen Hundes an und rangen die Hände. Ein neuer Hund aber, so schluchzte der D., komme ihm nicht ins Haus.

Der Hund aber war und blieb tot, und unter einem Fliederbusch grub man Satans sterbliche Reste in seiner Hundedecke ein, ein großer Stein wurde über das Grab gewälzt, und der D. heulte monatelang jedesmal, wenn er an der leeren Ecke vorbeikam, in der in besseren Tagen die Hundedecke gelegen. Manchmal hörte er des Nachts im Halbschlaf Satans Krallen auf dem Küchenboden. Mitten im Unterricht wurde der D. ab und zu ganz sentimental, und ein paar Tränen rannen über seine Wangen. Ganz generell sackten D.'s Schulleistungen dermaßen ab, dass er erst einmal sitzenblieb, und erst ein Jahr nach der A. Abitur ablegte.

„Satan! Satan! Guter Hund!“, jubelte der D. also vor dem Käfig und drehte sich kurz zur A. um. „Satan ist wieder da!“, verkündete er leuchtenden Auges, und die A. murmelte irgendetwas von einer „wirklich ganz erstaunlichen Ähnlichkeit.“ – Konsterniert starrte der D. zurück. Der Dackel aber sah seine Chance gekommen, aus dem Tierheim zu entkommen, lackte dem D. die Hände, sprang wie närrisch um ihn herum und hatte offenbar beschlossen, aus der Verwechslung den allergrößten Vorteil zu ziehen, den Auszug aus dem Tierheim nämlich, und so kam es denn auch: Der D. verließ das Tierheim mit dem Hund, der Hund war’s zufrieden, und nur der A. war ein wenig mulmig bei der Begeisterung, die der D. an den Tag legte.

Im Wagen hielt die A. den Hund auf den Knien, der D. telefonierte mit seiner Mutter, teilte mit, Satan sei wieder da, und beendete das Gespräch recht brüsk, als die Mutter sich dem Wahrheitsgehalt dieser Behauptung offenbar nicht so aufgeschlossen zeigte, wie der D. es sich vorstellte. „Wir zwei verstehen uns, gell?“, tätschelte er statt dessen dem Dackel den Kopf und enteilte vor seiner Tür mitsamt dem Hunde.

Ob die Hoffnungen des ehemals herrenlosen Dackels sich aber im Haushalte des D. wirklich voll und ganz erfüllt haben, steht zu bezweifeln, denn 60 Qaudratmeter, die einem berufstätigen Single gehören, dürften nicht gerade ein Hundehimmel sein, und so begann Dackel Satan, die Inneneinrichtung des D. langsam zu zernagen. „Immer noch so ungestüm wie immer!“, ließ sich der D. nicht irremachen, und engagierte einen Russen, der täglich mit Satan spazierenzugehen hat, und widmet sich in seiner Freizeit ausführlich dem Hunde. Demnächst, so ist zu vernehmen, plane er den Hund in seinen Heimatort zu Besuch mitzunehmen, wo er, so hofft zumindest die A., in hundegerechter Umgebung auch verbleiben werde. Ob nun als Wiedergänger oder als Nachfolger jenes seligen Satan sei letztlich natürlich völlig egal. Sie habe aber, so teilt die A. mit, die ihr wohlvertraute Mutter des D. einmal angerufen und ihr eingeschärft, die Identität mit dem verstorbenen Hunde auf keinen Fall zu bezweifeln, denn ansonsten werde der D. gegenwärtig ziemlich störrisch.

Montag, 26. Juni 2006

Gelübde

Okay, die Damen, die Sie kennen, sagen das auch immer, aber bei mir stimmt’s wirklich: Ich nehme gerade massiv zu. Ob’s der neue Job ist, der mehr Hunger verursacht, als eigentlich Brennstoffbedarf besteht, ob’s das ruhige Leben ist, das ich mir ja extra zugelegt habe dieses Jahr, nachdem das letzte Jahr sich als etwas strapaziös erwiesen hat, so privat und auch sonst so – drei Kilo seit Februar, da werden Sie mir zustimmen, sind eine Menge, und vielleicht ist es auch das Alter, das zwei warmen Mahlzeiten täglich so langsam doch einen Riegel vorschiebt, will ich nicht so enden wie die Leute, die man manchmal in der Bahn auf gleich zwei Plätzen sitzen sieht.

Übertriebene Diäten jedoch verursachen ja nicht nur schlechte Laune – öffentlich und sehr spektakulär umgekippt bin ich irgendwann einmal, Jahre ist es her, als ich einmal versucht hatte, drei Kilo in drei Wochen von den Hüften zu schaufeln. Langsames Abnehmen ist also das Gebot der Stunde, und so entsage ich nunmehr öffentlich, meine sehr verehrten Damen und Herren, dem fetten Käse, dem späten Haloumi im Brot, dem Bier natürlich, und verstecke das neue Heft von „Essen und Trinken“ irgendwo, wo ich es nicht ständig sehe. Rehspieße mit Pfifferlingen, S. 50 oder den Lammbraten mit Kräutern irgendwo hinten im Heft gibt es also erst wieder, wenn ich die 60 Kilo unterschreite.

Leider gehöre ich keineswegs zu denjenigen Menschen, die ohnehin am liebsten Salat essen. Zu einem Essen gehört Butter, zu einem Essen gehört Sahne, feines Olivenöl, Käse in jeder Form, und panierten Fleischlappen bin ich auch nicht abgeneigt. Ein Leben ohne Kuchen oder Schokolade gehört auch nicht zu den Dingen, die mir am wünschenswertesten erscheinen, aber ab heute gibt es nur noch diejenigen Dinge, die trotz geringer Nährstoffdichte zumindest annehmbar schmecken: Morgens Obst. Mittags Sushi oder Salat. Und abends thailändisch ohne Kokosmilch oder chinesisch ohne Friteuse. Oder Sushi, Unmengen rohen Fisches, sehr wenig Reis, und die drei, vier Obstsorten, die ich ganz gerne mag: Melonen, Erdbeeren und Beerenfrüchte, aber nicht die, die man zuckern muss.

Oh, werde ich schlechtgelaunt sein die nächsten Wochen. Das wird hart für meine Umgebung. Dieses Blog wird versinken in einer gigantischen miesen Laune, aber damit ich das auch durchhalte:

Wer auch immer, meine Damen und Herren Berliner, mich in den nächsten drei Wochen mit einem Bier, einer Bratwurst oder ähnlich fettem Zeug sieht, bekommt auf der Stelle ein Eis von mir ausgegeben. Drei Kugeln. Gern mit Sahne.

Und ich esse nicht mit.



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Eine Gießkanne in Hundeform, ehrlich, das ist halt...
[Josef Mühlbacher - 6. Nov., 11:02 Uhr]
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[Modeste - 6. Apr., 15:40 Uhr]
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[Modeste - 1. Apr., 22:41 Uhr]
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